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Die Sonne ist die natürlich Quelle für Vitamin D - zusätzliche Vitaminpillen sind fast immer überflüssig, manchmal sogar schädlich (Foto: Stock photo)
Vitamin D und Kalzium: Ausreichend versorgt

Menschen brauchen Vitamin D und Kalzium, um ihre Knochengesundheit zu erhalten. Auch andere positive gesundheitliche Wirkungen werden Vitamin D unterstellt: Es soll nicht nur ältere Menschen vor einer Osteoporose schützen, sondern auch gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Autoimmunerkrankungen und Brustkrebs helfen. Dazu gesellt sich die – von den Vitamin- und Nahrungsergänzungsherstellern gern gesehene – Meldung, dass die Deutschen mit Vitamin D und Kalzium unterversorgt sind. Doch ob das stimmt, scheint zumindest umstritten. Und ganz so ungefährlich ist die sorglose Einnahme von Pillen mit Vitamin D und Kalzium auch nicht.

Es gibt viele, die den Versorgungsmangel von Vitamin D und Kalzium predigen. So treten Ärzte auf, die behaupten, in Deutschland litten 80 Prozent der Bevölkerung unter Vitamin D-Mangel. Und sie postulieren: „Fehlt es an Vitamin D, leidet nicht nur die Knochengesundheit. Auch das Risiko an Diabetes, Krebs, Depressionen oder multipler Sklerose zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden, steigt.“

Diese Apelle scheinen nicht ungehört zu verhallen. Das Geschäft mit den Vitaminpillen brummt. Vitamine können nie schaden, so die Botschaft. Aber selbst Befürworter von Vitamin-Ergänzungsmitteln zur Prävention, wie der Internist Dr. Friedrich Douwes, ärztlicher Direktor der Klinik St. Georg in Bad Aibling, warnt auf Suite101.de: „Die Gefahr einer Überdosierung ist gering. Selbst Empfehlung von 2.000 IE. gelten noch als sicher. Eine Überdosierung ist zwar selten, aber möglich und nicht ganz ungefährlich.“

Der Frage, ob westliche Menschen ausreichend mit Vitamin D und Kalzium versorgt sind, ist nun das Institute of Medicine (IOM) in den USA auf den Grund gegangen. Die Antwort ist ziemlich eindeutig: Die Mehrheit der US-Amerikaner und Kanadier – und das dürfte damit auch für die Europäer gelten – bekommen genügend Vitamin D und Kalzium. Die meisten Menschen in Nordamerika haben Serumkonzentrationen von 20 ng/ml (oder 50 nmol/l) oder höher, die das IOM als ausreichend einstuft.

Stellt sich die Frage, welche Mengen denn täglich überhaupt notwendig sind, um den Bedarf zu decken. Auch darauf findet sich in der Studie eine Antwort. Das IOM empfiehlt 600 IU (internationale Einheiten) Vitamin D für alle Menschen bis zu einem Alter von 70 Jahren. Wer älter ist, benötigt 800 IU. Bei Kalzium sagt das IOM, dass Kinder im Alter zwischen einem und drei Jahren mit 700 Milligramm pro Tag ausreichend versorgt sind. Kinder im Alter von vier bis acht Jahren reichen 1000 Milligram pro Tag. Diese Menge ist auch für Erwachsene im Alter von 19 bis 50 und für Männer bis zu einem Alter von 71 Jahren die richtige. Heranwachsende im Alter von neun bis 18 Jahren wird ein Bedarf von 1300 Milligramm/Tag zugesprochen. Frauen ab einem Alter von 51 und Männer ab einem Alter über 71 Jahren sollten nicht mehr als 1200 Milligramm am Tag zu sich nehmen.

Diese empfohlenen Werte erscheinen gering, wenn man bedenkt, dass es mittlerweile zumindest in den USA Vitamin D-Tabletten mit einer Dosierung von 5000 IU pro Pille gibt. Ob derartige Vitamin-Hämmer überhaupt sinnvoll sind, dürfte mehr als umstritten sein. Denn schon in anderen Studien wurde nachgewiesen, dass ein Zuviel der Gesundheit bei weitem mehr schadet als nutzt.

Auch der Report des IOM betont die möglicherweise negativen Auswirkungen einer Überdosierung. Er schreibt einer hochdosierten Einnahme von Kalzium das Auftreten von Nierensteinen zu. Allerdings könnte laut Deutsches Ärzteblatt auch das Herz gefährdet sein: „Da Kalzium auch Bestandteil der atherosklerotischen Plaques ist, steht auch ein erhöhtes Herz-Rreislauf-Risiko im Raum.“

Die Folgen von einem Zuviel von Vitamin D werden mit Schädigungen von Nieren und Herz beschrieben. Wobei die Studie darauf hinweist, dass diese Gesundheitsgefahren vor allem auf die kurzzeitige Einnahme von hochdosierten Vitamin D-Präparaten gelte. Ob das gleichermaßen für Langzeiteinnahme gelte, sei bisher noch nicht erwiesen. Es gebe aber Anzeichen, dass das Sterberisiko und das Risiko für chronische Krankheiten steige.

Catharine Ross, Professor für Ernährungswissenschaften an der Pennsylvania State University, die an dem Report mitgearbeitet hat, betont denn auch, dass die Menschen keinesfalls höhere Mengen von Vitamin D und Kalzium, als in dem Bericht angegeben, benötigen. Und sie gibt zu denken: „Fälle wie die Hormon-Ersatz-Therapie und hohe Dosen von Beta-Karotin sollten uns daran erinnern, dass manche Therapien, die vielversprechende Ansätze für die Behandlung oder Prävention von Gesundheitsproblemen versprachen, sich letzten Endes nicht bewahrheiteten oder sogar Schaden verursachten.“

WANC 17.12.2010, Quelle: Dietary Reference Intakes for Calcium and Vitamin D, National Academies

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