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Kann Essen zur Sucht werden? Anscheinend ja. (Foto: Rainer Sturm/ pixelio.de)
Kann Essen zur Sucht werden? Anscheinend ja. (Foto: Rainer Sturm/ pixelio.de)
Essenssucht: Wie Heißhunger das Leben beeinflusst

Exzessives Essen wird von vielen als Sucht eingeschätzt. So sagen Studien, die sich mit dem Thema beschäftigen: "Menschen mit den Diagnosen Bulimia nervosa (BN), Binge Eating Störung (BES) und Adipositas, bei denen diese Nahrungsmittel in exzessiven Mengen aufgenommen werden, werden häufig als süchtig bezeichnet." Der englische Sprachgebrauch hat dafür den Fachbegriff "food addiction" geprägt. Zwei weitere Studien haben jetzt heraus gefunden, dass insbesondere Frauen mit Gewichtsproblemen Zeichen einer Essenssucht zeigen.

„Bei jeder Art von Suchtverhalten ist es so, dass der Süchtige sich stark nach dem guten Gefühl sehnt, das beim Essen, Glücksspiel, Rauchen, Sex oder Drogenkonsum ausgelöst wird und mit der Aktivierung bestimmter Hirnbereiche einhergeht“, erklärt Claus Vögele, Professor für Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Universität Luxemburg. Das scheint auch bei Menschen mit Essenssucht nicht anders zu sein.

In der ersten Studie wurden 50 normalgewichtige Frauen im Alter unter 40 Jahren untersucht. Diesen Frauen wurden im hungrigen Zustand Bilder von fettigem oder süßem Essen (Burger, Kuchen, Pizza usw.) und Nichtlebensmitteln (eine Socke, eine Tasse, ein Schuh usw.) in zufälliger Reihenfolge auf einem Computerschirm gezeigt. Je nach Instruktion sollten die Testpersonen entweder so schnell wie möglich auf die Essens- oder Nichtessensbilder klicken.

In der folgenden zweiten Studien wurden 102 Frauen im Alter unter 40 Jahren untersucht, bei denen aber das Gewicht kein Auswahlkriterium war, es konnten also Frauen aus allen Gewichtsklassen teilnehmen. Diesen wurden in entweder drei Stunden oder sofort nach dem Essen ebenfalls Bilder von Essen und Nichtlebensmitteln vorgelegt. Die Frauen sollten dann wieder so schnell wie möglich reagieren.

Alle Frauen reagierten, wenn sie hungrig waren, auf die Bilder mit Lebensmitteln schneller als auf die anderen Bilder.  Hungrige machten aber mehr Fehler als Satte. Frauen mit Gewichtsproblemen reagierten in der Regel langsamer und machten mehr Fehler beim Anklicken als Normalgewichtige. wurde festgestellt, schnitten im Durchschnitt schlechter ab als andere Probanden. Manche übergewichtige Frauen berichteten von einem Heißhungergefühl während des Tests – unabhängig vom Zeitpunkt, wann sie das letzte Mal gegessen hatten.

Der erste Schluss, den Vögele aus den Studienergebnissen zieht, ist, "dass bei manchen Personen Essensreize unabhängig von Sattheit Heißhungergefühle auslösen". Das lasse ein Fehlen von Willenskraft vermuten. Verbunden war das mit einer stärkeren Impulsivität, was bedeutet, dass dem Essenswunsch ungehemmter nachgegeben wurde. Außerdem sei das Äußern von Heißhunger, obwohl gerade erst gegessen wurde, ein Anzeichen für eine mögliche Essenssucht.

Die praktische Folgerung aus diesen Untersuchungen ist, dass durch ein Verhaltenstraining die Essensmenge und die Häufigkeit der Nahrungsaufnahme beeinflusst werden kann. Auch lasse sich die Auswahl von Lebensmitteln zu mehr gesundem Essen und weniger Süßwaren steuern. Ob diese Veränderungen aber dauerhaft bestehen bleiben, diese Frage können die beiden Studien nicht beantworten.

Berliner Ärzteblatt 17.06.2014/ Quelle: frontiers in Psychology, Diagnostica

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