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Psychotherapie kann Magersüchtigen helfen

Magersucht ist eine gefährlich psychische Erkrankung. Eine Therapie ist schwer, manchmal unmöglich. Jetzt haben Ärzte den Einsatz von drei Psychotherapieverfahren getestet.  Das Ergebnis: Erwachsene magersüchtige Patientinnen, die nicht zu schwer erkrankt sind, konnten mit psychotherapeutischer Behandlung erfolgreich behandelt werden. Auch nach Therapieende nehmen sie weiterhin an Gewicht zu.

„Im Langzeitverlauf führt die Magersucht in bis zu 20 Prozent zum Tode – damit ist sie die gefährlichste aller psychischen Erkrankungen. Betroffene leiden zudem oft ihr ganzes Leben lang unter psychischen oder körperlichen Folgen der Magersucht“, beschreibt Prof. Dr. Stephan Zipfel, Abteilung für Psychosomatische Medizin der Universitätskliniken Tübingen die große Problematik. Obwohl der Leidensdruck groß und die Gefahren immens sind, kritisiert Zipfel, dass die Wirksamkeit verschiedener Therapieverfahren bisher kaum untersucht wurde.

An Magersucht leiden etwa ein Prozent der Bevölkerung; betroffen sind zum einem erheblichen Anteil  Mädchen oder junge Frauen. Die anhaltende Nahrungsverweigerung gepaart mit selbst herbeigeführtem Erbrechen, dem Gebrauch von Abführmitteln, harntreibenden Medikamenten oder Appetitzüglern und ein meist sehr ausgeprägter Bewegungsdrang lassen Magersüchtige extrem untergewichtig werden.  Das Körpergewicht der betroffenen Patientinnen beträgt höchstens 85 Prozent des Normalgewichtes (Body Mass Index, BMI, von weniger als 17,5 kg/m²). Die Betroffenen haben große Angst vor einer Gewichtszunahme; zudem liegt eine gestörte Wahrnehmung der eigenen Figur vor. Oft leiden sie unter weiteren psychischen Störungen wie Depression, Angst- und Zwangsstörungen.

In einer Studie (ANTOP-Studie „Anorexia Nervosa Treatment of Out Patients“) wurden an zehn deutschen universitären Ess-Störungszentren 242 erwachsene Patientinnen insgesamt 22 Monate (10 Monate Therapie, 12 Monate Nachbeobachtung) begleitet. Bei drei Gruppen von je etwa 80 Patientinnen kam jeweils ein anderes ambulantes Psychotherapieverfahren zum Einsatz. Verglichen wurden die drei Psychotherapieverfahren:

1. Die fokale psychodynamische Psychotherapie bearbeitet in Therapiesitzungen die ungünstige Gestaltung von Beziehungen sowie Beeinträchtigungen bei der Verarbeitung von Emotionen. Die Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Patientin spielt dabei eine große Rolle. Sie wird speziell auf den Alltag nach Ende der Therapie vorbereitet.
2. Die kognitive Verhaltenstherapie hat zwei Schwerpunkte: die Normalisierung des Essverhaltens und Gewichtssteigerung sowie die Bearbeitung mit der Ess-Störung verbundener Problembereiche, z.B. Defizite bei sozialer Kompetenz oder bei der Fähigkeit, Probleme zu lösen. Die Patienten erhalten auch „Hausaufgaben“ von ihren Therapeuten.
3. Die Standard-Psychotherapie wurde als optimierte Regelversorgung von erfahrenen Psychotherapeuten durchgeführt, die sich die Patientinnen selber aussuchen konnten. Ergänzend waren die Hausärzte in die Therapie eingebunden; die Patientinnen besuchten ergänzend fünfmal das jeweilige Studienzentrum.

In allen drei Gruppen hatten nach Therapie-Ende und der Nachbeobachtungszeit die Patientinnen deutlich an Gewicht zugenommen. Ihr BMI hatte durchschnittlich um 1.4 BMI Punkte (entspricht durchschnittlich 3,8 kg) zugelegt. Betont Zipfel aber: „Am Ende unserer Studie war die fokale psychodynamische Therapie am erfolgreichsten; die spezifische kognitive Verhaltenstherapie führte dem gegenüber zu einer schnelleren Gewichtszunahme.“ Außerdem mussten die psychodynamisch behandelten Patientinnen seltener zusätzlich stationär behandelt werden. Die Akzeptanz der beiden neuen Psychotherapien war bei den Patientinnen sehr hoch. Dennoch: Auch ein Jahr nach Ende der Therapie litt ca. ein Viertel der Patientinnen immer noch unter Magersucht.

Berliner Ärzteblatt 15.10.2013/ Quelle: The Lancet 2013

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