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Was nützen Medikamente zum Abnehmen?

Wissenschaftler haben untersucht, ob Medikamente, die Übergewichtigen zum Abnehmen verschrieben werden, tatsächlich helfen. Und in der Tat, die Medikamente helfen, wenn sie in Verbindung mit einer Veränderung des Lebensstils genutzt werden. Allerdings sprechen die Medikamente nicht bei jedem an.

Untersucht wurden drei in den USA zugelassene Abnehmmedikamente für die Langzeitanwendung: Orlistat, Locraserin und Phentermine plus Topiramate. Zusammen mit Lebensstiländerungen lag der Gewichtsverlust innerhalb eines Jahres zwischen 3% und 9% des ursprünglichen Körpergewichtes.

Als eine klinisch relevante Abnahme werden mindestens 5% des ursprünglichen Körpergewichtes innerhalb eines Jahres bezeichnet. Klinisch relevant bedeutet, dass die Gewichtsabnahme zu einer Reduzierung anderer gesundheitlicher Risikofaktoren führt: z.B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck, Diabetes. Diese Schwelle erreichten bei Locraserin 37% bis 47% der Patienten, bei Orlistat 35% bis 73% und bei Phentermine plus Topiramate 67% bis 70%.

Was sich auf den ersten Blick ganz gut liest, wird auf den zweiten eingeschränkt. So belegen die Ergebnisse, dass die Medikamente ohne eine Veränderung des Lebensstils nur eingeschränkt wirken. Eine Veränderung des Lebensstils allein für aber bei den meisten der Übergewichtigen zu einem Gewichtsverlust von 7% bis 10% des ursprünglichen Körpergewichtes. Lebensstiländerung meint u.a. Begrenzung der täglichen Kalorienzufuhr (auf etwa 1200 bis 1800 kcal) und Umstellung der Ernährung, Erhöhung der körperlichen Aktivität (md. 175 Minunten pro Woche Bewegung), Stresskontrolle und kein exzessiver Alkohlkonsum. 

Die Studie spricht von einer intensiven Lebensstiländerung. Das bedeutet: Die Umstellung müssen geplant, das Einhalten der Vorgaben kontrolliert und die Fortschritte dokumentiert werden. Dazu bedarf es der Beratung von Experten und ständiger Unterstützung in Gruppen. Falls die Betreuung nicht intensiv ist, ist die Wirkung nur gering. Wer sich nicht zum Einhalten der Maßnahmen "zwingen" lässt, kommt in der Regel nicht weit. Selbst nach anfänglichen Abnehmerfolgen fällt der langfristige Gewichtsverlust mehr als schwer, gelingt meist nicht.

Medikamente gegen Übergewicht machen der Ergebnissen der Untersuchung zur Folge nur Sinn bei den Personen, die innerhalb der ersten zwölf Wochen der Behandlung mindestens 5% der ursprünglichen Körpergewichtes verlieren. Alle anderen schaffen es kaum, tatsächlich von den Medikamenten zu profitieren und nicht nur Gewicht zu verlieren, sondern diese Gewichtsabnahme auch zu konservieren. In diesen Fällen sollten Ärzte derartige Medikamente nicht einsetzen, raten die Wissenschaftler. Schon allein weil das Risiko für die manchmal erheblichen Nebenwirkungen zu groß ist.

Berliner Ärzteblatt 15.11.2013/ Quelle: JAMA. 2013

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