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DIE Pille - zum ersten Mal zugelassen in den 1960er-Jahren - zählt mittlerweile zu den am häufigsten benutzten Verhütungsmitteln  (Foto: Bayer HealthCare AG)
DIE Pille - zum ersten Mal zugelassen in den 1960er-Jahren - zählt mittlerweile zu den am häufigsten benutzten Verhütungsmitteln (Foto: Bayer HealthCare AG)
Orale Verhütungsmittel: Erhöhtes Thromboserisiko

Dass die Antibabypille kein Smartie ist, das dürfte eigentlich jedem klar sein. Und eigentlich müsste auch klar sein, dass die Einnahme von Sexualhormonen - in der Pille sind es Östrogen und Gestagen - eine Vielzahl von Nebenwirkungen hervor rufen können. Denn sie wirken nicht allein auf die Fortpflanzungsorgane, sondern greifen in viele Organ- und Stoffwechselfunktionen ein. Der von der TK-Technikerkrankenkasse vorgelegte Pillenreport klagt nun die Pillen der 3. und 4. Generation an, weil sie das Risiko für eine Thrombose stark steigen lassen sollen. 

Prof. Gerd Glaeske, Arzneimittelexperte an der Universität Bremen, lässt in der Sendung Stern TV vom 28.10.2015. keinen Zweifel aufkommen. Für ihn sind die neueren Antibabypillen auch die risikoreicheren Antibabypillen. Und er warnt: "Viele Frauen sind in Gefahr und können das eigentlich selber nicht wissen." 

Der TK-Pillenreport, den Glaeske mit heraus gibt, warnt ausdrücklich vor hormonellen Verhütungsmitteln der 3. und 4. Generation. Dabei geht es darum, dass in diesen Pillen zwar geringere Konzentrationen der Hormone enthalten sind. Außerdem werden verschiedene, weiterentwickelte Gestagene (z.B. Desogestrel, Gestoden, Drospirenon, Dienogest, Chlormadinon)eingesetzt. Diese sollen die Verträglichkeit erhöhen und die Risiken vermindern. Doch der Report bemängelt, dass die neuen Gestagene das Risiko für Thrombosen um das 1,5- bis 2-Fache steigen lassen. Schuld, dass dennoch überwiegend die neuen Präparate verschrieben werden, hat nach Ansicht des Reports die Pharmaindustrie, weil "neue Arzneimittel zu höheren Preisen vermarktet werden können". 

Eine kürzlich erschienene Studie, die den Zusammenhang verschiedener kombinierter oraler Verhütungsmittel und dem Auftreten von Thrombosen untersucht, findet heraus, dass grundsätzlich alle oralen Kontrazeptiva das Risiko für eine derartige Erkrankung erhöhen. Bei Pillen der 2. Generation mit dem Gestagen Levonorgestrel liegt es beim 2,38-Fachen, mit Norethisteron beim 2,56 und bei Norgestimat beim 2,53-Fachen. Für Pillen der 3. und 4. Generation kommt die Studie zu unterschiedlichen Werten, abhängig vom eingesetzten Gestagen: bei Desogestrel ist es das durchschnittlich 4,27-Fache, bei Gestoden  das 3,64-Fache, bei Drospirenon das 4,12-Fache und bei Cyproteronacetat das 4,27-Fache. 

Interessant, was die Studie zur Häufigkeit des Auftretens von Blutgerinnseln sagt, die durch die Einnahme verschiedener Pillen entstehen. Bei Levonorgestrel und Norgestimat sind es 6 pro 10.000 Frauen im Jahr. Bei Desogestrel und Cyproteronacetat lag die Zahl bei jeweils 14 Fällen pro 10.000 Frauen im Jahr.

Die Studie zeigte auch deutlich, dass es Faktoren gibt, die die Gefahr für einen Venenthrombose deutlich beeinflussen. So sind jüngere Frauen (15-24 Jahre) weniger häufig betroffen als ältere (25-49 Jahre). Riskanter wurde die Einnahme der Pille darüber hinaus für Frauen, die rauchen und Übergewicht haben. Bei einem BMI über 30 soll sich das Risiko für einen Venenverschluß um das 7-Fache erhöhen, Rauchen um das 8-Fache.

Dr. Sabine Segerer, Fachärztin für Fauenheilkunde und Geburtshilfe, weißt darauf hin (Beitrag in Baby und Familie: "Wie gefährlich ist die Pille?"), dass die Thrombosegefahr insbesondere bei jungen, gesunden Frauen durch die Pille nicht sehr hoch sei. Natürliche Hormonveränderungen würden das Thrombose-Risiko oft stärker ansteigen lassen. In einer Studie traten in der Schwangerschaft zum Beispiel 29 Fälle pro 10.000 Frauen auf. 

Im übrigen: Auch die Pillen der 2. Generation, die vom TK-Pillenreport als Mittel der Wahl gelobt werden, sind nicht frei von Nebenwirkungen, betont Dr. Christian Allbring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Bei manchen Frauen verstärke sich Akne, es komme zu Haarausfall oder die Körperbehaarung nehme zu. Außerdem würden einige Frauen über Zwischenblutungen oder dauerhafte Menstruationsbeschwerden klagen. Dass die neuen Pillen deshalb verschrieben würden, kann Allbring ganz einfach erklären: Viele Frauen würden sie einfach besser vertragen.

29.10.2015/ Quelle: TK-Pillenreport; BMJ

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