Multivitamin-Präparate für Schwangere: Fast immer unnötig
 

"Ein Vitamin-Komplex kann eine gute Sache sein. So stellen Sie sicher, dass Sie und Ihr Baby alle richtigen und wichtigen Nährstoffe bekommen." So liest es sich unverfänglich und gut gemeint auf Plattformen, die die passenden Vitaminpräparate natürlich gleich zur Hand haben. Denn klar ist: Alles, was dem Baby und seiner Mutter gut tut, ist gut. Doch stimmt das überhaupt? Eine Untersuchung sagt jetzt, dass eine Ergänzungstherapie außer für Folsäure und Vitamin D eine "nutzlose Ausgabe" ist.

Die Experten kennzeichnen die Situation so: "Es ist wichtig, sicher zu stellen, dass sich werdende Mütter vor und während der Schwangerschaft richtig ernähren, um ihre eigene und die Gesundheit des ungeborenen Kindes zu erhalten. Mangelhafte Versorgung mit wichtigen Nährstoffen wird mit Präeklampsie, beschränktem fetalem Wachstum, Neuralrohrdefekt, Sekelettdeformationen und einem niedrigen Gebutsgewicht in Verbindung gebracht. Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten Vitamine, Mineralien und andere Mikronährstoffe, die Frauen während der gesamten Schwangerschaftszeit mit großem Aufwand angepriesen werden. Allerdings beruhen viele der angeblichen Nutzennachweise von Vitaminergänzungsmittel während der Schwangerschaft auf Studien, die in einkommensschwachen Ländern durchgeführt wurden. Länder, in denen Frauen viel eher mangel- oder fehlernährt sind als in der EU. Die Herausforderung besteht darin zu wissen, welche Nahrungsergänzung vorteilhaft ist."

Nach den Recherchen der Experten bestehen die Mittel aus 20 und mehr Vitaminen und Mineralien, z.B. B1, B2, B3, B6, B12, C, D, E, K, Folsäure, Jod, Magnesium, Eisen, Kupfer, Zink, Selen. Doch nur für Folsäure und Vitamin D wurden belastbare Belege gefunden, dass die Einnahme Schwangeren, die sich ausgewogen ernähren, Vorteile bringt. Bei allen anderen Stoffen gebe es keine Nachweise oder klinische Befunde für einen Nutzen. Hohe Dosen von Vitamin A könnten sogar dem Fötus schaden. 

"Wir haben keine Belege dafür gefunden, die dafür sprechen, allen Frauen, die schwanger werden wollen oder schwanger sind, die Einnahme komplexer Multivitamin- oder Mineralformulierungen zu empfehlen. Sie werden in der Regel nicht benötigt und stellen eine unnötige Ausgabe dar," folgern sie. Zwar seien werdende Mütter leicht zu beeinflussen, weil sie nur das beste für ihr Kind wünschten. Doch es sei besser, den Marektingsprüchen nicht zu glauben, "weil sie weder Müttern noch den Babys einen Vorteil bringen. Anstattdessen soll sie ihre Ernährung insgesamt verbessern und sich darauf beschränken, Folsäure und Vitamin D zu ergänzen."

Aus früheren Erhebungen weiß man, dass 28% der Deutschen mindestens ein Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Bei Schwangeren sind es 97%. Durchgeführt hat diese Untersuchung der Lehrstuhl für Ernährungsmedizin der TU München. Das Problem sehen Ernährungswissenschaftler vor allem darin, dass man Schwangeren wichtige Nahrungsergänzungsmittel zwar nicht vorenthalten könne. Allerdings sei es auch fahrlässig, die Frauen den oft hohen Dosen auszusetzen, deren Nebenwirkungen noch gar nicht vollkommen erforscht sind.  

08.07.2016/ Quelle: DTB.BMJ





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http://www.medizinauskunft.de/home/artikel/familie/schwangerschaft/vitaminpraeparate-8-7-16.php