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Kräutertees bergen Gesundheitsrisiko

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat verschiedene handels­übliche Kräutertees untersucht. Dabei hat das Institut hohe Gehalte an Pyrrolizidinalkaloiden (PA) gefunden. Diese Stoffe können giftig sein und die Leber schädigen sowie das Krebsrisiko erhöhen.

Pyrrolizidinalkaloide (PA) sind sekundäre Pflanzenstoffe. Es gibt etwa 500 verschiedene Arten davon, die in rund 6000 Pflanzen vorkommen.  Sie dienen in der Regel dazu, die Feinde davon abzuhalten, diese Pflanzen zu fressen. Und es gibt sie eben auch in Pflanzen, die als Grundsubstanz für Teesorten verwendet werden: Fenchel, Kamille, Pfefferminze, Brennnessel, Melisse u.a. In ihren Untersuchungen hat das BfR Mengen von bis zu 3,4 Milligramm Pyrrolizidinalkaloide pro Kilogramm Trocken­­produkt ermittelt.

Das sind "unerwartet hohe Gehalte" wie BfR-Präsident Prof. Dr. Dr. Andreas Hensel zugibt: „Da sich einige der nachweisbaren Pyrrolizidinalkaloide im Tierversuch als geno­toxische Kanze­rogene erwiesen haben, sind diese Gehalte zu hoch und sollten möglichst gesenkt werden.“

Allerdings erwartet Hensel trotz der in Einzelfällen hohen Gehalte in den Proben keine akute Gesundheitsschädigung. Bei kurzfristiger Aufnahme sei eine Gefahr für Erwachsene und Kinder unwahr­scheinlich. Wer allerdings über einen längeren Zeitraum überdurchschnittlich hohe Mengen dieser Tees trinke, habe das Risiko einer gesundheitlichen Gefährdung. Diese bestehe insbesondere für Kinder, Schwangere und Stillende. Da die Gehalte einzelner Proben auch innerhalb der gleichen Teesorte erheblich von einander abwichen, könne eine sichere Aussage zum gesundheitlichen Risiko bei regelmäßiger Aufnahme belasteter Tees noch nicht gemacht werden. Kinder, Schwangere und Stillende sollten deshalb nicht ausschließlich Kräutertees oder andere Tees trinken, sondern abwechselnd mit anderen Getränken konsumieren.

Das BfR weist darauf hin, dass ins­be­sondere 1,2-ungesättigte Pyrrolizidinalkaloide (PA) in hoher Dosierung zu Leberschädigungen führen können. Im Tierversuch hätten  sich bestimmte PA als genotoxische Kanzerogene - also Auslöser von Krebserkrankungen - erwiesen. Getestet hat das  BfR 221 verschiedene handelsübliche Kräutertee- und Teeproben sowie Teedrogen aus dem deutschen Einzelhandel. Einbezogen wurden folgende Kräuterteesorten einbezogen: Babyfencheltee, Fencheltee, Kamillentee, Kräutertee, Pfefferminztee, Brennnesseltee und Melissentee. Zusätzlich untersuchte Teesorten wurden wegen der insgesamt zu geringen Probenzahl bei der Schätzung der Exposition nicht berücksichtigt: Grüner Tee, Roibuschtee, Schwarzer Tee.

Das Problem hoher PA-Werte ist nicht auf Kräutertee beschränkt. In der Vergangenheit wurden diese vor allem in Honig fest gestellt. Die Konzentrationen reichten bis zu 3900 Mikrogramm pro Kilo Honig. Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand sollte laut BfA eine Tageszufuhr von 0,007 Mikrogramm PA/kg Körpergewicht (KG) bzw. 0,42 Mikrogramm PA für eine 60 kg schwere Person möglichst nicht überschritten werden. Bei Honig-Vielessern und Kindern können diese Grenzwerte durchaus überschritten werden, das gilt vor allem dann, wenn Tee und Honig zusammen verzehrt werden.


Berliner Ärzteblatt 15.07.2013/ Quelle: BfR: Stellungnahme 018/2013, Stellungnahme Nr. 038/2011
 
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