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Blutdrucksenkung bei älteren Menschen: Die Leistungsfähigkeit des Gehirns steht auf dem Spiel

Ein hoher Blutdruck muss behandelt werden, weil sonst Herzinfarkt, Schlaganfall und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen drohen. So das Credo vieler Ärzte/innen. Doch ob das gerade bei älteren Patienten/innen wirklich angesagt ist, bleibt zweifelhaft. Denn neue Erkenntnisse unterstreichen, dass die Verminderung des Blutdruckes die Leistungsfähigkeit des Gehirnes senken und die Gefahr einer Demenz erhöhen kann.

Die Deutsche Hochdruckliga (DHL) und die Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention raten Ärzten/innen dazu, die Therapie bei Hochdruckpatienten frühzeitig zu intensivieren, wenn keine stabilen Blutdruckwerte erreicht werden. Dabei geben sie Zielwert, der "nicht überschritten werden" dürfe, einen oberen Blutdruckwert von 150 mmHg vor. Denn mit einem Überschreiten dieser Grenze, "kam es zu einem Anstieg der Herz-Kreislauf-Risikos" -  und zuwarf um 21%.

Aus diesem Grund gibt Professor Dr. Martin Hausberg, Vorstandsvorsitzender der DHL, seinen Kollegen denn auch den gut gemeinten Rat, mit einer Intensivierung der Therapie nicht zu warten, falls trotz Medikamente der Blutdruck weiter steige. Ein erneuter Anstieg des oberen systolischen Werts sei vor allem im Alter keine Seltenheit. Meistens sei dies ein Hinweis auf ein Fortschreiten der Gefäßverkalkung, der Arteriosklerose.

Das ist die eine Seite einer unangenehmen Medaille. Denn auf der anderen lauert für geriatrische Patienten/innen eine andere Gefahr: der Verlust geistiger Leistungsfähigkeit und/oder einer Verschlimmerung der Demenz. Wie groß diese Gefahr ist, haben Ärzte/innen an Krankenhäusern der Universitäten  Careggi und Florenz sowie des lokalen Hospitals von Pistoia ermittelt. In den Jahren 2009 bis 2012 haben sie 172 Patienten/innen mit einem Durchschnittsalter von 79 Jahren untersucht. 69,2% wurden mit Medikamenten gegen Bluthochdruck behandelt, 68% litten an Demenz und bei 32% hatten mittelschwere Gedächtnisstörungen (mild cognitive impairment - MCI).

Im Durchschnitt wurde eine geistige Leistungskraft mit einem Mini-Mental-Status-Test (MMST) bei 22,1 fest gestellt. Wikipedia sagt dazu: Die Skala reicht von 0 bis 30 Punkten, wobei 30 für uneingeschränkte, 0 für schwerstmöglich geschädigte kognitive Funktionen steht. Ab Werten unterhalb von 25 Punkten liegt eine krankheitswertige Beeinträchtigung vor. Eine Punktzahl von unter 20 weist auf eine leichte bis mittlere Demenz hin, eine schwere Form liegt bei einer Punktzahl von unter 10 vor.

Wurde bei den alten Patienten/innen der Blutdruck auf unter 128 mmHg gesenkt, sank auch der MMST-Wert: und zwar um durchschnittlich 2,8 Punkte. Bei einer Senkung auf 129 - 144 mmHg bzw. auf etwa 145 mmHg verminderte sich der Wert der geistigen Leistung um jeweils 0,7 Punkte. Die Ärzte/innen warnen nun, dass bei älteren Patienten/innen ein sehr niedriger Blutdruck am Tag die Gefahr einer voranschreitenden Gedächtnisstörung erhöht. Deshalb begleiten sie ihre Studie auch mit dem Kommentar: "Eine sehr starke Senkung des Blutdruckes kann für geriatrische Patienten mit geistigen Leistungsdefiziten gefährlich werden."

Berliner Ärzteblatt 06.03.2015/ Quelle: JAMA Intern Med.

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