Diät
Essen + Trinken
Tipps
Vitalstoffe
 
 

Red Snapper: Tropische Fischart, in denen sich Ciguatoxine angereichert haben können  (Foto: w.r.wagner / pixelio.de)
Red Snapper: Tropische Fischart, in denen sich Ciguatoxine angereichert haben können (Foto: w.r.wagner / pixelio.de)
Fischvergiftung: Warum es eine Ciguatera jetzt auch häufiger bei uns gibt

Hört sich schwierig an und ist auch nicht ganz leicht auszusprechen. Ciguatera. Das ist eine Erkrankung, die nach dem Verzehr von Fisch auftreten kann. Dabei handelt es sich um die Vergiftung mit Ciguatoxinen - Stoffwechselprodukten von Algen. Bisher sind derartige Fischvergiftungen nur in tropischen oder subtropischen Ländern aufgetreten und haben Touristen ereilt. Doch nun erkranken auch hierzulande Menschen daran.

Wer an Ciguatera erkrankt, dem wird erst einmal übel, dann kommen Erbrechen und Durchfall hinzu. Später stellen sich äußerst unangenehme Missempfindungen wie Taubheitsgefühl an Händen und Füßen, Muskelschmerzen, körperliche Schwäche und Brennen, Kribbeln und Schmerzen beim Kontakt mit Kälte ein, die wochen- oder sogar monatelang andauern können. 14 Fälle solcher Vergiftungen haben Giftinformationszentren und Labore 2012 in Deutschland gemeldet. Aufgetreten sind sie nach dem Verzehr von Red Snapper-Filets. Und zwar von Fisch, der in Deutschland gekauft wurde.

Auslöser der Fischvergiftung sind Stoffwechselprodukte von Algen, die zu den sogenannten Dinoflagellaten gehören und auf Korallenriffen subtropischer und tropischer Meeresgebiete der Karibik, des Indischen Ozeans und des Pazifiks vorkommen. Verzehrt werden diese Algen von pflanzenfressenden Fischen, die in der Nahrungskette dann wiederum von Raubfischen gefressen werden. In diesen Fischen reichern sich die Giftstoffe an und gelangen dann so auf den Teller des Menschen.

Die Zahl der Ciguatoxinvergiftungen wird weltweit auf 50000 bis 500000 geschätzt. Deutsche hatten damit bisher selten und nur als Touristen zu tun, die diese Fischvergiftung als Reisegepäck aus ihrem Urlaub in tropischen und subtropischen Ländern mit nach Hause brachten. Das ist jetzt anders geworden. "Ciguatoxin-Vergiftungen gehören zu den häufigsten Fischvergiftungen weltweit“, weiß Professor Dr. Dr. Andreas Hensel, Präsident des BfR, “sie waren bisher aber auf bestimmte Regionen der Welt begrenzt. Bedingt durch den weltweiten Handel mit tropischem und subtropischem Fisch müssen wir auch bei uns mit einem vermehrten Auftreten solcher Vergiftungen rechnen.“

Unangenehm ist, dass sich Ciguatoxine nicht durch Braten oder Kochen wegbringen lassen. Entweder verzichtet man in Zukunft auf den Verzehr derartiger exotischer Fische oder man vertraut dem Händler, der nur Fische verkauft, die weit entfernt von Korallenriffen gefangen wurden. Erschwerend kommt noch hinzu, dass der Nachweis dieser Gifte ganz schwierig ist und nur in besonders ausgestatten Laboren gelingt. Eine spezielle Therapie gegen die Erkrankung gibt es im übrigen nicht.


Berliner Ärzteblatt 12.04.2013/ Quelle: Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
 
Seite versenden  
Seite drucken