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Wie das Gehirn Abnehmediäten torpediert

Menschen mit Übergewicht kämpfen häufig verzweifelt gegen ihre Pfunde. Sehr häufig stehen sie dabei auf verlorenem Posten. Welche Diät auch versucht wird, wenn das Gewicht sinkt, dann ist das meist nur vorübergehend. Was in langen Wochen herunter gehungert wurde, ist oft viel schneller wieder drauf.  Wissenschafter haben jetzt eine Erklärung gefunden, warum das so ist: Das Gehirn stellt sich gegen die Abnehmversuche und wehrt sich mit Verhaltensweisen, die an Suchterkrankungen erinnern.

Sind übergewichtige Menschen selbst Schuld daran, dass sie so dick sind? Sollen sie doch weniger essen, ätzen manche. Doch ob die Betroffenen wirklich etwas dafür können, das stellen neuere Untersuchungen in Frage. Laut Dr. med. Burkhard Pleger, Oberarzt an der Tagesklinik für kognitive Neurologie des Universitätsklinikums Leipzigverantwortlich, gibt es Hinweise, dass "auch Veranlagungen zu übermäßigem Essen führen können“. Er hat nämlich in Hirnregionen, die für Belohnung verantwortlich sind und unser Essverhalten beeinflussen, erstaunliche Veränderungen gefunden. So sind diese Hirnregionen bei Übergewichtigen anders strukturiert als bei Normalgewichtigen.

Bei Frauen sind genau die Hirnregionen, die automatische und zielgerichtete Verhaltenskontrollen unterstützen umso stärker verändert, je höher ihr Körpergewicht ausfällt. Das wirkt sich so aus, dass übergewichtige im Vergleich zu normalgewichtigen Frauen sich viel schneller eine kurzfristige Belohnungen gönnen, selbst wenn das negative Auswirkungen hat. So greifen sie eher zu einem Stück Schokolade, auch wenn sie wissen, dass das der Figur schadet. Frauen benötigen deshalb auch eine stärkere Willenskraft als Männer, bei denen derartige Veränderungen nicht zu beobachten waren, um auf Essen zu verzichten. Die Ärzte sehen darin auch eine Erklärung, warum gerade bei vielen Übergewichtigen Diäten ohne Erfolg bleiben.

Sie finden dabei Vergleiche mit den Symptomen anderer Suchterkrankungen: starkes Verlangen, mangelnde Selbstkontrolle und der Bedarf immer größerer Mengen. Die logische Folgerung: Eine Therapie gegen Fettsucht müsse ähnlich wie die Therapie von Alkohol- und Drogenabhängigen strukturiert sein. Und vor allem müsse sie sich viel stärker an den individuellen Probleme der Betroffenen orientieren.

Berliner Ärzteblatt 15.02.2013/ Quelle: 57. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und funktionelle Bildgebung (DGKN): „Adipositas und assoziierte Veränderungen des Gehirns und Verhaltens“

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