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Pflegebedürftigkeit soll sich zukünftig danach einschätzen lassen, wie hoch der Grad der Selbständigkeit bzw. der Verlust davon ist (Foto: AOK)
Pflege: Bedürftigkeit neu geregelt

Pflegebedürftigkeit soll sich künftig auf den Grad der Selbstständigkeit bzw. den Verlust von Selbstständigkeit beziehen und mehr differenzieren. Doch mehr Geld stellt die Pflegeversicherung deshalb nicht zur Verfügung.

Der Beirat zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs hat einen Bericht erstellt. In diesem wird eine neue Definition des geltende Pflegebedürftigkeitsbegriff vorgeschlagen. Dazu stellt der vorgelegte Bericht fest, dass die bisherige Auslegung den pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen nicht gerecht wird. So werde der Begriff zu eng ausgelegt und beziehe ausschließlich auf den Hilfebedarf bei Alltagsverrichtungen. Außerdem komme der Faktor Zeit als Bemessungsgröße für das Ausmaß der im Einzelfall benötigten Hilfen nach pflegewissenschaftlichen Erkenntnissen zu kurz. Der Beirat bemängelt auch, dass Pflegebedürftigkeit ungleich bewertet werde. Vor allem geistig und psychisch kranke Menschen würden benachteiligt.

Der Beirat hält einen Begriff der Pflegebedürftigkeit für erforderlich, der alle körperlichen und geistigen bzw. psychischen Einschränkungen und Störungen umfasst, sowie ein Bewertungssystem, das Lebens- und Bedarfslagen hilfe- und pflegebedürftiger Menschen flexibel erfasst und einen hohen Grad an Unterschiedlichkeit gewährleistet, aber auch Transparenz und Akzeptanz für die Betroffenen sicherstellt. Die Forderung: „Anstelle des zeitlichen Pflegeaufwandes sowie der Häufigkeit bzw. des Rhythmus' von Hilfeleistungen ist allein auf den Grad der Selbstständigkeit bzw. den Verlust von Selbstständigkeit bei der Durchführung von Aktivitäten abzustellen. Gleiches gilt bei der Gestaltung von Lebensbereichen.“ Auch deshalb soll es künftig statt der der bisherigen drei nunmehr fünf Pflegestufen geben.

Der Beiratsvorsitzende Dr. h.c. Jürgen Gohde betonte, dass dies „zu mehr Gerechtigkeit in der Berücksichtigung der Beeinträchtigungen von Menschen“ führe. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt begrüßte die vorgeschlagenen Veränderungen: „Eine neue Definition der Pflegebedürftigkeit ist Voraussetzung für eine bessere Teilhabe pflegebedürftiger Menschen. ... Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff wird den tatsächlichen Hilfebedarf des Einzelnen besser abbilden. Die oft kritisierte ‚Minutenpflege’ muss der Vergangenheit angehören. Das neue Konzept fragt: Wie stark ist die selbstständige Lebensführung eingeschränkt? Das kommt vor allem altersverwirrten Menschen zugute.”

Auch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft und auch der bpa - priv. Anbieter sozialer Dienste unterstützen die mögliche Neuregelung. Doch zuvorderst bedeutet die nur, dass die Zahl derer, die eine Pflegestufe erhalten, zunehmen wird. Das würde auch eine Erhöhung des zur Verfügung stehenden Leistungsvolumens der Pflegeversicherung verlangen. Aber dem ist nicht so. Die Folge: Mehr Anspruch steht gleiches Geld gegenüber – also wird die Leistung pro Fall geringer. Damit hat sich an dem ursächlichen Problem in der Pflegeversicherung kaum etwas geändert.

WANC 02.02.09, Quelle: Bericht des Beirats zur Überprüfung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs

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Stichwort: Pflegeversicherung

 
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