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Vitamin E: Das 1000 Tage Fenster

Nehmen wir genügend Vitamin E zu uns, um gesund zu bleiben? Muss man Vitamin E mittels Pillen zusätzlich zuführen? Weil diese Fragen in der Vergangenheit oft und schnell mit Ja beantwortet wurden, verkaufen Pharmaunternehmen Vitamine und andere sogenannte Nahrungsergänzungsmittel im Wert von rund 900 Mio. Euro pro Jahr - nur in Deutschland versteht sich. Doch über den gesundheitlichen Mehrwert insbesondere von extra zugeführten Vitaminen gibt es mittlerweile viele Zweifel. Das ist auch bei Vitamin E nicht anders. Eine neue Studie sagt nun, dass die ausreichende Versorgung mit Vitamin E vor allem in den ersten 1000 Tagen des Lebens sowie in der Schwangerschaft entscheidend sind.

Maret Traber ist Professorin an der Oregon State University und beschäftigt sich ausgiebig mit Vitamin E. Sie berichtet, dass die meisten Menschen nicht an einen Vitamin E-Mangel glauben. Aber das stimme einfach nicht: "90% der Männer und 96% der Frauen konsumieren nicht die täglich empfohlene Menge von 15 Milligramm am Tag."

Doch schon mit dieser Meinung beginnen die Probleme. Obwohl sich die Aussage auf die US-amerikanische Bevölkerung bezieht, wird sie auch in unseren Landen immer wieder und gerne vorgebracht. Ernährungsexperten in Deutschland dagegen sagen, dass ein Vitamin-E-Mangel bei ausgewogener Ernährung nur selten vorkommt. Das ist irgendwie auch erklärlich. Denn die 12 bis 14 Milligramm, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) als Tagesdosis Vitamin E empfiehlt, schafft man schon durch den Verzehr von 5 Milliliter Weizenkeimöl, 30 Milliliter Olivenöl, 50 Gramm Haselnüssen oder 70 Gramm Margarine.

Außerdem stellen mittlerweile viele Studien den Nutzen einer hohen Vitamin-E-Dosierung in Frage. So ist sehr umstritten, ob die Einnahme von hoch dosierten Vitamin-E-Präparaten Herzkrankheiten und Herzinfarkt, Krebs oder Alzheimer vorbeugen kann. Im Gegenteil: Es gibt sogar einige Hinweise, dass Vitamin- E-Zusätze gesundheitsschädlich sein können. Die John Hopkins Universität, Baltimore, hat Auswertungen vorgelegt, die zu dem Ergebnis kommen, dass hohe Dosen Vitamin E die Gesamtsterblichkeit erhöhen. Gutachter angesehener wissenschaftlicher Institute kommen zu dem Schluss, dass Vitaminsupplemente zu nehmen, absolut keinen Nutzen hat. Ausnahmen können eventuell alte Menschen und chronisch Kranke sein.

Traber betont nun, dass es vor allem darum gehe, die Vitamin-E-Versorgung während der Schwangerschaft und den ersten 1000 Tagen des Lebens eines Menschen sicher zu stellen. Sie verweist auf den Zusammenhang zwischen Vitamin-E-Mangel in dieser Zeit und erhöhter Infektionsgefahr, Blutarmut, geringem Wachstum, neurologischen Erkrankungen, Muskelschwund, Kardiomyopathie (Erkrankungen des Herzmuskels), geringere Gehirnmasse und eingeschränkte kognitive Funktionen. Warnt Taber: "Vitamin E ist entscheidend für die neurologische Entwicklung und die Entwicklung des Gehirns. Und das kann nur in dieser Zeit gewährleistet werden, man kann sich das nicht für später aufheben."

Berliner Ärzteblatt 15.09.2014/ Quelle: Adv. Nutr.

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