Diät
Essen + Trinken
Tipps
Vitalstoffe
 
 

Manchmal findet sich in Nahrungsergänzungspillen nicht das, was darauf steht - und manchmal steht nicht alles darauf, was drin ist  (Foto: Stock photo)
Manchmal findet sich in Nahrungsergänzungspillen nicht das, was darauf steht - und manchmal steht nicht alles darauf, was drin ist (Foto: Stock photo)
Nahrungsergänzungsmittel: Ist auch darin, was darauf steht?

Nahrungsergänzungsmittel sollen uns mit Stoffen versorgen, von denen wir angeblich nicht genug über die "normale" Nahrung zu uns nehmen: Vitamine, Spurenelemente, pflanzliche Stoffe. Viele dieser Supplemente kommen - anders als Arzneimittel - ungeprüft in die Regale von Drogerien, Supermärkten und Lebensmittelgeschäften. Am Nutzen dieser Mittel wird zunehmend gezweifelt, aber auch Fragezeichen an deren Qualität mehren sich.

Prof. Michael Heinrich, UCL School of Pharmacy, hat vom englischen Fernsehsender BBC einen Auftrag erhalten. Er sollte heraus finden, was es mit der Qualität von mehr als 70 häufig verwendeten Gesundheitsprodukten mit pflanzlichen Bestandteilen z.B. aus Ginkgo, Mariendistel und Nachtkerze auf sich hat. Darüber hat er jetzt ein Buch veröffentlicht.

Bei seinen Untersuchungen spürte Heinrich gravierende Mängel auf. In einigen Produkten fanden sich anstelle der deklarierten Pflanzenstoffe chemische Ersatzstoffe. Nur bei einem Teil der pflanzlichen Nahrungsergänzungsmittel entsprach der Inhalt den Angaben auf der Packung, bei den pflanzlichen - also registrierten - Arzneimitteln war immer drin, was auch darauf stand. So enthielten 40% der Gingko-Präparate entweder gar kein Gingko oder wesentlich weniger als angegeben. In 36% der Produkte, die Mariendistel enthalten sollten, wurde keine Spur von der Pflanze gefunden, die die Leber schützen und entgiften sowie die Galle anregen soll.

Das nicht immer auch das drin ist, was darauf steht, belegen einige Untersuchungen. Stiftung Warentest hat 2011 zehn Algenpräparate getestet (Test 02/2011). Doch neben Spuren der Süßwasser­alge Aphanizomenon flos-aquae (Afa) - als „das vital­stoff­reichste Lebens­mittel der Welt“ angepriesen - finden sich giftige Microcystine. Diese können Leber, Niere und Gehirn schädigen. Die Welt­gesund­heits­organisation WHO bezeichnet sie sogar als möglicher­weise krebs­er­regend.

Öko-Test (Februar 2012) hat Multivitaminpräparate untersucht. Und stellt über die Angabe des Inhaltes fest: "Dort werden in einigen Fällen Inhaltsstoffe ausgelobt, die nur in sehr geringer Menge enthalten sind. Calcium, Magnesium, Kalium oder Chlorid machen in einigen Fällen nicht einmal 15 Prozent der Menge aus, die in der Nährwert-Kennzeichnungsverordnung als erheblich bezeichnet werden."

Die Lebensmittelaufsicht in den USA hat pflanzliche Nahrungsergänzungsmittel testen lassen. Bei 79% der Produkte  fand die Behörde drinnen nicht, was draufstand. Oder es stand nicht alles drauf, was drin war. Nur bei 4% der in den Regalen der größten Apothekenkette der USA gefundenen Supplemente stimmte die Inhaltsbeschreibung auf den Packungen. 

Das Verbraucherschutzministerium von NRW hat 632 Nahrungsergänzungsmittel unter die Lupe genommen. Bei 32% hatten die Prüfer Beanstandungen, wie einen Verstoß gegen die Kennzeichnungspflichten. Der Deutschlandfunk widmete sich am 11.6.2015 Nahrungsergänzungsmitteln und besonders Präparaten mit Vitalpilzen. Und kommt zu dem Ergebnis, dass "in den meisten Fällen eine Wirksamkeit nicht bewiesen" ist,  "oft sind nicht einmal die Inhaltsstoffe der Mittel transparent".

Heinrich hat die Testergebnisse inzwischen der englischen Lebensmittelüberwachungsbehörde FSA - Food Standards Agency übergeben. Und die ermittelt nun gegen die Hersteller wegen Verstoßes gegen Verbraucherrechte und Irreführung.

22.10.2015/ Quelle: Wiley-Blackwell, BBC 

Vitaminpräparate: Kein Vorteil für die Gesundheit

Vitaminpillen: Mehr Schaden als Nutzen

Vitamine: Wie gesund sind sie wirklich in konzentrierter Form?

Kalzium: Im Übermaß gefährlich

Beta-Carotin: In hohen Dosen schädlich

Ältere Menschen: Übertriebener Mix von Vitaminen und Mineralstoffen

 
Seite versenden  
Seite drucken