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Putenfleisch: Mit Keimen belastet

Es ist noch gar nicht so lange her, da meldete der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), dass Hähnchenfleisch mit ESBL- und MRSA-Keimen belastet sind. Jetzt hat das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Putenfleisch untersucht. Die Ergebnisse sind ähnlich katastrophal. Die untersuchten Puten und das Putenfleisch bestätigt das häufige Vorkommen antibiotikaresistenter Bakterien entlang der Lebensmittelkette. Putenfleisch war mit Salmonellen, Campylobacter und Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) belastet, die häufig resistent gegen Antibiotika waren.

„Die Keime stammen ursprünglich aus der Tierhaltung und werden während des Schlachtprozesses und der Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen“, sagt BfR-Präsident Professor Dr. Dr. Andreas Hensel. Diese Erkenntnis verlangt aus Sicht des BfR Maßnahmen auf mehreren Ebenen. Da von antibiotikaresistenten Keimen ein Gesundheitsrisiko ausgehen kann, müssen Anstrengungen unternommen werden, eine Ausbreitung resistenter Bakterien entlang der Lebensmittelkette zu vermeiden.

Das BfR hat 3.748 Isolate verschiedener Bakterien auf ihre Resistenz gegen antimikrobielle Substanzen untersucht. Bei der Resistenztestung der Keime wurde deutlich, dass es große Unterschiede zwischen den Tiergruppen und Lebensmitteln hinsichtlich der Belastung mit antibiotikaresistenten Bakterien gibt: Mehr als 90 % der E. coli-Isolate aus Puten-, Hähnchen- oder Mastkälberbeständen sowie aus Putenfleisch waren gegen mindestens eine, häufig auch mehrere Antibiotikasubstanzklassen resistent. Dagegen waren E. coli aus Rohmilch oder aus Legehennenbeständen seltener resistent (24 bzw. 40 %). Ebenso waren Salmonellenisolate aus Masthähnchenbeständen im Vergleich zu denen aus Putenbeständen seltener resistent.

Im Vergleich zum Vorjahr wurde für E. coli bzw. Salmonellen bei Legehennen-, Masthähnchen- und Mastkälberbeständen und Putenfleisch ein Anstieg der Resistenzraten gegenüber Antibiotika der Wirkstoffklasse der Cephalosporine der 3. Generation ermittelt. Bei Salmonellen und E. coli in Masthähnchenbeständen sowie aus Putenfleisch waren die Resistenzraten gegen Antibiotika der Substanzklasse Fluorchinolone wie im Zoonosen-Monitoring 2009 unverändert hoch. Bei Salmonellen und E. coli aus Hähnchenfleisch, das nur in 2009 getestet wurde, wurden ebenfalls häufig Resistenzen gegen Fluorchinolone ermittelt. Fluorchinolone und Cephalosporine sind für die Therapie von Infektionen des Menschen von besonderer Bedeutung. Die Ausbreitung von Keimen, die gegen diese Antibiotika resistent sind, kann daher erhebliche Auswirkungen auf das Gesundheitswesen haben.

Im Rahmen der Resistenzuntersuchungen hat das BfR auch einen besonders resistenten Stamm von Salmonella Kentucky im Putenfleisch gefunden. Dieser Stamm hat in mehreren europäischen Mitgliedstaaten zu Erkrankungen bei Menschen geführt und weist eine hochgradige und stabile Resistenz gegenüber Fluorchinolonen auf. Erste Studien des Nationalen Referenzlabors für Salmonellen am BfR zeigten, dass der Stamm mit Isolaten aus den anderen EU-Mitgliedstaaten identisch ist.

Mehr als 70 % der Campylobacter jejuni und 90 % der Campylobacter coli-Isolate aus Putenbeständen und Putenfleisch waren resistent gegen mindestens eine Antibiotikaklasse. Resistenzen gegen Fluorchinolone wurden bei beiden Arten häufig gefunden. Infektionen mit Campylobacter sind seit Jahren die häufigste Ursache bakteriell bedingter Durchfallerkrankungen des Menschen. Geflügelfleisch ist als eine der wichtigsten Quellen für diese Infektionen identifiziert worden.

Fast alle MRSA-Isolate aus Putenbeständen und Putenfleisch zeigten neben der Resistenz gegen Beta-Laktam-Antibiotika auch eine oder mehrere Resistenzen gegen weitere Wirkstoffklassen. Das Vorkommen von Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA) in den Tierbeständen führt insbesondere für Beschäftigte in der Tierhaltung zu einer häufigen Besiedlung mit MRSA. Die Rolle der aus diesen Tieren erzeugten Lebensmittel für die Ausbreitung der nutztierassoziierten MRSA ist nach derzeitiger Einschätzung des BfR jedoch aufgrund der meist niedrigen Keimzahlen gering. Resistente Erreger in der Tierproduktion können vor allem über den Kontakt mit Tieren sowie über kontaminierte Lebensmittel tierischen und pflanzlichen Ursprungs zum Verbraucher gelangen. Verbraucherinnen und Verbraucher können sich gegen resistente und krankmachende Keime in Lebensmitteln durch eine sorgfältige Küchenhygiene schützen. Das BfR empfiehlt, Fleisch nur gut durcherhitzt zu verzehren.

wanc 29.02.2012/ Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
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