Schwangerschaft verändert auch das Gehirn der werdenden Mütter
 

Eine Schwangerschaft hat enorme Auswirkungen auf den Körper der Frau. Es verändern sich die Hormonlage, Herz-Kreislauf- und Immunssystem, Lunge, Mund, Magen-Darm-Trakt, Stoffwechsel, Gewicht, Brust, Gebärmutter und Haut. Aber auch die Psyche ist betroffen. Und, das offenbaren nun neue Erkenntnisse, auch das Gehirn der werdenden Mütter verändert sich.

Was der Körper einer Frau während der Schwangerschaft durchmacht, ist ein tiefgreifendes Erlebnis, das jede Frau aber ein Stück anders empfindet. Nach der Befruchtung werden vor allem hormonelle Prozesse in Gang gesetzt, um den Organismus an die mit der Schwangerschaft auftauchenden Anforderungen anzupassen. So wird das Schwangerschaftshormon hCG (humanes Choriongonadotropin) sowie vermehrt Progesteron (die Menge im Blut steigt um das 10- bis 15-fache an) und Östrogen (während einer Schwangerschaft wird so viel produziert, wie sonst im gesamten Leben nicht) gebildet. Diese sind zum einen dafür verantwortlich, dass sich die Eizelle in der Gebärmutter einnisten kann und zum anderen kontrollieren sie die Wachstumvorgänge.

Alle Veränderungen sind darauf ausgerichtet, dem Embryo optimale Entwicklungschancen zu bieten. Das ist manchmal für die Frau nicht ganz angenehm, weil sich das vor allem in der Frühphase eher negativ auf das körperliche Wohlbefinden auswirken kann. Doch auch die Psyche leidet manchmal, weil die Schwangerschaft häufig eine Zeit intensiver und schnell wechselnder Gefühle und Empfindungen ist. 

Nun haben Mediziner an den Universitäten von Barcelona, Leiden und Madrid heraus gefunden, dass eine Schwangerschaft auch das Gehirn von werdenen Müttern verändert. Diese Veränderungen zielen nach Ansicht der Wissenschaftler darauf ab, die Fähigkeiten der Mütter zu erhöhen, sich um ihren Nachwuchs zu kümmern, ihn zu schützen und mit ihm zu kommunizieren. Was in bestimmten Arealen des Gehirns stattfindet, ist im übrigen keine vorüber gehende Anpassung. Es handelt sich vielmehr um eine Umstrukturierung, die noch mindestens zwei Jahre bis nach der Geburt anhält.

Beobachtet wurden 25 Frauen, die zum ersten Mal schwanger geworden waren. Mit dem Beginn der Schwangerschaft nahm die  Gehirnmasse in den Bereichen der präfontalen und temporalen Hirnrinde ab. In diesen Arealen laufen die sozialen und die auf einen selbst bezogenen Prozesse ab. Was das bedeutet, erklärt der WissenschaftlerOscar Vilarroya so: "Es handelt sich dabei um einen Anpassungprozeß, um die Bedürfnisse des Kindes besser erkennen zu können. Wir können daraus Rückschlüsse auf die neurale Basis der Mutterschaft, die perinatale psychische Gesundheit und die Veränderbarkeit des Gehirns ziehen."

Im übrigen: Bei den nicht-schwangeren Frauen in der Kontrollgruppe veränderte sich das Gehirn genausowenig wie bei den jeweiligen männlichen Partnern der Mütter in spe. Und: Die Veränderungen des Gehirns bedeuten nicht, dass die geistige Leistungsfähigkeit der Frauen davon betroffen ist. Die Mediziner betonen, dass der zeitweise Verlust von Gehirnmasse keine Defizite in Erinnerungs- und Denkvermögen mit sich bringen. 

22.12.2016/ Quelle: Nature





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http://www.medizinauskunft.de/home/artikel/familie/schwangerschaft/gehirn-schwangerschaft-22-12-16.php