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An einem schönen Sonnentag können über die Haut bis zu 20.000 IE Vitamin D entstehen (40 IE entsprechen 1 Mikrogramm Vitamin D3), Foto: Stock photo
An einem schönen Sonnentag können über die Haut bis zu 20.000 IE Vitamin D entstehen (40 IE entsprechen 1 Mikrogramm Vitamin D3), Foto: Stock photo
Vitamin D-Mangel: Warum die Nahrungsergänzung nichts nützt

Die Horrorszenarien eine Mangels an Vitamin D werden von vielen gerne und ausführlich beschrieben. Wer nicht genügend Vitamin D im Körper hat, der soll - oh Schreck, oh Graus - vermehrt unter einer Abwehrschwäche des Immunsystems, Asthma, Bluthochdruck, entzündlichen Darmerkrankungen, Typ-2-Diabetes, Karies, rheumatoider Arthritis, Krebs und Haarausfall leiden. Aber natürlich stehen Nahrungsergänzungsmittel bereit, die den Vitamin D-Spiegel in angenehme und sichere Bereiche transportieren. Doch jetzt kommen Zweifel an dieser Version von Ursache und Wirkung auf.

Vitamin D ist im eigentlichen Sinne kein Vitamin oder eine Gruppe fettlöslicher Vitamine, sondern ein Hormon oder besser der Vorläufer von Hormonen. Vitamin D hat etwas mit dem Kalziumgehalt des Körpers und dem Stoffwechsel der Knochen (Knochendichte) zu tun. Als angemessen mit Vitamin D versorgt gilt man, wenn die Konzentration im Blut bei mindestens 50 nmol/l (Nanomol pro Liter) liegt oder nicht unter 30 ng/ml (Nanogramm por Milliliter). Allerdings: Ganz einig sind sich die Experten da nicht. Pro Tag soll der Körper zwischen 10 und 20 Mikrogramm (zwischen 400 und 800 IE) Vitamin D erhalten. Die genaue Menge hängt vom Alter ab.

Der Körper bildet dieses Vitamin selbst und zwar in Leber und Niere, benötigt dazu aber entweder Sonne, die er über die Haut aufnimmt, oder bestimmte - fettreiche - Lebensmittel, wie Hering, Makrele, Lachs, Thunfisch, Rotbarsch, Leber, Eigelb, Butter, Sahne, Champignons, Steinpilze und Pfifferlinge. Ernährungsexperten sagen, dass über die Nahrung bis zu 20 Prozent des täglichen Bedarfs gedeckt werden können.

In Studien wurden insgesamt 2805 Patienten untersucht, bei denen zu Beginn der Vitamin D-Spiegel unter 20 ng/ml/50 nmol/L lag. Diese Personen erhielten 2000 IE / 50 Mikrogramm Vitamin D pro Tag als Nahrungsergänzung. Einen gesundheitsfördernden Effekt konnten die Wissenschafter aber nicht finden. Eine hohe Vitamin D-Konzentration im Blut war nicht mit dem verringerten Auftreten bestimmter Erkrankungen verbunden, eine Supplementierung von Vitamin D senkte nicht das Risiko, an einer der chronischen Krankheiten zu leiden. Sie verringerte auch nicht das Krebsrisiko, wobei bei einer hohen Konzentration von Vitamin D im Blut etwas weniger häufig kolorektalem Krebs auftrat.

In einer gesonderten Analyse der Vitamin D-Konzentration bei Diabetes wurde der HbA1c-Wert durch Vitamin D-Gabe nicht gesenkt. Bei älteren Menschen, meist Frauen, zeigte sich unter 800 IE/20 Mikrogramm Vitamin D pro Tag eine leicht verminderte Gesamtmortalität.

Was lässt sich daraus schließen? Die Wissenschaftler sagen, dass niedrige Vitamin D-Spiegel wahrscheinlich die Folge und nicht die Ursache einer Vielzahl von Erkrankungen sind. Ein niedriges 25(OH)-Vitamin D ist demnach ein Marker - also ein Hinweis auf - und nicht Ursache von Erkrankungen. Sie gehen davon aus, dass niedrige Vitamin D–Spiegel bei vielen Erkrankungen als Folge krankheitsbedingter Entzündungsprozesse sind. Deshalb raten sie - zumindest - zur Zeit von einer Vitamin D–Supplementierung bei niedrigen Spiegeln dieses Hormons ab und weisen auf 5 laufende Studien mit 2150 bis 20 000 Patienten (mit einem Alter über 50 Jahre) hin, die nicht vor 2017 erste Resultate liefern werden.

Berliner Ärzteblatt 16.12.2013/ Quelle: The Lancet Diabetes & Endocrinology

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