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Erkrankungen des Nervensystems kündigen sich Jahre vorher an

Mediziner nennen sie neurodegenerative Erkrankungen und meinen damit Schädigungen des Nervensystems. Diese führen meist zu einem Verlust von Nervenzellen, von dem vorwiegend das Gehirn und das Rückenmark betroffen sind. Jetzt haben Mediziner entdeckt, dass sich Erkrankungen wie Alzheimer und Huntington bereits Jahre im Voraus durch subtile Veränderungen des Gehirns und des Verhaltens ankündigen.

Wenn Nervenzellen untergehen und darunter das Gehirn leidet, dann sind Erkrankungen wie Demenzen, z.B. Alzheimer, oder Bewegungsstörungen, z.B. Parkinson oder Chorea Huntington, die Folge. Ist das Rückenmark in Mitleidenschaft gezogen, kommt es zu Lähmungen oder Muskelschwund, z.B. spinale Muskelatrophie. Auch Bewegungsstörungen aus der Gruppe der spinozerebellären Ataxien zählen dazu.

Das Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) beschreibt spinozerebelläre Ataxien wie folgt: Sie umfassen eine Reihe genetisch bedingter Erkrankungen des Kleinhirns und anderer Hirnbereiche. Die Betroffenen können ihre Bewegungen nur eingeschränkt kontrollieren. Außerdem leiden sie unter Störungen des Gleichgewichts und Sprechvermögens. Ursache dafür sind Veränderungen des Erbguts. Sie bewirken, dass Nervenzellen geschädigt werden und absterben. Diese Gendefekte sind vergleichsweise selten: Schätzungen gehen davon aus, dass hierzulande rund 3.000 Menschen betroffen sind.

Mittlerweile wurden verschiedene Unterarten dieser neurodegenerativen Erkrankungen aufgespürt. Es existieren allerdings vier häufigste Formen (SCA1, SCA2, SCA3 - Machado-Joseph-Krankheit (MJD), SCA6), die mehr als die Hälfte aller Krankheitsfälle ausmachen. Das Alter, wann bei Betroffenen erste Symptome auftreten, liegt bei diesen zwischen dem 30. und dem 50. Lebensjahr. Europaweit wurden von 2008 bis 2011 rund  250 Geschwister und Nachkommen von Patienten untersucht. Die Patienten litten zwar nicht unter offensichtlichen Ataxie-Symptome. Doch etwa die Hälfte hatte jene Genfehler geerbt, die langfristig unweigerlich zu einer Erkrankung führen.



Die Betroffenen wurden verschiedenen Tests unterzogen, beispielsweise der Bewegungskoordination. Bei zweien der vier untersuchten Ataxie-Formen konnten die Wissenschaftler Vorzeichen einer bevorstehenden Erkrankung erkennen. Prof. Thomas Klockgether vom DZNE erklärt: „Wir haben einerseits einen Verlust an Hirnmasse festgestellt, insbesondere Schrumpfungen im Bereich des Kleinhirns und Hirnstamms, außerdem subtile Störungen der Koordination. Solche Entwicklungen sind also schon Jahre vor dem voraussichtlichen Ausbruch der Erkrankung messbar.“



Was das für Patienten bedeutet? Die Erkrankungen des Nervensystems beginnen nicht erst, wenn die Symptome tatsächlich merkbar auftreten. Vielmehr breitet sich die Krankheit schleichend aus. Die Entwicklung findet schon Jahre oder gar Jahrzehnte vorher statt. Das eröffnet Chancen, meint Klockgether: „Würde man mit geeigneten Therapien früh genug in diesen Verlauf eingreifen, dann besteht die Möglichkeit, den Krankheitsprozess zu verlangsamen oder gar zu stoppen.“


Berliner Ärzteblatt 23.05.2013/ Quelle: The Lancet Neurology
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