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Mit Zucker gesüßte Erfrischungsgetränke sollen für Diabetes und Adipositas verantwortlich sein (Foto: Stock photo)
Mit Zucker gesüßte Erfrischungsgetränke sollen für Diabetes und Adipositas verantwortlich sein (Foto: Stock photo)
Süßgetränke: Droht Lebensgefahr?

Zucker - und damit ist hauptsächlich der weiße Industriezucker gemeint - schadet in größeren Mengen der Gesundheit. Es gibt nur wenige Ernährungswissenschaftler und -organisationen, die dem widersprechen. Eine der Hauptquellen des Zuckerkonsums sind gesüsste Getränke - wie Limonaden, Cola, Fruchtsäfte und Energy Drinks. Eine Studie will nun nachweisen, dass diese Getränke rund 184.000 Menschen weltweit das Leben kosten, pro Jahr. Diese Aussage gefällt nicht jedem. 

Durchgeführt hat die Studie das angesehene Tufts Research Center, USA. Dieses hat Studien über einen Zeitraum von 30 Jahren mit insgesamt 611.971 Personen in 51 Ländern ausgewertet. Limonaden & Co. sorgen demnach für Gesundheitsgefahren vor allem bei Diabetes (133.000 Todesfälle), Herz-Kreislauf-Erkrankungen (45.000 Todesfälle) und Krebs (6.450 Todesfälle). Den höchsten Anteil von Todesfällen, für die gesüsste Getränke verantwortlich sind, haben Mexiko und die USA.

Dass diese Zahlen in manchen Kreisen auf Ablehnung stoßen, darf nicht verwundern. So setzt sich das Forum.ernährung-heute kritisch mit der Studie auseinander. Das Forum kritisiert in einer Pressemeldung, dass derartige Studien keine Rückschlüsse auf eine Ursache-Wirkungs-Beziehung zulassen würden. Anders ausgedrückt: Ob Zucker und Limonaden wirklich für das Auftreten der Krankheiten und die hochgerechneten Todesfälle verantwortlich zu machen ist, sei nicht bewiesen. Es gebe Hinweise, dass sich zuckergesüßte Getränke auf die Gesundheit auswirken können, aber das würden auch andere Risikofaktoren wie rauchen, sich wenig bewegen und schlechte Ernährung.

Kern der Botschaft: Bloß nicht beunruhigen lassen. Leider sagt die Website des Forum.ernährung-heute (http://www.forum-ernaehrung.at/) - ein 1991 gegründeter Verein, Sitz Wien, zur Förderung von Ernährungsinformationen - nicht, wer hinter diesem Verein steht, wer ihn finanziert. Immerhin soll der Verein "Aktuelle Informationen für Meinungsbildner" verbreiten, was auf Lobbyismus schließen lässt (es aber nicht unbedingt bedeuten muss).

Richtig ist, dass mit zunehmender Erkenntnis über den Zusammenhang von Ernährung und Gesundheit der Wahrheitsgehalt einiger lange gepflegter Mythen zumindest auf den Prüfstand gehören. Was den Zucker betrifft, hat die Weltgesundheitsorganisation WHO erst kürzlich betont, dass maximal 10 Prozent der tägliche Kalorien in Form von Zucker verzehrt werden sollte - das bedeuten 25 Gramm Zucker am Tag oder rund sechs Teelöffel Zucker. Der natürlich in Obst, Gemüse und Milch steckende Zucker bleibt davon unberührt, weil er nach Ansicht der WHO keine negativen Auswirkungen hat.

Um bei den Mythen zu bleiben: Ob Zucker tatsächlich Adipositas (Fettsucht) hervorruft, dafür gibt es auch laut EUFIC - das Europäische Informationszentrum für Lebensmittel, keine eindeutigen Beweise. Genauso wie der Zusammenhang zwischen Zuckeraufnahme und dem Cholesterinspiegel, dem metabolischen Syndrom, Herzkrankheiten, Bluthochdruck, Diabetes Typ 2 und Krebs nur "unzureichend" belegt sei.  

Doch nicht nur die WHO warnt deutlich vor dem versteckten, dem zugesetzten Zucker. Und der befindet sich nicht nur in Limonaden, sondern in ganz vielen verarbeiteten Lebensmitteln. Beispiel: Ein Esslöffel Tomatenketchup enthält etwa einen Teelöffel Zucker. Noch dramatischer wird das bei Limonaden. Nach Erfahrungen der WHO enthält ein Glas Cola (250 Milliliter) rund 27 Gramm Zucker - mehr als die empfohlene Tagesration. Ein Fakt, den Forum.ernährung-heute leider verschweigt.

EUFIC weißt darauf hin, dass es zwar keine Beweise für einen Zusammenhang zwischen Zuckeraufnahme und der Entwicklung von Diabetes Typ 2 gebe, dass ein Zusammenhang zwischen gesüßten Getränken und der Krankheit dagegen als „möglich“ eingestuft wird. Dass die langfristige Aufnahme von Fructose oder Saccharose (Haushaltzucker) zu Bluthochdruck führt, gebe die Studienlagen nicht her und genauso sei die Beweislage für einen Zusammenhang mit Adipositas unzureichend. Dagegen gebe es einige Beweise für einen Zusammenhang zwischen zucker-gesüßten Getränken und Adipositas. Auch die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde EFSA schlussfolgerte in einer Untersuchung, dass Beweise für einen Zusammenhang zwischen hoher Zuckeraufnahme (im Gegensatz zu hoher Stärkeaufnahme) und Gewichtszunahme inkonsistent seien, dass es aber einige Beweise dafür gebe, dass hohe Aufnahme von Zucker in Form von zucker-gesüßten Getränken zu Gewichtszunahme beitragen könnte.  

Ob die Errechnung einer möglichen Zahl von Todesfällen durch gezuckerte Getränke in diesem Zusammenhang zur besseren Informationslage wirklich beiträgt? Wohl eher nicht. Die Gefahren für die Gesundheit bleiben aber. Und die sehen inzwischen viele. Wie die Studie des Credit Suisse Research Institute "Sugar: Consumption at a Crossroads" 2013 ergab, sind fast 90 Prozent der praktischen Allgemeinärzte in den USA, Europa und Asien überzeugt, dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Zucker und der drastischen Zunahme von Typ-2-Diabetes oder Fettsucht besteht. Grundlos ist diese Annahme ja auch nicht. Die tägliche Menge an zugesetztem Zucker, die jede Person weltweit im Durchschnitt jeden Tag zu sich nimmt, liegt zurzeit bei 17 Teelöffeln, was verglichen mit dem Verbrauch vor 30 Jahren einer Zunahme um 45 Prozent entspricht. Das ist ein Durchschnittswert - in den USA sind es beispielsweise 40 Teelöffel pro Tag. 

Die Studie stellt Softdrinks eine schlechte Note aus. Sie betont den engen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und Fettleibigkeit mit dem Konsum von kalorienreichen Softdrinks. Die Credit Suisse schätzt, dass 43 Prozent der zugesetzten Zuckerarten in unserer Ernährung von gesüssten Getränken stammen – eine Dose eines Softdrinks enthalte im Durchschnitt acht Teelöffel Zucker. Dieser Zucker werde leicht und vollständig aufgenommen wird, da er aufgelöst ist, und auf diese Weise würden grosse Mengen an Kalorien zugeführt werden, ohne dass ein Sättigungsgefühl entstehe.  

07.07.2015/ Quelle: TuftsNow: Sugary Drinks Linked to High Death Tolls Worldwide

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