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Geben Ärzte ihre Fehler zu, fördert das das Vertrauen der Patienten
Ärzte: Fehler zugeben

Jeder kann Fehler machen. Auch der Arzt. Nur gegenüber dem Patienten eingestehen sollte er sie. Das erwarten jedenfalls die Patienten von ihren Ärzten.

"Die allermeisten medizinischen Fehler sind keine Fehler von Einzelnen", sagt Dr. David Schwappach vom Lehrstuhl für Gesundheitspolitik der Universität Witten/Herdecke (UWH). Fehler entstünden meist durch eine komplexe Verkettung von Ursachen. Beispiele hierfür sind Überlastung und mangelnde Abstimmung auf Seiten der medizinisch Handelnden sowie unzureichende Kommunikation mit den Patienten.

Die Folgen können gleichwohl dramatisch sein. Allein in den USA sterben schätzungsweise bis zu 100.000 Menschen pro Jahr an den Folgen von medizinischen Fehlern. Etwa drei bis vier Prozent der Kosten des US-Gesundheitssystems resultieren aus Behandlungsfehlern, etwa wenn ein Patient mehrmals operiert werden muss. Für die Bundesrepublik liegen keine entsprechenden Untersuchungen vor. Schwappach: "Es ist aber nicht anzunehmen, dass die Fehlerquote hier niedriger ist."

Über die Internetplattform "GesundheitsPanel.de" hat Schwappach erforscht, welches Verhalten von Ärzten nach einem Fehler erwartet wird. Viele Befragte bewerteten eine ehrliche Offenlegung als vertrauensbildend und zeigten sich für diesen Fall bereit, die Beziehung zum Arzt zu festigen und auf Konsequenzen zu verzichten.

Wenn deutsche Mediziner Fehler nicht eingestünden, so Schwappach, liege das nicht unbedingt an ihrer mangelnden Bereitschaft zur Offenheit, sondern am deutschen Recht und seinem polarisierenden "Schuldsystem". Zu einem Prozess muss es aber vielleicht gar nicht erst kommen. Laut US-amerikanischen Untersuchungen führt ein offenerer Umgang mit Fehlern zu signifikant weniger Klagen. Um die Quellen falscher Behandlungen besser zu identifizieren, plädiert Schwappach für ein umfangreiches Fehlererfassungssystem.

Fehler sind menschlich – aber Ehrlichkeit muss sein!
Die Umfrage im Internet zeigt sich ein drastisches Bild: 75% der Befragten haben kein Vetrauen, dass im deutschen Gesundheitssystem ausreichend Aktivitäten zur Vermeidung von Fehlern unternommen werden. Und in dieser Einschätzung unterscheiden sich Bürger und Mitarbeiter im Gesundheitssystem nicht. Auch in der eigenen Gesundheitsversorgung spielt die Angst vor Fehlern eine Rolle: 16% der Befragten belasten häufig Befürchtungen, dass es in ihrer Behandlung zu Fehlern kommen könnte häufig, weitere 60% der Befragten gelegentlich, z.B. in einer konkreten Behandlungssituation. Über die Hälfte der Befragten vermutet auch, dass das Risiko für medizinische Fehler in den letzten 10 Jahren gestiegen ist.

WANC 12.05.04

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