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Schützen Cholesterinsenker vor Vergesslichkeit oder machen sie vergesslich?

Cholesterinsenker (Statine) stehen in dem Ruf, nicht gerade mit Nebenwirkungen zu geizen. Vor allem unter Muskelschmerzen leiden Patienten, die diese Medikamente einnehmen. Die vielen Nebenwirkungen bringen sowohl Ärzte als auch betroffene Patienten dazu, vermehrt über den tatsächlichen Nutzen von Statinen nachzudenken. In diesem Zusammenhang ist auch davor gewarnt worden, dass Statine das Gedächtnis schädigen könnten. Eine Auswertung von Studiendaten will jetzt belegen, dass diese Angst unbegründet erscheint. Bei kurzfristiger Einnahme soll es kein erhöhtes Risiko geben und bei längerer sogar ein Schutzeffekt entstehen.

Ausgewertet wurden Daten von 23.443 Männern und Frauen, von denen niemand unter Gedächtnisstörungen litt. Die Patienten waren zwischen drei und 24,9 Jahren mit Statinen behandelt worden.  US-Forscher um Kristopher J. Swiger von der Johns Hopkins University in Baltimore fanden bei kurzfristiger Einnahme kein erhöhtes Risiko für das Entstehen einer Demenz und bei längerer sogar einen Schutzeffekt. Wurden Cholesterinsenker um länger als ein Jahr eingenommen, dann senkten sie das Risiko einer Demenz um 29 Prozent.

Das hört sich gut an, muss einen aber ein wenig verwundern. So stellen die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) fest, dass mehrere Studien zum Ergebnis hatten, dass Menschen, die Statine einnehmen, seltener von einer Demenz betroffen sind. Andere Untersuchungen hätten aber keinen Effekt gefunden. Im Gegenteil wurden nach der Einnahme vereinzelt sogar Gedächtnisstörungen und Vergesslichkeit beobachtet, bis hin zum vorübergehenden Gedächtnisverlust. Diese Erkenntnisse spiegelten sich in den Beipackzetteln dieser Präparate wieder.

So kann nach Ansicht von Experten auch die neue Untersuchung Zweifel nicht beseitigen. Merkt Professor Matthias Endres, Direktor der Klinik für Neurologie an der Berliner Charité, kritisch an: „Einige große Statin-Studien, wie die PROSPER-Studie (Prospective Study of Pravastatin in the Elderly at Risk) oder die Heart Protection Study, ergaben keinen Hinweis auf einen schützenden Effekt der Statine. Diese wurden aber in der aktuellen Übersichtsstudie nicht mit eingerechnet.“ Das Problem: Die Auswertung umfasst nur eine Auswahl von Studien, es bleibt unklar, warum einige nicht berücksichtigt wurden. Das macht auch andere Experten stutzig. „Auch aufgrund früherer Berichte zu möglichen Nebenwirkungen der Statine auf das Gedächtnis ist auch diese neue Studie mit Vorsicht zu betrachten“, zweifelt Professor Hans-Christoph Diener, Direktor der Klinik für Neurologie am Universitätsklinikum Essen.

Dennoch erscheint es Diener erst einmal logisch, dass Statine einen den das Gedächtnis schützenden Effekt haben. Schließlich könnten sie die Ablagerungen (Plaques) in den Gefäßen verringern, die Verengungen verursachen und so den Blutfluss ins Gehirn vermindern oder durch Verstopfungen Schlaganfälle auslösen können. Allerdings: Es ist bekannt, dass Cholesterinsenker den Blutzuckerspiegel erhöhen und damit Diabetes begünstigen können. Ein hoher Blutzucker kann aber auch die Gehirnleistung reduzieren. Außerdem können Statine die Nerven schädigen. Und Nervenschädigungen können nicht nur in den Beinen, sondern genoss im Gehirn auftreten. Nervenverlust im Gehirn ist aber ein Grund für dementielle Prozesse.

Damit ändert sich eigentlich nichts. Statine überhaupt oder sogar als Anti-Demenzmittel einzunehmen, ist und bleibt eine individuelle Risikoabschätzung jedes einzelnen Betroffenen. Im übrigen, müssen es nicht Medikamente sein, um Demenz vorzubeugen oder hohe Blutfette abzubauen. Regelmäßiger moderater Sport hat sich als Vorsorgemaßnahme gegen Demenz ähnlich wirksam erwiesen. Und regelmäßige Bewegung und eine gesunder Ernährung können gegen hohe Cholesterinwerte nützlich sein.
 
Berliner Ärzteblatt 31.01.2014/ Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN), Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft (DSG), Mayo Clin Proc.

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