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Antibiotikaresistente Keime auf Hähnchenfleisch können der Gesundheit schaden (Foto: Stock.xchng, Image ID: 1024418)
Antibiotikaresistente Keime auf Hähnchenfleisch können der Gesundheit schaden (Foto: Stock.xchng, Image ID: 1024418)
Gesundheitsgefahr: Keime auf Hähnchenfleisch

Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) hat Hähnchenfleisch untersucht. Das Ergebnis ist die reinste Katastrophe: Auf zehn von 20 gekauften Fleischproben sind ESBL-Keime gefunden worden, zwei Proben waren mit MRSA-Keimen belastet. Die antibiotikaresistenten Keime schaden der Gesundheit.

Die Proben wurden im Dezember 2011 in Berlin, Hamburg, Köln, Nürnberg und der Region Stuttgart gekauft und in einem Fachlabor analysiert. Die betroffenen Produkte wurden bei Edeka (E-Center, Marktkauf, Netto), Rewe (Rewe und Penny) und der Schwarz-Gruppe (Lidl) erworben. Die betroffenen Proben stammen von den drei größten Hähnchenproduzenten Deutschlands: Wiesenhof, Sprehe, Stolle. Die belasteten Proben sind unter den Markennamen Heidegold, Juwel, Gut Ponholz, Wilhelm Brandenburg, Astenhof und Landjunker im Handel.
Die gefundenen Keime sind nicht nur gefährlich, weil sie gegen viele Antibiotika unempfindlich sind. Sie können ihre Resistenzeigenschaften außerdem an weitere Erreger im Körper übertragen. Mehr als die Hälfte der 20 Proben wiesen MRSA und/oder ESBL-produzierende Keime auf. Auf 10 der Proben wurden ESBL-produzierende Keime nachgewiesen, zwei Proben waren mit MRSA-Keimen belastet.

„Der Fund von derartigen resistenten Keimen auf Hähnchenfleisch ist keine neue Erkenntnis“, erklärt Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Gerade diese Reaktion von Leuten, die eigentlich solchen Gefährdungen entgegen arbeiten sollen, können einen ärgerlich bis mutlos machen. Denn wenn es keine neue Erkenntnis ist, dann muss man sich doch fragen, warum überhaupt nichts dagegen geschieht. Wie machtlos anscheinend staatliche Stellen und Politiker sind zeigt, dass das BfR bereits 2009 den massiven Einsatz von Antibiotika in der Tierproduktion als bedenklich eingestuft hat.

In Rahmen der Untersuchungen waren damals auf 22,3 Prozent der 629 Hähnchenfleischproben und auf 42,2 Prozent der Putenfleischproben MRSA nachgewiesen worden. Auch Fleisch von Schweinen (15,8 Prozent) und Kälbern (12,9 Prozent) war mit MRSA belastet. Von den untersuchten E. coli Keimen und Salmonellen vom Hähnchenfleisch waren ca. 5 bis 6 Prozent resistent gegen Cephalosporine, ein Befund, der meist auf die Bildung von ESBLs zurückzuführen ist. Auch in noch früheren Untersuchungen des BfR war bereits mehrfach auf das Vorkommen von resistenten Keimen, insbesondere Salmonellen, im Fleisch hingewiesen worden.

Die Keime auf dem Fleisch stammen überwiegend aus der Tierhaltung, sagt das BfR. Hier werden seit einigen Jahren im Rahmen von Untersuchungen in den Beständen von den zuständigen Behörden der Bundesländer MRSA und zunehmend auch ESBL verdächtige E. coli und Salmonellen nachgewiesen. Diese können während der Schlachtung vom Tier auf das Fleisch übertragen werden.

Das BfR empfiehlt die Anwendung von Antibiotika, insbesondere von Antibiotika mit besonderer Bedeutung für die Humanmedizin, in der Tierproduktion kritisch zu hinterfragen. Haltung und Management der Tierbestände müssten so verbessert werden, dass die Tiere gesund bleiben und eine Behandlung nicht erforderlich ist. Die Methoden der Schlachtung müssten so weiterentwickelt werden, dass die Übertragung von Keimen von den Tieren auf die Lebensmittel verringert wird. Den Verbrauchern empfiehlt das BfR, Fleisch nur gut durcherhitzt zu verzehren und durch Beachtung der Regeln der Küchenhygiene eine Übertragung von Keimen auf andere Lebensmittel zu verhindern.

Was ist MRSA?
MRSA steht für „Methicillin resistente Staphylococcus aureus“. Das sind Bakterien, die bei Menschen und Tieren Haut und Schleimhäute besiedeln und dort Wundinfektionen verursachen können. Bei Menschen mit geschwächtem Immunsystem können diese Bakterien auch Blutvergiftungen und Lungenentzündungen hervorrufen. MRSA-Bakterien sind gegen viele Antibiotikaklassen resistent („unempfindlich“). Daher sind die Behandlungsmöglichkeiten bei den durch MRSA verursachten Infektionen stark eingeschränkt. MRSA-Keime sind gegen die so genannten Beta-Laktam-Antibiotika unempfindlich. Hierzu gehören Penicilline und Cephalosporine, die bisher standardmäßig gegen diese Erregergruppe eingesetzt wurden. Somit sind bei MRSA-Patienten die Behandlungsmöglichkeiten stark eingeschränkt.

Was ist ESBL?
Hinter der Abkürzung ESBL verbergen sich Enzyme, die so genannten Extended Spectrum Beta-Laktamasen. Wenn Darmkeime wie E. coli oder Klebsiellen diese Enzyme produzieren können, sind sie gegenüber den so genannten Beta-Laktam-Antibiotika (z.B. Penicilline, Cephalosporine) und oft auch gegen Fluorochinolone resistent. Die Enzyme machen diese Antibiotika unwirksam.
Was ist an ESBL problematisch?
- ESBL-produzierende Keime setzen Cephalosporine und Fluorchinolone schachmatt. Diese Antibiotika sind jedoch Wirkstoffe von besonderer Bedeutung. Sie werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO (zusammen mit den Makroliden) als „Critically Important Antimicrobials“ eingestuft – als Antibiotika der wichtigsten Art. Wenn gerade diese Stoffe durch Antibiotikaresistenzen wirkungslos werden, sind Ärzte in ihren Therapiemöglichkeiten stark eingeschränkt und Patienten besonders gefährdet.
- Bei Erkrankungen kann dann nur noch auf wenige so genannte Reserveantibiotika („Carbapeneme“) zurückgegriffen werden. Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sich weitere Resistenzen bilden – immer weniger Antibiotika zeigen Wirkung.
- Die Infizierung mit solchen Erregern ist vor allem für „anfällige“ Menschen ein Problem, z.B. Ältere, Kranke, Kleinkinder und Schwangere. Im schlimmsten Fall kann eine Infektion zum Tod führen.
- Bei gesunden Menschen kann der Verzehr der ESBL-produzierenden Keime bedeuten, dass diese sich für einen längeren Zeitraum in der Darmflora einnisten. Im Darm kann die Fähigkeit, ESBL zu produzieren, an weitere Keime übertragen werden - z.B. von „unproblematischen“ Darmkeimen (kommensalen E.coli) an „problematische“ Krankheitserreger (z.B. Salmonellen, Klebsiellen).

wanc 11.01.2012/ Quelle: BUND, Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
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