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Fettreiche Milch - das Diabetesrisiko sinkt (Foto:Thorben Wengert/ pixelio.de)
Fettreiche Milch - das Diabetesrisiko sinkt (Foto:Thorben Wengert/ pixelio.de)
Fettarme Milchprodukte: Die Mär vom Gesundheitsnutzen

Fettreduzierte Produkte aus Milch gelten als gesund, denn sie sollen beim Abnehmen helfen, den Blutdruck senken und das Risiko für Diabetes verringern. Doch diese Meinung dürfte mittlerweile Sprünge bekommen haben. Denn inzwischen belegen wissenschaftliche Untersuchungen, dass fettarme Milchprodukte eher dick als dünn machen können. Und zur Verringerung des Diabetesrisikos taugen sie gar nicht.

Das Diabeteszentrum der Universität Lund in Malmö, Schweden, hat die Auswertung einer Studie (Malmö Diet and Cancer Cohort) vorgelegt, die viele überraschen dürfte: Menschen mit dem höchstem Verzehr von nicht fettreduzierten Milchprodukten (im Durschnitt: 8 tägliche Portionen) entwickelten um 23% weniger einen Typ-2-Diabetes als Personen mit dem niedrigsten Konsum (im Durchschnitt: 1 Portion pro Tag).

Untersucht wurden 26930 Frauen (Anteil: 60%) und Männer im Alter zwischen 47 und 74 Jahren. Innerhalb der Beobachtungszeit von 14 Jahren wurden 2860 Fälle von Typ-2-Diabetes dokumentiert. Einflussgrössen wie Alter, Geschlecht, BMI, körperliche Aktivität und viele andere wurden berücksichtigt. Es stellte sich heraus, dass ein täglich hoher Verbrauch an Sahne und Sahneprodukten (30 ml oder mehr) das Risiko für Diabetes nicht erhöhte, sondern verminderte. Im Vergleich zu denjenigen, die wenig Milchprodukte verzehrten, lag es um 15% niedriger. Die Wissenschaftler stellen in schöner Wissenschaftlersprache fest: "Der Verzehr von Produkten aus nicht fettreduzierter, normaler Milch wie etwa Joghurt war mit einer geringeren Diabetesinzidenz korreliert."

Bein Verzehr von fettarmen Milchprodukte wurde eine Erhöhung des Diabetesrisikos ermittelt. Allerdings dürfte sich dieses nicht auf den Fett- sondern auf den Proteingehalt beziehen. Ernährungsexperten wissen, dass fettarme Milchprodukte "kleine Eiweißbomben" sind. Weil größere Mengen Eiweiß die Insulinausschüttung ankurbeln, wird Glukose (Zucker) nicht mehr in den Muskel- und Leberzellen gespeichert, sondern direkt zu Fett verstoffwechselt.

Die Ernährungsstudie bestätigte im übrigen eine Erkenntnis: Der Konsum vom rotem Fleisch erhöhte unabhängig von dessen Fettgehalt das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Dabei lag das Diabetesrisiko bei fettarmem Fleisch sogar höher - zwischen 11% und 41%, durchschnittlich 25% - als bei fettreichem Fleisch - zwischen 0% und 24%, im Durchschnitt 9%.

Prof. Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie regt dann auch zum Neudenken an, da "lange Zeit gelehrte und als unumstösslich angesehene Denkschemata (…) jetzt oft in Frage gestellt" werden. Er weist auf ein Untersuchung an etwa 530.000 Personen hin,  die keinen Unterschied zwischen gesättigten und ein- oder mehrfach ungesättigten Fettsäuren für das Herzinfarktrisiko gezeigt hatte. Allerdings macht er darauf aufmerksam, dass "diese Studien an irgendeinem oder mehreren Punkten angreifbar" sind. Aber welche Studie ist das nicht?

Berliner Ärzteblatt 01.10.2014/ Quelle: 50. EASD-Kongress

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