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Größere Mengen von Limonade können der Gesundheit schaden, vor allem werden Gewichtszunahme und Karies genannt (Foto: andi-h  / pixelio.de)
Größere Mengen von Limonade können der Gesundheit schaden, vor allem werden Gewichtszunahme und Karies genannt (Foto: andi-h  / pixelio.de)
Machen Limonaden doch nicht dick?

Da trifft diese Meldung in der Redaktion ein: "Gesüßte Getränke & Gewicht von Kindern: Zusammenhänge völlig unklar." Wir stutzen und fragen uns, ob es - so wie die Meldung suggeriert - wirklich keine Beweise für den Zusammenhang von Zuckerkonsum und Körpergewicht gibt? Sitzen wir einem der vielen Ernährungsvorurteile auf, wenn wir gesüßte Getränke als Dickmacher bezeichnen? 

Die Meldung geht es wissenschaftlich an. Sie zitiert Studien und Auswertungen von Studien, deren Inhalt die Botschaft überbringen: Zugesetzter Zucker in fester und flüssiger Form steht in keinem Zusammenhang mit Fettleibigkeitsfaktoren bei Kindern. Das gelte jedoch nicht für 100% Fruchtsaft: 2-jährige Kleinkinder, die regelmäßig Fruchtsäfte trinken, haben ein höheres Risiko, bis zum 4. Lebensjahr übergewichtig zu werden.

Dass auch Fruchtsaft dick machen kann, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch wenn bei 100%igem Fruchtsaft seit dem 31.10.2013 durch die EU-Fruchtsaft-Richtlinie 2012/12/EU ein Nachzuckern nicht mehr erlaubt ist, ein Liter Fruchtsaft enthält in etwa so viele Kalorien wie eine vollwertige Mahlzeit. Denn Obst und damit auch dessen Saft enthält natürlichen Fruchtzucker (Fruktose) und auch Traubenzucker (Glukose). Auch dieser Zucker ist nicht kalorienfrei: Durchschnittlich enthält ein 0,2-Liter-Glas Saft etwa 100 Kilokalorien, bei Orangensaft sind es 44 kcal pro 100 Milliliter, bei rotem Traubensaft sogar 69 kcal.

Ob das jetzt aber als Argument für die zuckrigen Limonaden gelten darf? Tatsache ist, dass Interessenvertretungen wie das Forum Zucker oder die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wag) natürlich ein Interesse daran haben, die Rolle von Zucker und gesüßten Getränken beim Körpergewicht klein zu reden. Doch es gibt ein paar Fakten: Die Zahl der übergewichtigen Kinder hat stark zugenommen, gleichzeitig hat sich der Konsum von Limonaden erhöht. Klar ist auch, dass Cola & Co. Zuckerbomben sind: ein Glas Cola (0,25 Liter) enthält neun Würfel Zucker, bei einem Liter sind es 36 Stück und rund 420 Kilokalorien. 

Auch die in der Pressemeldung genannten Studien besagen, dass ein vermehrter Genuß von gesüßten Erfrischungsgetränken mit einem erhöhten Gewicht - einem höheren BMI - verbunden ist. Einige dieser Studien stellen sogar einen höheren Anteil von Fettmasse und ein größeren Bauchumfang fest. Und bei einigen wird eine Gewichtszunahme vor allem bei flüssigem zugesetzten Zucker ausgemacht. So ganz scheinen die angegebenen Studien den Inhalt der Meldung also nicht zu stützen. 

Vor den möglichen Folgen von zu viel Zucker warnt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Deshalb empfiehlt sie, dass ein Erwachsener pro Tag nicht mehr als 25 Gramm Zucker zu sich nehmen soll – das entspricht sechs Teelöffeln. Die WHO sieht diese Richtlinie als Teil des Kampfes gegen Krankheiten wie Fettleibigkeit, Karies, oder Herzkreislauferkrankungen an, die durch ungesunde Verhaltensweisen verursacht werden.

Das Robert Koch Institut betont, dass zuckerhaltige Erfrischungsgetränke die Energiezufuhr des Körpers erhöhen. "Bei Genuss von Erfrischungsgetränken werden somit relativ viele Kalorien aufgenommen, die nicht lange sättigen. Wird die zusätzliche Kalorienzufuhr nicht durch den Verzicht auf anderweitige energiehaltige Lebensmittel oder durch einen höheren Energieverbrauch (z. B. durch körperliche Aktivität) kompensiert, führt dies zu einer positiven Energiebilanz. Dies kann langfristig den Anstieg des Körpergewichts bedingen und das Risiko für Adipositas erhöhen."

Mit Recht weißt die Pressemeldung aber daraufhin, dass nicht in allen Studien der Zusammenhang zwischen dem Konsum gesüßter Getränke und dem steigenden Gewicht von Kindern glasklar ist. Daraus allerdings zu schließen, „Wir wissen, dass wir nichts wissen“ scheint der Redaktion der Medizinauskunft doch ziemlich gewagt. 

So haben Ernährungsmediziner der neuseeländischen University of Otago Verbraucher über einen gewissen Zeitraum beobachtet - also nicht, wie sonst häufig üblich, im Nachhinein über ihre Ernährungsgewohnheiten befragt. Das bringt bessere Daten, weil die Erinnerung oft mangelhaft ist. Die Ergebnisse dieser Beobachtungen sind sehr deutlich: Gruppen, die ihren Zuckerkonsum den WHO-Empfehlungen anpassten, verloren während einer Studienperiode von zehn Wochen bis zu acht Monaten im Durchschnitt 0,8 Kilogramm Körpergewicht. Dagegen führte ein steigender Zuckerkonsum binnen weniger Wochen zu durchschnittlich 0,75 Kilogramm Gewichtszunahme.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung zitiert eine etwas andere Studie: Die sogenannte Interventionsstudie bei amerikanischen Schülern hatte das Ziel, den Konsum von Getränken mit zugesetzten Zuckern (sugar-sweetened beverages = SSB) zu reduzieren. Nach 1 Jahr wurde in der Interventionsgruppe ein signifikant geringerer Anstieg der Prävalenz von Übergewicht/Adipositas im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ohne Intervention gefunden. Bei einer ähnlichen Studie an über 600 Kindern zeigte sich eine signifikant größere Prävalenz von Übergewicht/Adipositas bei den Schülern, deren SSB-Konsum unverändert war, verglichen mit der Gruppe, die den SSB-Konsum durch ein schulisches Erziehungsprogramm etwas reduziert hatte.

Dennoch neigen einige Ernährungswissenschaftler der Erkenntnis zu, dass es wahrscheinlich nicht den einen Grenzwert für alle gibt, ab dem Zucker schädlich wird. Oder das Gewicht beeinflusst. Vielleicht lässt sich so erklären, dass bei manchen der Genuß von Süßem und Limonaden zu keinerlei Veränderungen des Gewichtes führt. Und eines sollte auch klar sein: Zucker kommt nicht nur in Limonaden vor, sondern häufig sehr versteckt und in großen Mengen in vielen Lebensmitteln vor - z.B. in Ketchup. Es geht letztlich also nicht allein um das Trinken von gesüßten Erfrischungsgetränken, sondern um die Ernährungsgewohnheiten insgesamt. 

16.10.2015/ Quelle: Child Obes., Crit Rev Clin Lab Sci, RKI, 

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