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Dicke: Das Hirn signalisiert dauernd Hunger (Foto: Hermera)
Dick sein: Im Kopf fängt es an

Forscher der Universitäten von Edinburgh und Newcastle-upon-Tyne wollen in einem Fünfjahresprojekt der Fettleibigkeit auf die Spur kommen. Nach ihrer Ansicht ist nämlich Übergewicht in vielen Fällen ein mentales Problem, dessen Lösung in der Evolution des Menschen zu finden ist: Dicke hören nicht zu essen auf, weil ihnen das Hirn das untersagt.

Die Wissenschaftler wollen, nachdem sie die Gründe des zügellosen Appetits entdeckt haben, neue Medikamente gegen die Fettsucht entwickeln. Aufgrund des bekannten Jojo-Effekts erreichen viele nach einer Hungerkur nach kurzer Zeit das ursprüngliche Gewicht in Windeseile wieder. Grund dafür ist aller Wahrscheinlichkeit nach, eine "Hirnschaltung", deren Zeichen auf "Überleben" stehen. Eine Abmagerungskur stellt den Körper nämlich vor ein großes Problem: Das Gehirn interpretiert dies als Lebensgefahr. Als Resultat reduziert der Körper sofort den Abbau der Kalorien. Gründe dafür liegen in der Evolution des Menschen, der über lange Perioden in seiner Entwicklung an Hunger litt.

"Nicht nur in Zeiten, in denen der Mensch als Jäger unterwegs war, litt er an Hunger. Auch im Mittelalter war die Angst vor dem Hungertod häufig", so Jonathan Seckl, Experte für Molekular-Medizin an der Edinburgh University. "In diesen Zeiten wurde der Kalorienverbrauch deutlich reduziert, damit der Mensch auch die mageren Zeiten überlebte", erklärt Seckl, der in genau diesem Punkt die Problematik von Abmagerungskuren sieht. "Die Notbremse bei reduzierter Kalorienzufuhr wird im Hirn gezogen, da der Körper meldet, er sei am verhungern." Seckl ist der Meinung, dass trotz der vergangenen Jahrzehnte, in denen Hungersnöte in der industrialisierten Welt praktisch nicht vorhanden waren, die menschliche Evolution dem Notzustand praktisch nachhinkt. Ein solches Umlernen dauert in der Evolution hunderte oder vielleicht sogar tausende Jahre, gibt der Experte zu bedenken.

"Der Mensch von heute steht einer Entwicklung von Jahrmillionen entgegen", erklärt Seckl. Ein McDonalds Restaurant an fast jeder Straßenecke sei ein Bild, das erst knapp 20 Jahre existiere. Die Studie der britischen Wissenschaftler kommt nach Ansicht von Experten zur rechten Zeit, denn nach vorsichtigen Schätzungen ist weltweit etwa eine Mrd. Menschen übergewichtig. Allein in der EU wird zur Erforschung der Fettleibigkeit und ihrer Verhinderung in den kommenden Jahren ein Budget von 11,7 Mio. Euro zur Verfügung gestellt. An der internationalen Studie, bei der auch Seckl mitarbeitet, sind 26 Wissenschaftler aus 13 Ländern beteiligt.

Die britische Food Standards Agency will Lebensmittelhersteller dazu zwingen, Kinder nicht zu Adressaten von Lebensmittelreklamen zu machen. Denn zu den immanenten Problemen zählt EU-weit die rapide Zunahme von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen. Zuerst wollen die Wissenschaftler aber die Hintergründe für den zunehmenden Appetit kennen lernen. "Bevor es Medikamente gegen die Fettleibigkeit gibt, müssen wir die Hormonregulierung des Körpers, der Appetit und Gewicht steuert, erforschen", meint Seckl. Nach Angaben des Experten sind nur etwa zehn bis 15 Prozent der Übergewichtigen in der Lage mit Diäten das Gewicht zu reduzieren. "Jedenfalls funktioniert es nicht, Menschen einfach zu sagen, dass sie weniger essen sollen.“

WANC 17.02.04/pte

Extremes Übergewicht: Medikamente bringen wenig

Weniger Gewicht tut Not

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