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Die Einnahme von Multivitaminen senkt zwar generell das Risiko, an Krebs zu erkanken - doch letztlich ist der Effekt gering (Foto: TK)
Die Einnahme von Multivitaminen senkt zwar generell das Risiko, an Krebs zu erkanken - doch letztlich ist der Effekt gering (Foto: TK)
Multivitamine: Umstrittener Krebsschutz

So unterschiedlich kann man Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien beurteilen. In einer Pressemeldung wird gefeiert: "Multivitaminpräparate könnten Krebsrisiko senken". Das Deutsche Ärzteblatt spricht dagegen von einem "geringen Effekt". Dabei geht es um eine Studie, in der ein möglicher Krebsschutz durch die Einnahme von Multivitaminpillen untersucht wurde. Eindeutig sind die Ergebnisse nicht.

Es kommt eben darauf an, wie man Zahlen liest. Und welche Ergebnisse einer Studie man zur Kenntnis nimmt und darüber auch spricht, oder welche man lieber unter den Tisch fallen lässt und sie auch nicht erwähnt. Aber der Reihe nach. Am Anfang stand eine Studie: die Physicians' Health Study II. Darin wurden 14.641 männliche Ärzte im Durchschnittsalter von 50 Jahren bei Beginn der Studie 1997 bis ins Jahr 2011 beobachtet. Darunter auch 1312 mit einer Krebserkrankung. Während der Beobachtungszeit erkankten 2669 an einem Tumor, davon 1373 an einem Prostata- und 210 an einem Darmkrebs. Zum Ende der Studie waren 2757 Männer gestorben, davon 859 (5,9 Prozent) an Krebs.

Über eines der Ergebnisse freut sich die Pressemeldung: Diejenigen Ärzte, die jeden Tag eine Pille mit einer Kombination aus Vitaminen und Mineralstoffen einnahmen, hatten ein um acht Prozent geringeres Krebsrisiko als die Ärzte, die kein Multivitaminpräparat genommen hatten. Die Bewertung fällt ähnlich positiv aus: Experten hätten betont, dass das "ein beachtlicher Faktor sei".

Stimmt. Auch Dr. Michael Gaziano vom Brigham and Women’s Hospital und der Harvard Medical School, Boston, bewertet die Ergebnisse seiner Studie positiv, auch wenn viel vorsichtiger: "Die Studienergebnisse zeigen das Potential einer Multivitamin-Ergänzung bei der Prävention von Krebserkrankungen bei älteren Männern." Viel kritischer gibt sich das das Deutsche Ärzteblatt: "Die in der Physicians' Health Study II beobachteten Effekte waren aufgrund einer hohen Teilnehmerzahl der Studie signifikant, das Ausmaß war allerdings denkbar gering."

Was damit gemeint ist? Tatsächlich sank in der Studie durch die Einnahme der Multivitamine das Risiko an einer Krebserkrankung. Doch bei einem zweiten Blick auf die Daten relativiert sich das. Denn bei bestimmten Krebsarten änderten die Multivitamine überhaupt nichts am Erkrankungsrisiko: nämlich beim Prostata- und beim Darmkrebs. Und auch beim Risiko, an Krebs zu versterben, bewirkte die Multivitamineinnahme gar nichts. Deshalb bewertet das Deutsche Ärzteblatt den Effekt von Multivitaminen auch nicht positiv, weil die Anzahl der Neuerkrankung gerechnet auf 1000 Personen-Lebensjahre nur um 1 Promille sinke.

Im übrigen: Die Auswertung der Multivitamine ist nur eines von mehreren Ergebnissen aus der Studie. Darin hatte man nämlich nicht nur die Einnahme von Multivitaminen erfasst, sondern auch alle möglichen Kombinationen von Vitamin C (500 mg Ascorbinsäure), Vitamin E (400 IU Alpha-Tocopherol) und Beta-Carotin (50 mg). Die 2003 ausgewerteten Daten zeigten keinen Erfolg von Beta-Carotin, ebenso wenig positiv fiel die Auswertung von Vitamin C und E im Jahr 2009 aus. Weder eines der Vitamine noch Beta-Carotin konnten eine krebsverhindernde Wirkung nachweisen. In anderen Studien führte die Einnahme von Vitaminpräparaten sogar zu einer Erhöhung der Krebserkrankungen.

Berliner Ärzteblatt 19.10.2012/ Quelle: JAMA. 2012;():1-10. doi:10.1001/jama.2012.14641

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