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Verursachen Hochdruckmedikamente wirklich Potenzstörungen?

Wenn Männer unter Problemen mit ihrer Potenz leiden, dann ist schnell ein Schuldiger gefunden. Insbesondere wenn diese Männer auch unter Bluthochdruck leiden. Medikamente gegen Hypertonie werden gerne und bevorzugt dafür verantwortlich gemacht, wenn es mit der Erektion nicht mehr so richtig klappt. Doch ob dieser Vorwurf tatsächlich stimmt, ist mehr als fraglich.

Diese traurige Tatsache stimmt: Viele Männer mit Bluthochdruck leiden unter einer erektilen Dysfunktion. Das bestätigt die Deutschen Hochdruckliga (DHL). Und weil die sich daraus ergebende Gleichung so schön einfach ist, wird sie auch von vielen - z.B. von der Website Bluthochdruck - nein Danke, Aktion gegen Bluthochdruck, auf der sich allerdings kein Impressum findet, man also nicht erfahren kann, wer den Inhalt verantwortet -  erbreitet: „In Zusammenwirkung mit den häufig eingesetzten Beta-Blockern bewirken Diuretika aus vielerlei Hinsicht eine Verschlechterung der Potenz, sodass eine Erektion nicht mehr möglich wird… Viele der Medikamente wirken sich negativ auf die Potenz aus, werden aber trotzdem verabreicht, da sie zum Standard gehören. Die Potenzstörung ergibt sich aus drei Ursachen, die durch die Medikamente bedingt sind. Zunächst wirken die üblicherweise eingesetzten Medikamente auf das Gehirn allgemein dämpfend, was bereits zu einer leichten Potenzstörung führen kann. Eine weitere Nebenwirkung der Präparate besteht darin, dass sie den Testosteronspiegel und die intrazellulären Zinkspeicher senkt und verringert, wodurch sich eine Erektion kaum noch einstellen kann. Weiterhin können sie dazu führen, dass die glatte Muskulatur des Schwellkörpers kontrahiert, wodurch eine Erektion ebenfalls nicht eintreten kann.“
 
Dass viele Patienten Hochdruckmedikamente für ihre nachlassende Erektionsfähigkeit verantwortlich machen, hat sich auch bis zur DHL herum gesprochen. Die Organisation bestätigt auch, dass es tatsächlich gab es in der Vergangenheit Berichte gab, nach denen einige Wirkstoffe die Potenz vermindern. „Im Verdacht standen vor allem Betablocker und Diuretika, aber auch für Kalziumantagonisten, ACE-Hemmer und AT1-Blocker gab es Hinweise“, weiß Prof. Dr. Bernhard Krämer von der Universitätsmedizin Mannheim. Selbst die DHL hatte auf ihren Internetseiten auf die Problematik hingewiesen.

Inzwischen gibt es jedoch neue Erkenntnisse. Potenzprobleme werden, sagt die DHL, anders als häufig angenommen, im Allgemeinen nicht durch die Medikamente ausgelöst. Potenzstörungen seien eher die Folge weiterer Gesundheitsstörungen, zu denen bei vielen betroffenen Männern nicht nur der Bluthochdruck gehöre. „Wir sind heute zuversichtlich, dass zumindest die Mehrzahl der Hochdruckmedikamente die männliche Potenz nicht gefährden“, beruhigt Krämer. Zu der gleichen Einschätzung gelangt die Analyse einer Studie, die die Wirksamkeit von zwei Blutdruckmedikamenten (dem AT1-Blocker Candesartan und dem Diuretikum Hydrochlorothiazid) sowie einem Cholesterinsenker (Rosuvastatin) bei mehr als 12.000 Menschen untersucht hat. Die Patienten hatten neben einem erhöhten Blutdruck noch weitere Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das konnten neben einem erhöhten Cholesterin ein gestörter Blutzuckerstoffwechsel, Übergewicht und/oder Rauchen sein.
 
„Die Studie spiegelt gut wieder, was Ärzte alltäglich in der Praxis sehen“, sagt Professor Krämer, „Bei den meisten der Patienten ist nicht nur der Blutdruck zu hoch, sondern auch Blutfette, Blutzucker und Körpergewicht.“ Eine weitere Komponente dieses sogenannten metabolischen Syndroms kann bei Männern eine erektile Dysfunktion sein.
 
Die Daten von 2153 männlichen Teilnehmern der Studie, die zu Beginn der Studie durchschnittlich 61,5 Jahre alt waren und wovon 58% eine erektile Dysfunktion aufwiesen, wurden gesondert ausgewertet. Weder unter der Behandlung mit den Hochdruckmedikamenten noch mit dem Cholesterinsenker kam es häufiger zum Auftreten einer neuen erektilen Dysfunktion als in den Vergleichsgruppen, in denen die Patienten nur Placebos (Scheinmedikamente) erhalten hatten. Dass Hochdruckmedikamente im Allgemeinen keine Potenzstörungen auslösen, treffe insbesondere für die hier untersuchte Kombination AT1-Blocker/Thiaziddiuretikum zu, aber aufgrund früherer Untersuchungen wohl auch für ACE-Hemmer, andere AT1-Blocker und Kalziumantagonisten zu. Ohne negative Effekte scheinen nach Ansicht der DHL auch selektive Betablocker und der gefäßerweiternde Betablocker Nebivolol zu sein.
 
Allerdings hätten die Medikamente das Neuauftreten einer erektilen Dysfunktion auch nicht verhindert. Prof. Dr. Peter Trenkwalder, Chefarzt der Medizinischen Klinik Klinikum Starnberg, zeigt sich ein wenig enttäuscht: „Wir hatten natürlich gehofft, dass eine Normalisierung von Blutdruck und Cholesterin die Patienten genauso vor einer erektilen Dysfunktion bewahrt, wie sie vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützt.“ Dass diese Medikamente auch keine Wunderdinge verrichten können, betonen verschiedene Ärzte. Das sei vor allem dann der Fall, wenn ein lange Zeit unbehandelter hoher Blutdruck bereits Gefäßveränderungen und -schädigungen verursacht hätte. Andere Studien machen sogar Hoffnung: Eine in den USA durchgeführte Untersuchung lässt den Schluß zu, dass die Behandlung des Bluthochdrucks gegebenenfalls sogar die Impotenz heilen kann.

12.3.2018 cs / Quelle: Canadian Journal of Cardiology 2018

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