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Wasserspender
Wasserspender: Ein Drittel aller Wasserproben war mit Keimen belastet
Wasserspender: Unerkanntes Gesundheitsrisiko

Wasserspender sind verdeckte Bakterienschleudern. Von den 799 bundesweit untersuchten Proben wurden über 36% beanstandet. Die Hygienemängel gefährden vor allem alte und kranke Menschen sowie Kinder.

Wasserspender werden in Arztpraxen, Krankenhäusern, Altenheimen, Apotheken, Arbeits- und Kindertagesstätten aufgestellt. Sie sind meist als kostenlose Serviceleistung für den Verbraucher gedacht. Es gibt zwei verschiedene Arten von Wasserspendersystemen: freistehende Wasserspender, so genannte Watercooler, die Wasser aus einer zu platzierenden Plastikflasche erhalten, sowie leitungsgebundene Wasserspender, die direkt an die Trinkwasserleitung angeschlossen sind.

Bei falscher Handhabe können diese Spender aber zu einem Gesundheitsrisiko werden, insbesondere für Menschen mit einem schwächeren Immunsystem wie Kranke, Alte und Kinder. Insbesondere durch lange Standzeiten, Sonneneinstrahlung, Raumtemperatur, mangelnde Reinigung und Desinfektion der Geräte können sich im Wasser, in den Zapfvorrichtungen sowie im Abfüllungssystem Bakterien sammeln.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die hygienische Beschaffenheit von Wasserspendern und die von ihnen ausgehende mikrobielle Gefahr für den Verbraucher bewertet. Das Institut hat dazu Daten einer bundesweiten Untersuchung von öffentlich zugänglichen Wasserspendern analysiert und ausgewertet. Das Ergebnis: Ein Drittel aller Wasserproben war mit Keimen belastet.

Das BfR sieht darin ein erhebliches lebensmittelhygienisches Problem und rät, solche mikrobiellen Verunreinigungen schon im Voraus zu vermeiden. Das BfR empfiehlt den Aufstellern von freistehenden Wasserspendern, die in den „Leitlinien für Gute Hygiene-Praxis für Watercooler-Unternehmen“ beschriebenen Hygieneanforderungen unbedingt einzuhalten. Des Weiteren sollten die Leitlinien um eine Angabe zur Standzeit von geöffneten Behältern ergänzt werden. Für leitungsgebundene Wasserspender sind dem BfR bislang keine Leitlinien für eine gute hygienische Praxis bekannt. Diese sind aus Sicht des Instituts aber dringend erforderlich, um eine zufriedenstellende flächendeckende Hygiene bei den Wasserspendern zu gewährleisten.

Zudem empfiehlt das BfR, die mikrobiellen Anforderungen der Mineral- und Trinkwasserverordnung auf die Abgabe der Wässer aus Wasserspendern an den Verbraucher auszudehnen sowie für leitungsgebundene Wasserspender die gleichen mikrobiologischen Anforderungen geltend zu machen wie für abgepacktes Trinkwasser.

Auszug aus der Studie:
Von den 799 bundesweit untersuchten Proben wurden 291 Proben (=36,4%) beanstandet. Die Minimal- und Maximalwerte der Beanstandungsraten lagen bei 16 bzw. 80%: Die Beanstandungsraten sind wegen der verfügbaren unsicheren Beurteilungsgrundlage und mikrobiologischen Parameter und der unklaren Beprobungspraxis nur eingeschränkt zu interpretieren: dennoch weisen sie auf ein erhebliches lebensmittelhygienisches Problem hin.

Als Beanstandungsgründe wurden immer wieder erhöhte Keimzahlen aufgeführt. Die Koloniezahl ist ein empfindlicher Indikator für Verschmutzung und zeigt eine allgemeine Verschlechterung der an den Verbraucher abgegebenen Wasserqualität an (= Indikatorparameter, TrinkwV 2001). Über diesen Parameter sind aber auch Gefährdungen durch Mikroorganismen indiziert, die nicht fäkalen Ursprungs sind. Durch die in der TrinkwV vorgeschriebenen Bebrütungstemperaturen werden zum einen Keime erfasst, die sich bei 20-22°C im Leitungsnetz oder in Speicherbehältern vermehren können, und zum anderen solche, die auf menschliche und tierische Verunreinigungen zurückzuführen sind (36-37°C Bebrütung).

Ein erhöhter Coliformen-Gehalt, der in der Schwerpunktuntersuchung am zweithäufigsten als Beanstandungsgrund angeführt wurde, weist nicht nur auf die Gefahr des Vorhandenseins von E. coli, sondern auch von Gattungen wie Klebsiella, Enterobacter, Citrobacter und Serratia hin. Coliforme Keime weisen in diesem Zusammenhang nicht auf fäkale Verunreinigungen hin, sondern auf Mängel in der Aufbereitung, im Verteilungsnetz, in den Behältnissen und der damit einher gehenden Verschlechterung der Wasserqualität. Zudem besteht die Gefahr, dass pathogene Keime überleben und sich vermehren können. Die mit der Schwerpunktuntersuchung ermittelte Häufung von Befunden wie Faekalstreptokokken und Enterokokken bestätigen dieses Risiko.

Auffallend ist der wiederholte Befund zum Nachweis von Ps.aeruginosa und Überschreitung vorhandener Grenzwerte. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere Pseudomonaden erhöhte Keimzahl-Befunde bewirken. Derart abgegebene Wasser können eine Gesundheitsgefahr sein, insbesondere wenn man die Aufstellungsorte wie Altenheime, Kindertagesstätten, Apotheken etc. bedenkt, wo vermehrt Menschen mit einem geschwächten Immunsystem (Alte, Kinder, Kranke) Zugriff auf die Wasserspender haben.

Pseudomonaden können sich im Wasser vermehren und sind bekannt für ihre Neigung der Bildung von Biofilmen auf der Innenwand von wasserführenden Teilen. Ein Biofilm ist eine „Mikrobengemeinschaft“, die in einer organischen polymeren Matrix eingebettet sind und dazu neigen, an Oberflächen aus Gummi, Stahl und Teflon anzuhaften. Charakteristisch für Ps.aeruginosa ist die Bildung einer Alginatschicht. Mikroben in einer Biofilm-Schicht haben geringere Ansprüche an Sauerstoff und Nährstoffe für ihre Vermehrung, woraus ein anderes Vermehrungsverhalten, veränderte physiologische Eigenschaften und nicht zuletzt höhere Resistenzen gegenüber bakterioziden Mitteln wie Antibiotika und Desinfektionsmitteln resultieren.

Die Probleme der Biofilmbekämpfung sind sowohl aus der klinischen Medizin (Hospitalkeim) als auch der Lebensmittel- und Wasserwirtschaft bekannt und gefürchtet, einschließlich deren Folgeprobleme wie Korrosion, Geräteverschleiß usw. im Zuge notwendiger Reinigungs- und Desinfektionsverfahren. Biofilme bergen zudem die Gefahr, dass sich pathogene Keime ansiedeln. Auch wenn Ps.aeruginosa als fakultativ pathogener Keim keine direkte Gefahr für das gesunde Gewebe darstellt, so sind schwere Infektionen durch virulente Klone insbesondere bei bestimmten Patientengruppen gefürchtet (Wundinfektionen, Cystische Fibrose, Hospitalinfektionen). Aber auch gastrointestinale Infektionen oder Augeninfektionen sind beschrieben.

WANC 08.12.05

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