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Multiple Sklerose: Neuer Wirkstoff verspricht Schutz der Gehirnzellen

Menschen, die unter Multiple Sklerose (MS) leiden, kämpfen gegen das Absterben von Nervenzellen in ihrem Gehirn. Ein bisher leider aussichtsloser Kampf. Denn heilbar ist die Erkrankung noch nicht. Doch es gibt immer mehr Ansätze, das Fortschreiten der MS zu verlangsamen oder sogar zu verhindern. Mehr Wirkung und weniger Nebenwirkung verspricht jetzt eine neue Substanzklasse, die zwei bereits bekannte Wirkstoffe zur Unterdrückung der Immunabwehr kombiniert.

Bei Multiple Sklerose wird das Zentrale Nervensystem durch ständige Entzündungen drangsaliert. Die sich fortsetzenden Angriffe zerstören mit der Zeit die Isolierung der Leitungsbahnen von Nervenzellen, die so genannten Myelinscheiden. Und das hat die Störung der Signalleitung und schließlich den Tod der betroffenen Nervenzellen zur Folge. Bei den Patienten, die unter den Attacken des eigenen Abwehrsystems leiden, äußert sich das laut Deutscher Multiple Sklerose Gesellschaft (DMSG) durch Sehstörungen, Koordinationsprobleme, Muskelschwäche bis hin zu Lähmungen, Taubheit oder Kribbeln den Füßen, Müdigkeit, Harndrang sowie einen Verlust des Libido. MS führt im übrigen nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen, die meisten Patienten sind auch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung, sich alleine zu bewegen und zu gehen.

MS zu behandeln heißt, Hirnzellen gegen Angriffe des eigenen Immunsystems zu schützen und die Schädigung und den Verlust von Hirnzellen zu verhindern. Darüber hinaus soll die Regeneration der Zellen positiv beeinflusst werden. Die bisherigen Therapien leisten das oft nur ungenügend, sind teuer oder sind nebenwirkungsreich und für den Patienten deshalb sehr belastend. Große Hoffnungen setzen die Ärzte inzwischen auf die Fumarsäure. Der aus der Behandlung der Schuppenflechte bekannte Wirkstoff soll MS-Symptome ohne extreme Nebenwirkungen behandelter machen.

Nun gibt es möglicherweise einen weiteren Hoffnungsträger: Dabei geht es um eine neue Wirkstoffklasse, die aus der Kombination von zwei bereits zugelassenen Pharmaka-Grundkörpern entsteht. Die als Bausteine benutzten Wirkstoffe der Cyclosporin und FK506 (Tacrolimus)-Reihe werden, chemisch etwas abgewandelt, bereits seit langem medizinisch als Immunsuppressiva eingesetzt. Das bedeutet, dass beide die Immunabwehr des Körpers unterdrücken. Das ist vor allem dann notwendig, wenn sich der Organismus gegen sich selbst wendet, wie das bei manchen - auch als Automimmun-Erkrankungen (es gibt ca. 60)  bezeichneten Vorgängen - geschieht. Auch bei Organtransplantationen müssen die Abwehrkräfte daran gehindert werden, das neue Organ "abzustoßen".  Die Verbindung beider Substanzen schützt die Nervenzelle durch unterschiedliche, aber sich ergänzende und dadurch verstärkende Wirkmechanismen. Weil auch der Einfluss auf die Immunabwehr begrenzt wird, sinkt die Schwere der Nebenwirkungen. Jetzt wurde die neue Wirkstoffklasse zum Patent angemeldet.

Berliner Ärzteblatt 26.11.2012/ Quelle: Max-Planck-Forschungsstelle für Enzymologie der Proteinfaltung, Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE)

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