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Vegetarische Ernährung kann Therapie sein

Die Ernährung spielt bei der Entstehung der meisten Krankheiten eine wichtige Rolle. Wie die Ernährungsweise allerdings das Krankheitsgeschehen im einzelnen beeinflusst, ist bisher noch nicht genau klar. Aber immer neue Untersuchungen lassen erkennen, dass eine gesunde Ernährung gekoppelt mit ausreichender Bewegung und die Gesundheit miteinander in einer engen Beziehung stehen. Inzwischen gibt es Studien, die einer vegetarischen Vollwertkost präventiven Charakter und sogar therapeutischen Nutzen bei zahlreichen Erkrankungen zuordnen.

Inzwischen weiß man so einiges über eine ungesunde Ernährung. So können industriell verarbeitete Lebensmittel - vor allem Fleisch- und Backwaren, weißer Zucker, schlechte Fette und ein Übermaß an Kohlenhydraten zu Entzündungsvorgängen in unserem gesamten Körper führen. Und diese entzündlichen Prozesse sind häufig der Ursprung der Krankheiten, die als Zivilisationskrankheiten bezeichnet werden. Dagegen sagen Ernährungsexperten, dass eine pflanzliche Kost für ein niedrigeres Cholesterin, einen niedrigeren Blutdruck, weniger Herzinfarkte und ein vermindertes Krebsrisiko sorgen kann.

Dass allein der Verzicht auf Fleisch die Gefahr eines Herzinfarktes oder Schlaganfalles vermindert, belegen Zahlen aus den USA. Dort wurden 500.000 Menschen untersucht. Diejenigen mit sehr hohem Fleischverzehr hatten Männer eine um 27% und Frauen um 50% höhere Wahrscheinlichkeit, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, als die, die kaum oder gar kein Fleisch konsumierten. Eine Analyse aus England belegt, dass ein größerer Verzehr von Gemüse, Obst, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Nüssen das Risiko für kardiovaskuläre Erkrankungen um 15 bis 35 Prozent senkt. Der Verzehr von Vollkornprodukten senkt dieses Risiko um etwa 20 %. Bei mehr als 5 Portionen Nüsse pro Woche vermindert sich das Risiko, an Herz-Kreislauf-Krankheiten zu sterben, um etwa 37 %. Ein hoher Verzehr von Sojaprodukten senkt bei Frauen, jedoch nicht bei Männern, das kardiovaskuläre Risiko. In einer weiteren Studie litten 42% der Personen mit nicht vegetarischer Ernährung unter Bluthochdruck, wobei dieser ab einem Wert von 140/90 mm Hg definiert war. In der Gruppe der Vegetarier waren nur 13% von Hypertonie betroffen.

Was den Nutzen der pflanzlichen Ernährung ausmacht, versuchen Mediziner so zu erklären: Sie enthält viel mehr Vitamine, Mineralstoffe, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe. Diese alle zusammen sorgen dafür, dass die Blutgefäße nicht verkalken, Entzündungen nicht entstehen und so das Herz geschont wird. Aus diesem Grunde sei eine vegetarische Ernährung auch geeignet, nicht nur vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu schützen, sondern sie auch als Therapie bei vorhandenen Beeinträchtigungen einzusetzen.

In einer Vergleichsstudie hatten Vegetarier, unabhängig von ihren sonstigen Lebensgewohnheiten, ein um 36% niedrigeres Risiko ein metabolisches Syndrom zu entwickeln. Ein metabolisches Syndrom ist der Ausdruck für das Zusammentreffen verschiedener Krankheitsbilder: starkes Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck, erhöhter Blutzuckerspiegel als Vorstufe zum Diabetes und ein gestörter Fettstoffwechsel.

Vegetarisch und vegan lebende Menschen erkranken im Vergleich zu Nichtvegetarier/innen seltener an Diabetes mellitus Typ 2. So liegt das Risiko bei Veganern bei 2,9%, bei Lakto-Ovo-Vegetariern bei 3,2%, bei Fischessern bei 4,8%, bei Selten-Fleischessern bei 6,1% und bei Fleischessern bei 7,6%.  Der Vegetarierbund Deutschland sieht als Ursachen dafür, dass Menschen, die sich vegetarisch ernähren, im Durchschnitt einen geringeren BMI - also seltener Übergewicht und Adipositas - als Mischköstler/innen haben. Ein hohes Gewicht sei aber ein  wesentlicher Risikofaktor für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes. Weiterhin würden Vegetarier/innen niedrigere Glukose- und Insulinwerte im Nüchternblut sowie eine höhere Insulinempfindlichkeit aufweisen.

Bei der rheumatoiden Arthritis konnte in Studien gezeigt werden, dass der Verzicht auf Fleisch, teilweise mit initialem Fasten, zu einer Symptomlinderung führt. In den Vereinigten Staaten hatten bei einer Testgruppe die Fleischesser ein mehr als doppelt so hohes Risiko, eine Demenzerkrankung zu entwickeln. Und diejenigen, die jahrelang viel Fleisch gegessen hatten,  verzeichneten sogar ein mehr als dreimal so hohes Risiko für die Entwicklung von Demenzzeichen. Eine vegetarische Ernährung mit einem hohen Gehalt an Antioxidantien kann anscheinend das Gehirn vor einem Leistungsverlust schützen. Bei einer Studie an 800 Frauen im Alter von 40 bis 69 Jahren hatten Fleischesserinnen ein mehr als doppelt so hohes Risiko, an einem Gallensteinleiden zu erkranken, als Vegetarierinnen.

Bei der Osteoporose sind die Ergebnisse zwiespältig. Zum einen gibt es Belege, dass Frauen in den Wechseljahren, die viel tierisches Protein und wenig Pflanzeneiweiß verzehrten, eine hohe Rate für Knochenschwund hatten und ein erheblich erhöhtes Risiko für Hüftfrakturen als Vegetarier. Zum anderen lassen einige Studien aber darauf schließen, dass die Knochendichte bei Veganern niedriger als bei Nichtvegetariern liegt.

Berliner Ärzteblatt 14.09.2012/ Quelle: Ärztekongress VegMed (wird von der Charité Hochschulambulanz für Naturheilkunde in Zusammenarbeit mit dem Vegetarierbund Deutschland (VEBU) und der Carstens-Stiftung ausgerichtet)
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