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Parkinson: Hoffnung auf Hemmung des Krankheitsverlaufs

Können Patienten/-innen mit Morbus Parkinson hoffen? Ärzte lernen Entstehung und Mechanismen der Erkrankung besser verstehen. Das macht einen frühzeitigen Behandlungsbeginn und ein Verzögern des Krankheitsverlaufs möglich. Außerdem gibt es neue Therapien, mit denen sich die typischen Bewegungsstörungen und weitere, bisher oft vernachlässigte Begleitsymptome möglicherweise besser beherrschen lassen.

„Wir können Parkinson-Patienten/-innen schon heute wesentlich besser behandeln als noch vor ein paar Jahren, und die Vertiefung unseres Krankheitsverständnisses lässt die Entwicklung noch wirksamerer Therapien erwarten“, sagt Prof. Dr. Heinz Reichmann, Universitätsklinikum Carl Gustav Carus, Dresden. Sind das mehr als leere Worte? Anscheinend nicht. Denn die Ärzte machen tatsächlich Fortschritte. So wissen sie seit neuestem, dass Morbus Parkinson nicht in den motorischen Zentren des Gehirns, sondern in Nervenzellen des Geruchsinns beginnt und sich Zelle für Zelle weiter fortpflanzt: Zunächst in Richtung Magen und von dort über den Nervus Vagus zum Gehirn. Was die Gründe des Krankheitsausbruchs betrifft, werden genetische Risikofaktoren, schädliche Umwelteinflüsse wie Gifte, zum Beispiel Kohlenmonoxid oder Mangan uvm., oder Viren oder Bakterien diskutiert. Wahrscheinlich wirken aber verschiedene Auslöser zusammen. Wozu das Wissen nützt? Es eröffnet die Möglichkeit, "die Krankheit noch viel früher zu entdecken und ihre Ausbreitung zu unterbinden“, erklärt Reichmann.

Ein Schritt in Richtung wirksamer Prävention könnte schon gelungen sein. „Während wir bisher der Meinung waren, dass die Standard-Therapie mit sogenannten Dopamin-Agonisten und MAO-Hemmern erst Sinn macht, wenn die Symptome zu Behinderungen führen, gibt es nun erstmals Studienergebnisse, die anderes zeigen: Die sofortige Behandlung mit den MAO-B-Hemmern Rasagilin, eventuell auch Selegilin, scheint einer Verschlechterung der Lebensqualität vorzubeugen“, so Reichmann. Möglicherweise bedeutet diese Erkenntnis schon bald neue, verbesserte Behandlungsstrategien.

Bisher wurden die durch Morbus Parkinson hervorgerufenen unfreiwilligen Bewegungen (Dyskinesien) bevorzugt mit Dopamin-Agonisten und nicht mit Levo-Dopa behandelt, was jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen führt. „Sechs bis zehn Prozent der mit Dopamin-Agonisten behandelten Patienten/-innen entwickeln Impulskontrollstörungen wie Spiel-, Kauf-, Sex- oder Esssucht“, weiß Reichmann. „Neue Studien zeigen, dass diese durch die gleichzeitige Gabe von Levo-Dopa vermieden werden können. Wir diskutieren daher eine Optimierung der Leitlinien, um einen gleich hohen Therapieeffekt mit weniger Nebenwirkungen zu erzielen.“

Verbesserte Therapien könnten aber auch bald Patienten/-innen mit bereits fortgeschrittener Parkinson-Erkrankung und entsprechend intensiven Dyskinesien zur Verfügung stehen. Erste Langzeitstudien belegen die Erfolge der Apomorphin-Pumpe, die über eine kleine, unter die Haut gesetzte Nadel kontinuierlich den Dopamin-Agonisten Apomorphin in die Blutbahn abgibt. Positive Ergebnisse gibt es auch für die L-Dopa-Pumpe, die diese Substanz über einen kleinen, implantierten Schlauch direkt in den Dünndarm einführt.

Neue Untersuchungen mit der Tiefen Hirnstimulation („Gehirnschrittmacher“) zeigen die Wirksamkeit und Grenzen dieser Therapie. „Entgegen unseren Hoffnungen können wir das Fortschreiten der Erkrankung damit nicht vollständig unterbinden“, räumt Reichmann ein. „Außerdem sehen wir, dass die Operation nur von sehr erfahrenen Spezialisten/-innen durchgeführt werden sollte: Wenn die Elektrode auch nur um einen Millimeter falsch gesetzt wird, kann es zu Störungen des Sehvermögens und emotionalen Störungen kommen, ohne dass die Bewegungsstörungen dadurch gebessert würden.“

In den Griff sollen auch die häufigen Begleitsymptome der Erkrankung gebracht werden. So leiden Parkinsonpatienten an: .Verstopfung (45 Prozent), Riechverlust (90 Prozent), Doppel-Sehen (10 Prozent), fettige Haut, exzessives Schwitzen, Impotenz (30 Prozent), bzw. bei Frauen Gefühlsarmut, Harninkontinenz (50 Prozent), diffuse Schmerzen (30 Prozent), Depression (30 Prozent), Anhedonie (Freudlosigkeit) (30 Prozent), Demenz (nahezu bei allen Patienten/-innen in den letzten Jahren der Erkrankung).

„Neueste Untersuchungen zeigen, dass diese Symptome, vor allem Depression und Demenz, die Patienten/-innen mehr Lebensqualität kosten als die Bewegungsstörungen“, betont Reichmann. „Wir müssen daher die konsequente Erhebung und Behandlung auch dieser Parkinson-bedingten Phänomene fordern. Noch nicht bei allen ist dies wirksam möglich, aber wir haben gute Medikamente gegen Depression, Verstopfung und übermäßige Schweißentwicklung. Der Ausbruch von Demenz lässt sich verzögern und gegen Riechverlust ist ein neuer Wirkstoff in Erprobung, der diesen zumindest etwas bessern können dürfte.“

wanc 12.06.2012/ Quelle: Europäischer Neurologenkongress in Prag
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