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Fingolimod: Neues Medikament gegen MS ist nicht ohne Gefahren

Fingolimod ist ein Medikament gegen Multiple Sklerose (MS). Es wurde erst vor kurzem in der EU zugelassen und ist mit großen Erwartungen verbunden. Schon allein aus dem Grund, dass es als Tablette eingenommen wird und nicht gespritzt werden muss Doch die nachweislichen Wirkungen werden von nachweislich – erheblichen – Nebenwirkungen begleitet.

Professor Dr. Bernhard Hemmer von der Neurologischen Klinik des Klinikums rechts der Isar der TU München hat erforscht, dass Fingolimod einen wesentlich Vorgang beim Entstehen von MS unterbinden kann: die Zerstörung der Myelinschicht von Nervenzellen. Die Myelinschicht umgibt die Nervenzellen wie eine Schutzhülle und bewahrt sie so vor Beschädigung. Bei MS greifen fehlgesteuerte Verteidigungszellen (T- und B-Zellen aus den Lymphknoten) des Immunsystems diese Schicht an und zerstört sie. Dieses hat den langsamen Untergang von Gehirnfunktionen und die für MS typischen neurologischen Einschränkungen zur Folge.

Fingolimod kann die Zahl dieser gefährlich werdenden Killerzellen in der Flüssigkeit von Gehirn und Rückenmark deutlich verringern. Hemmer sieht den Erfolg darin, dass "durch die Einnahme des Medikaments das Immunsystem im zentralen Nervensystem eindeutig verändert" wird.

Dieser Vorteil hat seinen Preise. So könnte es sein, mutmaßt der Arzt, dass das Medikament Patienten anfälliger für Infektionen des Gehirns macht. Dabei geht es um Herpesviren im Gehirn, die durch Fingolimod aktiviert werden könnten. Es hatte zwei Todesfälle auf Grund dieser Infektion gegeben, die Erklärung dafür fehlt aber noch. Mit Fingolimod behandelte Patienten müsste "engmaschig" kontrolliert werden, sagt Hämmer, damit Langzeitrisiken frühzeitig erkannt werden. 

Fingolimod stammt aus dem Pilz Isaria sinclairii, der in der traditionellen chinesischen Medizin als Verjüngungsmittel eingesetzt wurde. Der Wirkstoff wurde zur Unterdrückung von Abstoßneigungen nach Nierentransplantationen entwickelt. Das Deutsche Ärzteblatt schreibt, dass es in zwei Studien die Wirkung eines Standardmedikaments (Interferon beta-1a) übertraf. Dennoch werde das Präparat fast nur zur Zweitlinientherapie bei Patienten mit hochaktiver schubförmiger multiplen Sklerose (RRMS) eingesetzt, bei denen es unter der Therapie mit Beta-Interferonen nicht zu einer Verbesserung gekommen ist. Eine weitere Indikation sei ein rasches Fortschreiten der Erkrankung.



Berliner Ärzteblatt 15.04.2011/ Quelle: Neurology (DOI 10.1212/WNL.0b013e3182143564)

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