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Der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung soll verringert werden, um Resistenzen nicht weiter zu f?rdern (Foto: Christine Braune / pixelio.de)
Der Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung soll verringert werden, um Resistenzen nicht weiter zu f?rdern (Foto: Christine Braune / pixelio.de)
Antibiotika bei Nutztieren: Erhebliche Gefahren

Beim Einsatz von Antibiotika bei Masttieren hat sogar die Bundesregierung Stellung bezogen. Sie will den Einsatz stark einschränken. Dazu hat sie das Arzneimittelgesetz geändert. Doch bis das Gesetz wirkt, werden einige Jahre vergehen. Bis dahin müssen wir laut einer Studie mit den erheblichen Belastungen und Gefahren weiter leben.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner zeigt wieder einmal ihr lachendes Gesicht. Öffentlich freute sich sie, dass das 16. Gesetz zur Änderung des Arzneimittelgesetzes (AMG) alle parlamentarischen Hürden genommen hatte. Jetzt können "wir den Antibiotikaeinsatz in der Tierhaltung gezielt minimieren, machen wir in Deutschland einen entscheidenden Schritt zur Eindämmung der Antibiotikaresistenzen", sagte sie. Und fügte dann in der Aigner eigenen Art des unbegrenzten Positivismus an: ""Mit der AMG-Novelle kann die Menge der eingesetzten Antibiotika in der Tierhaltung innerhalb weniger Jahre deutlich reduziert werden. Das Gesetz wird seine Wirkung nicht verfehlen."

Ob Sie Recht behält? Das wird sich zeigen. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)  hat jedenfalls angekündigt, den Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung über einen längeren Zeitraum hinweg kontinuierlichen zu erfassen. Damit will man nicht nur beobachten, wie sich der Antibiotikaeinsatz zukünftig entwickelt, sondern auch ermitteln, wie und an welchen Stellen der Antibiotikaeinsatz weiter reduziert werden kann.

Immerhin haben jetzt die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover und die Universität Leipzig Daten zum Verbrauch von Antibiotika bei Mastschweinen, Masthähnchen und Rindern erhoben und ausgewertet. So wurden für das Jahr 2011 Informationen aus über 2000 Nutztierhaltungen erfasst und dokumentiert, welche Antibiotika an welche Tierarten wie oft verabreicht wurden. Untersucht wurde der Arzneimitteleinsatz separat bei Masthähnchen, in der Schweine- sowie in der Rinderhaltung.

In der Studie wurde ermittelt, dass ein Mastschwein in Deutschland innerhalb seiner ca. 115-tägigen Mast an durchschnittlich 4,2 Tagen (Mittelwert) mit einem antibiotischen Wirkstoff behandelt wird. Ein Masthähnchen wird in Deutschland im Durchschnitt 39 Tage lang gemästet. In dieser Zeit wird den Tieren im Durchschnitt an 10,1 Tagen ein antibiotischer Wirkstoff verabreicht. Milchkühe wurden innerhalb eines Jahres an durchschnittlich 3,5 Tagen, Kälber durchschnittlich an 1,2 Tagen mit einem antibiotischen Wirkstoff behandelt.

Eingesetzt wird dabei alles, was der Arzneimittelkoffer der Pharmaunternehmen an Antibiotika hergibt: Beta-Laktame, Aminoglykoside, Tetrazykline, Polypeptide, Fluorchionolone, Lincosamide, Makrolide, TMPS, Sulfonamide. Die ungehemmte Anwendung von Antibiotika in der Nutztierhaltung ist umstritten, weil sie bei Bakterien zu Resistenzen führen kann. Bewiesen wurde das bislang zwar nicht - warum eigentlich nicht. Doch das BfR betont: "Der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung begünstigt die Resistenzentwicklung und Ausbreitung von Bakterien mit Resistenzen."

Was man dagegen tun kann, weiß das BfR auch: "Im Rahmen der Lebensmittelgewinnung können resistente Keime aus der Tierproduktion auf Lebensmittel wie Fleisch übertragen werden. Deswegen ist die Einhaltung von Küchenhygiene besonders wichtig. Wird Fleisch bei 70 °C für 2 Minuten erhitzt, sterben die Keime. Schneidbretter oder Messer sollten nach Gebrauch sofort gründlich gereinigt werden, damit keine anderen Lebensmittel mit den Bakterien in Berührung kommen."

Doch auch durch direkten Tierkontakt können resistente Erreger zum Verbraucher gelangen und unter Umständen Infektionen beim Menschen auslösen. Die Gefahr: Das eingesetzte Antibiotikum wirkt nicht, was bedeutet, dass Infektionen mit den resistenten Keimen länger dauern oder schwerer verlaufen können. Wie dramatisch die Situation ist, zeigen Berichte des BfR über die Resistenzlage in Deutschland (Deutsche Antibiotika-Resistenzsituation in der Lebensmittelkette – DARLink 2009): Demnach sind bereits 42,7% der Erregen gegen mindestens eine, 34,8% sogar mehr als eine Substanzklasse von Antibiotika resistent.


Berliner Ärzteblatt 10.07.2013/ Quelle: VetCAb-Pilot
Resistenzen gegen Antibiotika: Die Gefahr aus unseren Lebensmitteln

Antibiotika: Hohe Resistenzen bei Nutztieren

Antibiotika: Zu häufig eingesetzt

Masthähnchen: Jedes sechste mit Salmonellen infiziert

Antibiotika: Oft verschrieben, inzwischen oft wirkungslos

 
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