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Überlandstromleitungen erzeugen niederfrequente magnetische Wechselfelder und gelten als potentiell gesundheitsgefährdend (Gabi Schoenemann/ pixelio.de)
Überlandstromleitungen erzeugen niederfrequente magnetische Wechselfelder und gelten als potentiell gesundheitsgefährdend (Gabi Schoenemann/ pixelio.de)
Niederfrequente magnetische Felder: Nicht verantwortlich für Alzheimer?

Dass sie nicht verantwortlich für dementielle Erkrankungen sind, ist jedenfalls das Ergebnis einer Studie der Universitätsmedizin Mainz. In der Untersuchung konnte man keine Hinweise für eine Verstärkung oder Beschleunigung der Krankheitsentwicklung durch solche Felder finden. Allerdings: Bei der Studie handelt es sich um Laborexperiment an Mäusen. Die Frage darf erlaubt sein, ob diese Ergebnisse in dieser Form auf den Menschen zu übertragen sind.

Die Mainzer Wissenschaftler stellen fest: "Niederfrequente magnetische Wechselfelder wie sie beispielsweise Überlandstromleitungen erzeugen, gelten als potentielles Gesundheitsrisiko, nachdem epidemiologische Studien Hinweise ergaben, dass sie unter anderem neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit oder die Amyotrophe Lateralsklerose befördern könnten." Warum das allerdings so ist und welche Zusammenhänge bestehen, das liege weitgehend im Dunkeln. Deshalb haben die Wissenschaftler vom Institut für Pathobiochemie Mäuse über einen Zeitraum von bis zu 18 Monaten niederfrequenten Magnetfeldern ausgesetzt.

Die kontrollierte Exposition im Tiermodell veränderte die Entstehung und den Krankheitsverlauf der Alzheimer-Demenz und der ALS nicht, sagen die Wissenschaftler. Eine detaillierte Analyse der für die jeweiligen Krankheiten charakteristischen Merkmale zeigte, dass sich diese unabhängig vom Einwirken niederfrequenter Magnetfelder entwickeln. Auch die im Krankheitsverlauf auftretende Entzündungsreaktion im Nervensystem hätten keine Veränderung gebracht. Darüber hinaus waren weder das Lernverhalten als Zeichen für das Fortschreiten der Alzheimer-Demenz, noch das Auftreten und die Dauer der ALS-Erkrankung durch die magnetischen Felder beeinflusst.

Also alles gut, alles schön? Irgendwie können einen die Ergebnisse nicht beruhigen. Selbst die Mainzer Wissenschaftler räumen ein, dass noch "eine Vielzahl unterschiedlicher Studien nötig" sei, "um eine Bewertung niederfrequenter magnetischer Felder hinsichtlich möglicher gesundheitsschädlicher Effekte auf den Menschen vornehmen zu können".

Andere bewerten das Risiko auch anders. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beispielsweise schätzt niederfrequente Magnetfelder als einen möglichen Risikofaktor für die Alzheimer-Demenz an. Das Umweltbundesamt erkennt durchaus eine Leukämiegefahr für Kinder, die von niederfrequenten Feldern ausgeht. Abhängig sei das Risiko aber von der Höhe der Bestrahltungsdosis. Außerdem gebe es ein erhöhtes Auftreten von einige neurodegenerativen Erkrankungen, bei denen es zu einem fortschreitenden Verlust von Nervenzellen kommen, wie bei Alzheimer, anderen Demenzformen sowie Bewegungsstörungen durch Muskelschwäche (amyotrophe Lateralsklerose - ALS).

Die Uniklinik der RWTH Aachen hat für die Bundesnetzagentur ein Gutachten angefertigt. Darin stellt sie fest: "Mehrere Studien deuten darauf hin, dass die berufliche Exposition bei Netzfrequenz-Magnetfeldern mit einem erhöhten Risiko an Alzheimer-Krankheit und amyotropher Lateralsklerose zu erkranken, einhergeht. Es wurde kein Zusammenhang zwischen der beruflichen Exposition und Parkinson-Krankheit sowie multipler Sklerose festgestellt."

Der BUND für Umwelt und Naturschutz Deutschland listet in einem Hintergrundpapier auf: "Für Expositionen über 0,2μT wurden in epidemiologischen Untersuchungen statistisch signifikant erhöhte relative Risiken vor allem für eine Erkrankung an Amyotrophischer Lateralsklerose (eine degenerativen Erkrankung des Nervensystems), weniger deutlich auch für die Alzheimer-Krankheit und andere Formen dementer Erkrankungen nachgewiesen. Auch liegen zahlreiche wissenschaftliche Hinweise darauf vor, dass niederfrequente Magnetfelder zu Veränderungen am Erbmaterial, zur vermehrten Produktion von Zell-Stress-Proteinen und zu Beeinträchtigungen bestimmter Zellfunktionen führen können. Alle diese Effekte haben Bedeutung für die Kanzerogenese."

Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang vielleicht, dass einer der weltgrößten Rückversicherer, die Swiss-RE, elektromagnetische Felder in die höchste Risikostufe eingeordnet hat. Damit befinden sie sich auf gleicher Stufe wie die Nanotechnologie und chemische, als EDC (endocrine disrupting chemicals) bezeichnete Substanzen, die u.a. in der Textilbranche eingesetzt werden.

Berliner Ärzteblatt 16.03.2015/ Quelle: Scientific Reports

 

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