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Manche Menschen macht Brot krank, weil sie an Zöliakie leiden und einen bestimmten Bestandteil von Getreide nicht vertragen (Foto: Maja Dumat/pixelio.de)
Brot aus Weizen, Dinkel und Roggen enthält Gluten, das bei manchen Menschen zu Entzündungen der Darmschleimhaut führt (Foto: Maja Dumat/pixelio.de)
Glutenfrei bedeutet noch lange nicht frei von Gluten

Gluten ist ein sogenanntes Klebereiweiß, das in vielen Getreidesorten (Weizen, Dinkel, Roggen) enthalten ist. Im Grunde besteht es aus verschiedenen Eiweißen, die sich bei Feuchtigkeit bilden und dann zu Gluten verbinden. In Backwaren sorgt es dafür, dass die luftig und leicht werden. Menschen, die an Glutenunverträglichkeit leiden, müssen den Stoff meiden, weil sich sonst die Darmschleimhaut entzündet. Mittlerweile gibt es viele glutenfreie Lebensmittel, doch viele enthalten dennoch Gluten.

Julien Venesson hat ein Buch geschrieben. Das nennt sich " Wie der Weizen uns vergiftet". Venesson will uns belehren, dass wir uns weizen- und glutenfrei ernähren sollen. Denn beide sind seiner Meinung nach für Müdigkeit, Sodbrennen, Reizdarm und Völlegefühl, Gelenkschmerzen und -verschleiß (rheumatische Arthritis), Kopfschmerzen und Migräne, Hashimoto (Autoimmunerkrankung, die zu einer chronischen Entzündung der Schilddrüse führt), Schuppenflechte, Multiple Sklerose, Diabetis Typ 1 und das Sjögren-Syndrom (Autoimmunerkrankung der Speichel- und Tränendrüsen).

Mittlerweile glauben nicht nur viele Stars, dass eine glutenfreie Ernährung super gesund ist und auch beim Abnehmen hilft. Ob Hysterie, Hupe oder Verwirrung, die Industrie freut sich. Glutenfreie Produkte, die meist um einiges teurer sind, verkaufen sich wie geschnitten Brot. Weltweit hat sich der Markt von 2007 bis 2011 auf 2,1 Mrd. US-Dollar fast verdoppelt. Allein in den USA soll der Umsatz aber bis 2017 auf 6,6 Mrd. US-Dollar anwachsen. Das europaweite Glutenfrei-Siegel wurde Anfang 2012 eingeführt. 2012 und 2013 wurden jeweils zwei vergeben, in der ersten Hälfte des Jahres 2014 waren es bereits 21.

Doch wo glutenfrei draufsteht, ist nicht unbedingt glutenfrei drin. Selbst die mit dem Siegel bedachten Produkte dürfen bis zu 20 Milligramm Gluten pro Kilogramm Gesamtgewicht enthalten. Lebensmittel mit der Kennzeichnung "sehr geringer Glutengehalt" dürfen sogar maximal 100 Milligramm Gluten pro Kilogramm enthalten.

Doch wie eine Studie jetzt entlarvt, dass als „glutenfrei“ gekennzeichneten Produkte Gluten enthalten. Dr. Samantha Nazareth von der Columbia Universität in New York hat 22 der auf dem US-amerikanischen Markt am meisten verbreiteten Probiotika untersucht. In 53% der glutenfreien Produkte hat sie Proteine aus Weizen, Roggen oder Gerste gefunden. Bei 13% wurde der auch in den USA festgelegte Höchstwert von 20 Mikrogramm überschritten.

Dass das in Deutschland nicht so ganz anders ist, hat die Verbraucherzentrale Hessen bereits 2011 nachgewiesen. Dabei wurden 25 Lebensmittelangebote aus zwölf Internetshops mit der Werbung "glutenfrei" überprüft. Alle als glutenfrei beworbenen Produkte enthalten laut Zutatenliste das Getreideeiweiß, stellte die Verbraucherzentrale fest. Dabei  ist die Kennzeichnung glutenhaltiger Zutaten, beispielsweise "modifizierte Stärke", in der EU seit 2005  vorgeschrieben, auch wenn der Glutengehalt unter 20 Milligramm pro Kilogramm liegt. Die Hersteller müssen dafür sorgen, dass dieser Grenzwert eingehalten wird, zum Beispiel durch spezielle Behandlung der Stärke. betont die Verbraucherzentrale. Und erklärt: Experten gehen davon aus, dass mit der 20-Milligramm-Grenze pro Kilogramm Lebensmittel die tolerierte Glutenaufnahme für Zöliakieerkrankte pro Tag nicht überschritten wird und nur bei extrem empfindlichen Personen dieser Wert bereits zu Beschwerden führen kann.

16.06.2015/ Quelle:  Digestive Disease Week 2015 meeting, Washington, 2015

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