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Was uns wirklich abnehmen lässt: Urteile und Vorurteile

Abnehmen, schlank werden, weniger Kilos - diese Wünsche beherrschen viele Menschen. Kein Wunder, dass deshalb viele Magazine mit Diätwundern nach Lesern angeln und noch mehr Anbieter mit ihren Diätprodukten oder Wunderkonzepten das Schlanksein versprechen - natürlich gegen Bares. Doch viele der Vorstellungen, was nun schlank macht und was nicht, sind falsch, hat Dr. David Allison von der Universität Alabama heraus gefunden.

Am schnellsten verbreitet sich diese Abnehmmethode: Sex macht schlank. Jeder Geschlechtsakt bringt einen Kalorienverlust von 300 Kalorien. Schön wäre es. Allison hat die Fakten gesammelt. Im Durchschnitt dauert ein Liebesakt sechs Minuten und verbrennt 21 Kalorien.

Dass Traum und Wirklichkeit, Mythos und Realität oft weit von einander entfernt sind, hat Allison in sieben Mythen zusammengefasst. Eine ist die vom kalorienzehrenden Sex. Die anderen:

Märchen: Kleine Änderungen bei der Kalorienzufuhr oder bei der Verbrennung von überflüssigen Pfunden addieren sich auf Dauer zu erheblichem Gewichtsverlust. Realität: Ein Ansammeln von kleinen Erfolgen zu großer Wirkung funktioniert nicht.

Märchen: Wenn man sich erreichbare Ziel setzt, hat man mehr Erfolg. Realität: Studien zeigen, dass ehrgeizige Ziele zu mehr Erfolg verhelfen.

Märchen: Es ist besser nach und nach als schnell Gewicht zu verlieren. Schnell verlorenes Gewicht kommt schnell wieder zurück. Realität: Menschen, die schnell Gewicht verlieren, haben eine größere Chance auch nach vielen Jahren noch weniger zu wiegen.

Märchen: Wer sich "reif" für eine Abnehmprogramm fühlt, führt die notwendigen Änderungen des Lebensstils auch wirklich aus. Realität: Die mentale Einstellung allein sorgt für kein Kilo weniger.

Märchen: Der Schulsport hilft, Übergewicht bei Kindern zu vermeiden. Realität: Schulsport in der üblichen Form hindert kein Kind daran, Fettleibig zu werden.

Märchen: Stillen schützt Kinder gegen zukünftiges Übergewicht. Realität: Stillen bietet Mutter und Kind viele gesundheitliche Vorteile, aber keine Daten aus Studien belegen, dass es vor Fettleibigkeit schützt.

Auch an anderen oft geäußerten Abnehmtipps lassen die Wissenschaftler kein gutes Haar. So gebe es keinen Beleg, dass ein regelmäßiges Frühstück das Gewicht senke oder gar nur stabilisiere. Die Vorstellung, dass allein der Verzehr ausschließlich von Gemüse schlank und der Genuß von kleinen Snacks dick mache, werde durch die Daten nicht bestätigt.

Und was hat nun tatsächlich Aussicht auf Erfolg? Allison sagt, dass es nur einen Weg gibt, der aber am schwersten durchzuhalten ist: Bedeutend weniger Kalorien essen. Um Gewicht zu verlieren, kann auch körperliches Training helfen, aber nur wenn es dauerhaft und intensiv genug absolviert wird, um mehr Kalorien zu verbrauchen als zu sich zu nehmen. Wer nach dem Sport ordentlich seinen Hunger stille, der habe nichts gewonnen.

Hinweis: Die Wissenschafter, die diese Arbeit durchgeführt haben, sind vielfach mit der Ernährungs- und Pharmaindustrie verbunden. Diese Verbindungen wurden allerdings im Zusammenhang mit dem Artikel offen gelegt. Diese Verbindungen werden von manchen kritisiert, weil sie die Arbeit beeinflußt haben könnten.

Berliner Ärzteblatt 07.02.2013/ Quelle: N Engl J Med 2013

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