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Ob Fleischkonsum für Darmkrebs verantwortlich ist, das bleibt heftig umstritten (Foto: DAK/Wigger)
Ob Fleischkonsum für Darmkrebs verantwortlich ist, das bleibt heftig umstritten (Foto: DAK/Wigger)
Macht Fleischkonsum Darmkrebs? Eher nicht, aber…..

Wer die Informationen in vielen Medien liest, dem wird vollständig klar: Der Verzehr von Fleisch (Rind, Lamm, Schwein), Wurst oder Schinken ist ungesund. Wer Fleisch isst, bekommt Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes oder Dickdarmkrebs. Doch eine neue Auswertung von 27 wissenschaftlichen Studien zur Beziehung von Fleischkonsum und Darmkrebs legt die Vermutung nahe: So eindeutig ist das alles nicht. Tatsächlich kommen die US-Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die Beweise dafür, dass der Konsum von rotem Fleisch Darmkrebs hervorruft, "weak" - also schwach - ist.

Ob es wirklich die sogenannte Dosis-Wirkungs-Beziehung (welche Menge Fleischkonsum hat welche Auswirkungen) zwischen dem Konsum von rotem Fleisch und Dickdarmkrebs gibt, das war bisher eigentlich kaum der Diskussion wert. So schrieb die Süddeutsche (10.0.2012) unter dem Titel "Folgen der Fleischeslust": "Harvard-Mediziner warnen: Wer täglich rotes Fleisch, Wurst oder Schinken isst, verkürzt seine Lebenserwartung deutlich. Fleischmahlzeiten erhöhen das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall, Diabetes und verschiedene Krebsleiden." Die Ergebnisse einer Studie werden zusammengefasst: "Nach durchschnittlich fast 30 Jahren zeigte sich, dass die Sterblichkeit der Studienteilnehmer um 13 Prozent erhöht war, wenn sie täglich eine Hauptmahlzeit Fleisch zu sich nahmen - und sogar um 20 Prozent anstieg, wenn sie jeden Tag Wurst, Schinken oder zu Aufschnitt verarbeitetes Fleisch aßen."

So oder so ähnlich finden sich Berichte in fast allen Medien und es gibt nicht wenige Ernährungswissenschaftler, die diese Botschaft auch gerne wiederholen. Ob es allerdings alles so einfach ist, daran gibt es seit einiger Zeit durchaus Zweifel. Diese werden nun auch wieder von der neuen Untersuchung genährt.

Die kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass die durchgeführten Studien eigentlich gar keinen Schluss zulassen. Der Grund: Es liegt eine statistisch signifikante Heterogenität vor. Oder anders ausgedrückt: Die Studien sind eigentlich recht untauglich, um das wahre Risiko zu bestimmen. Das haben die Wissenschaftler dennoch getan und aus allen Daten eine Risikoerhöhung für Darmkrebs durch Fleischverzehr von durchschnittlich 11% - zwischen 3% und 19% - ermittelt.

Doch diesen Werten messen die Wissenschaftler keine große Aussagekraft bei. Warum? Es bestanden große Unterschiede, wie der Fleischkonsum gemessen wurde, ob unterschieden wurde, ob frisches oder verarbeitetes Fleisch gegessen worden war, in wie weit der Verzehr anderer Nahrungsmittel berücksichtigt wurde, wie Nahrungsmittel definiert und klassifiziert worden sind und nach welchen Maßgaben die Ergebnisse analysiert und bewertet wurden.

Die Wissenschaftler nennen ein Beispiel: In Studien, in denen der Konsum in frisches oder verarbeitetes Fleisch unterschieden wurde und in denen nur Frauen untersucht wurden, die nicht in den USA lebten, lag der Zusammenhang zwischen Verzehr von frischem Fleisch und Darmkrebs bei fast Null. Grundsätzlich bemängeln die US-Wissenschaftler, dass es fast unmöglich ist, die Wirkung einzelner Nahrungsmittel isoliert von der gesamten Ernährungsweise  und anderen Lebensstilfaktoren zu trennen.

Deshalb sagen die Forscher, dass die Abhängigkeit von der Entstehung von Darmkrebs und dem Verzehr von Fleisch nur als "schwach" eingestuft werden könne. Es gebe keinen klaren Beweis für eine klare Dosis-Wirkungs-Beziehung und je länger der Zeitraum sei, über den Studienteilnehmer beobachtet würden, desto schwächer würden die Anhaltspunkte.

13.05.2015/ Quelle: Journal of the American College of Nutrition

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