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Verlust der Fruchtbarkeit? Mediziner beobachten Abnahme der Spermienqualität (Foto: wilhei / pixelio.de)
Verlust der Fruchtbarkeit? Mediziner beobachten Abnahme der Spermienqualität (Foto: wilhei / pixelio.de)
Mediziner schlagen Alarm: Zeugungsfähigkeit der Männer sinkt

Dem angesehenen Medizinfachblatt British Medical Journal (BMJ) war es ein Editorial wert: „Beunruhigender Trend in der Fortpflanzungsfähigkeit der Männer fordert dringendes Handeln.“ Worum es geht? Eine kürzlich erschienene Studie belegt, dass die Spermienqualität insbesondere bei Männern in westlichen Ländern dramatisch abnimmt.

Wissenschaftler aus Israel, den USA, Dänemark, Brasilien und Spanien haben Daten von 185 Studien mit 42.935 Männern aus den Ländern Nord Amerika, Europa, Australien und Neuseeland ausgewertet. Darin waren die Spermienkonzentration und die Spermienzahl in den Jahren 1981 bis 2013 erfasst worden. Das Ergebnis finden die Wissenschaftler alarmierend.

Denn seit 1973 sinke die Spermienkonzentration beim Samenerguss beständig. Und zwar um jährlich etwa 1,4%. Das bedeutet eine Abnahme der Spermienkonzentration um 52,4% in einem Zeitraum von annähernd 40 Jahren. Einher damit gehe auch die Abnahme der Spermienzahl. Und zwar um sogar 1,6% jährlich, was in der Beobachtungszeit zwischen 1973 und 2011 insgesamt 59,3% bedeutet. Die Wissenschaftler nennen das „significant decline“, was so viel wie erheblicher Rückgang bedeutet.

Anhaltspunkte für eine derartige Entwicklung gibt es seit Jahren. Dass das ein Anlass ist, sich Sorge zu machen, meint das Editorial im BMJ. Dazu führt es einige Punkte an. So würde gleichzeitig mit der abnehmenden Spermienqualität die Zahl der Hodenkrebs-Erkrankungen zunehmen, sie habe sich in den letzten Jahrzehnten fast verdoppelt. Betroffen sind davon insbesondere junge Männer. Außerdem würden immer mehr Kinder erst nach Fertilitätsbehandlungen geboren werden. Und außerdem sei die Geburtenrate in westlichen Ländern, darunter auch in Deutschland, auf 1 bis 1,5 Kinder pro Frau gesunken.

Eine endgültige Erklärung für den Verlust der Spermienqualität können die Wissenschaftler nicht liefern. Allerdings nehmen sie an, dass der moderne Lebensstil unseren Körper chemischen Substanzen, beispielsweise Pestiziden, aussetzt, die das Hormonsystem negativ beeinflussen. Es lassen sich aber auch andere Faktoren finden: Rauchen, das Handy in der Hosentasche, Übergewicht, muskelaufbauende Hormone, Schmerzmittel mit Aspirin (Acetylsalicylsäure).

Dass kein Anlass zu Panik besteht, meint Stefan Schlatt, Direktor des Centrums für Reproduk­tions­medizin und Andrologie an der Universität Münster. Im Deutschen Ärzteblatt gibt er zu Protokoll, dass Männer in den westlichen Ländern mit „immer noch rund 47 Millionen Spermien je Milliliter Ejakulat“ sehr fertil seien. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kategorisiere Unfruchtbarkeit beim Mann ab einer Spermienzahl von 39 Mio. pro Ejakulat oder einer Konzentration von 15 Mio. Spermien je Milliliter Ejakulat. Dennoch gibt Schaltet im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt auch zu: „In den westlichen Industrie­nationen passiert irgend etwas, was dazu führt, dass dieses sensible Organ, die Hoden, schlechter Spermien produzieren lässt.“

9.10.2017 cs/ Quelle: Hum Reprod Update, BMJ

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