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Fettes Essen soll schlank machen - noch zweifeln die Experten
Fettreiche Ernährung bei Übergewicht?

Abnehmen durch fettes Essen? Kann das richtig sein? Studien scheinen das beweisen. Doch Experten warnen davor, weil Langzeitergebnisse fehlen. Der Konsum von fetthaltigen Nahrungsmitteln sollte bei 30% der Gesamtenergie liegen, wobei infolge ihres günstigeren Effekts auf das Gefäßsystem pflanzliche Fette mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren bevorzugt werden sollten.

Im Frühjahr 2003 erschienen im New England Journal of Medicine zwei Artikel, welche die Überlegenheit einer kohlenhydratarmen, fettreichen Ernährung im Vergleich zu einer kohlenhydratreichen Diät mit geringem Fettanteil in Bezug auf die Gewichtsabnahme zeigten. Auch einige Blutfette sowie die Insulinwirkung wurden bei einem geringen Konsum von Kohlenhydraten günstig beeinflusst. Die Ergebnisse überraschten auch Experten, zumindest was die Gewichtsabnahme betraf, beinhaltet doch eine kohlenhydratarme Kost viel Fett und auch viel Eiweiß. Seit Veröffentlichung dieser Studien wird daher auch in Deutschland eine zunehmende Verbreitung fettreicher Diäten zur Gewichtsreduktion beobachtet, was aus medizinischer Sicht jedoch sehr kritisch betrachtet werden muß.

Die Interpretation der vorliegenden Daten wird dadurch eingeschränkt, dass die Behandlungsdauer nur 6 bzw. 12 Monate betrug und bisher keine Langzeitstudien vorliegen. Die verstärkte Gewichtsabnahme unter einer eiweiß- und fettreichen Kost ist zumindest teilweise erklärbar. Eiweiß hat von den Makronährstoffen die beste Sättigung und ein hoher Fettkonsum führt zu einer beschleunigten Fettoxidation mit der Anhäufung von Ketonkörpern im Blut (Ketonämie), was ebenfalls den Hunger bremst.

Untersucht wurden neben der Gewichtsabnahme auch kardiovaskuläre Risikofaktoren, nicht jedoch klinische Auswirkungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Karzinome oder die Sterblichkeit. Ein Hauptgrund zur Gewichtsabnahme ist jedoch die Vermeidung solcher Beleiterkrankungen des Übergewichts. Eine fettreiche Diät, z. B. in Form einer Atkins-Diät mit Nahrungsmitteln wie Fleisch, Käse und Speck, enthält sehr viel gesättigte Fettsäuren. In großen Kohortenstudien mit langjähriger Beobachtung, z. B. der Nurses' Health Study, wurde jedoch mit hoher wissenschaftlicher Evidenz nachgewiesen, dass ein hoher Anteil gesättigter Fettsäuren nicht nur Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigt, sondern wahrscheinlich auch die Entstehung von Dickdarmkarzinomen.

Die Deutsche Adipositas Gesellschaft (DAG) empfiehlt daher aufgrund fehlender wissenschaftlicher Evidenz hinsichtlich positiver Gesundheitsaspekte derzeitig keine Kostform mit einem hohen Anteil an tierischen Fetten. Entsprechend den aktuellen Leitlinien der Fachgesellschaft zur Therapie der Adipositas sollten übergewichtige Patienten zur Gewichtsabnahme eine Kost mit einem hohen Anteil von komplexen Kohlenhydraten und Ballaststoffen, wie Obst, Gemüse, Getreideprodukte, Reis und Kartoffeln, zu sich nehmen. Der Konsum von fetthaltigen Nahrungsmitteln sollte bei 30% der Gesamtenergie liegen, wobei infolge ihres günstigeren Effekts auf das Gefäßsystem pflanzliche Fette mit einem hohen Anteil ungesättigter Fettsäuren bevorzugt werden sollten.

WANC 14.07.04/idw

Adipositas Gesellschaft

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