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Dioxin in Futtermitteln: Keine Sorgen machen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) will Verbraucher beruhigen. Das Dioxin in den Futtermitteln lasse eine Gefährdung der Gesundheit nicht erwarten. Selbst ein extremer Verzehr von belasteten Lebensmitteln könne keine nachteiligen Folgen haben. Also Aufatmen?
 
Die Verunreinigung von Futtermitteln mit Dioxinen habe die Verbraucherinnen und Verbraucher erheblich verunsichert, stellt das BfR fest. Inzwischen seien aber zahlreiche Proben von Eiern, Fleisch, Milchprodukten und Futtermitteln auf ihre Gehalte an Dioxinen untersucht worden. Ergebnis: Nur in wenigen Fällen liegen die gemessenen Gehalte bei Eiern, Fleisch von Legehennen und Schweinefleisch über den gesetzlichen Höchstgehalten. Bei Milchprodukten und Geflügelfleisch wurden keine Überschreitungen festgestellt. 



Gefahren für den Verraucher/die Verbraucherin bestehen nicht, sagt das BfR. Dazu hat es eine Risikoabschätzung vorgenommen. Demnach würde selbst der theoretische Fall, dass jemand ein Jahr lang Lebensmittel mit den höchsten gemessenen Dioxingehalten verzehrt hätte, kaum etwas ausmachen. Am Ende des Jahres wäre die Körperlast nach dem Verzehr von insgesamt 730 Eiern mit dem höchsten gemessenen Dioxingehalt um 4 Pikogramm auf insgesamt 14 Pikogramm je Gramm Körperfett gestiegen.



Das BfR betont, dass die Körperlast junger Erwachsener vor 20 Jahren noch 30 Pikogramm Dioxine je Gramm Körperfett betrage. Nach heutigen Maßstäben sei diese Belastung viel zu hoch, habe aber auch damals zu keinen gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt. Das BfR kommt daher zu dem Schluss, dass selbst bei Menschen, die in jüngster Zeit in größerem Umfang Eier und Eiprodukte oder Schweinefleisch mit einer Dioxinbelastung über dem jeweiligen Höchstgehalt verzehrt haben, eine gesundheitliche Beeinträchtigung auch langfristig nicht zu erwarten ist.



Das Institut rechnet uns Bürgern/innen vor, dass bei den jetzt ermittelten Dioxingehalten die tolerierbare tägliche Aufnahmemenge (TDI: Menge eines Stoffes, die über die gesamte Lebenszeit pro Tag aufgenommen werden kann, ohne dass spürbare Auswirkungen auf die Gesundheit der Verbraucher festzustellen sind) allein durch die Aufnahme von Dioxinen (WHO-PCDD/F-TEQ) aus Eiern zu ca. 4 % ausgeschöpft wird. Für Schweinefleisch hat das BfR eine Ausschöpfung des TDI von ca. 1 % fest gestellt.



Etwas verwirrend ist die Beurteilung des gesundheitlichen Risikos. Denn bei Stoffen wie den Dioxinen kommt es nicht darauf an, wie viel man davon täglich zu sich nimmt. Vielmehr ist entscheidend, welche Mengen des Stoffes sich im Körper angereichert haben. Experten nennt das die Körperlast. Nun sammeln sich Dioxins im Körper jedes Menschen an, allein aufgrund der bestehenden Hintergrundbelastung wandern täglich Spuren von Dioxinen über verschiedene Lebensmittel in unseren Körper. Das BfR sagt nun, dass auch im Alter eine gesundheitlich kritische Körperlast nicht erreicht werden darf. Deshalb müsse die Aufnahme von Dioxinen über die Nahrung "so weit wie möglich minimiert werden".

Ob diese Verlautbarungen des BfR die Verbraucher beruhigen? Wohl eher nicht. Eine Studie der GfK-Vebraucherforschung besagt, dass das Vertrauen der Verbraucher in Lebensmittelkontrollen im Zuge des aktuellen Dioxinskandals gering ausfällt. Gerade einmal 27 Prozent der deutschen Verbraucher sind aktuell der Ansicht, dass die verfügbaren Lebensmittel "ausführlich kontrolliert und gesundheitlich unbedenklich" sind. Ein Drittel sieht diese Kontrollen dagegen eher skeptisch. Besonders kritisch zeigen sich dabei über 50-Jährige sowie höher gebildete Konsumenten. Regional gibt es kaum Unterschiede zwischen Nord- und Süddeutschland. Im Osten allerdings vertrauen die Verbraucher auffallend weniger häufig den Lebensmittelkontrollen.



Das Misstrauen ist nicht unbegründet. Denn ganz so ungefährlich, wie das BfR die Situation darstellen will, ist das Problem nicht. Denn Dioxine reichern sich im Körper, genauer gesagt im Fettgewebe, an. Sie werden so gut wie nicht abgebaut. Die Halbwertszeit des giftigsten Dioxins beträgt im Körperfett des Menschen rund sieben Jahre. Solange dauert es, bis die Hälfte der täglich aufgenommenen Menge an Dioxin abgebaut ist, berichtet der Bayerische Rundfunk (BR).

Und: Von vielen werden die immer wieder zitierten Höchstwerte der Belastung als viel zu hoch kritisiert. Klar ist, dass Dioxin schon in kleinsten Mengen krebserregend sein kann. Unklar ist, was kleinste Menge wirklich bedeutet.



Berliner Ärzteblatt 31.01.11/ Quelle: BfR, GfK, BR
 
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