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Die meisten Behandlungsfehler geschehen im Krankenhaus und bei chirurgischen Eingriffen (Foto: Stock photo)
Behandlungsfehler: Mehr Klagen über Ärztepfusch

Das Thema ärztliche Behandlungsfehler ist eines der Irrungen und Wirrungen, des Verschweigens und Vertuschens, des Verneinens und Verzögerns. Immerhin dokumentiert die Bundesärztekammer inzwischen jährlich die – steigende - Zahl der von ihr bearbeiteten ärztlichen Behandlungsfehler. Doch das zeigt nur einen Teil des Problems. So hat erst im vergangenen Jahr die EU-Kommission mehr Patientenschutz angemahnt.

Bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern wurden im Jahr 2008 insgesamt 10967 Begutachtungsanträge zu Behandlungsfehlern gestellt. Das sind 535 mehr als im Jahr 2007 (+5,1%) und 687 (+ 6,7%) mehr als im Vergleich zu 2006.

7.133 Anträge wurden bearbeitet. In 29 Prozent der Fälle lag ein Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmangel vor. Davon konnte in 1.695 der Fälle ein Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt werden, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete. Das geht aus der „Statistischen Erhebung der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für das Statistikjahr 2008“ hervor. Allerdings: Nur vielleicht ein Viertel aller vermuteten Arzthaftungsfälle werden durch die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bewertet, räumt selbst die Ärztekammer ein.

Am weitaus häufigsten betreffen Vorwürfe die Durchführung von Operationen. Danach folgen fehlerhafte Diagnosen und therapeutische Maßnahmen im Anschluß an einen operativen Eingriff. Was die Krankheiten betrifft werden die meisten Behandlungsfehler bei der Behandlung von Arthrosen, Unterschenkel-, Obnerschenkel- und Sprunggelenkbrüchen sowie von Brustkrebs vermutet.

„Wir wollen mit der Behandlungsfehlerstatistik transparent machen, wo es Fehlerhäufigkeiten gibt und welche Ursachen sich dahinter verbergen“, erklärte Dr. Andreas Crusius, Vorsitzender der Ständigen Konferenz der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen. Durch eine zielgerichtete Auswertung der Ergebnisse sei der erste Schritt zur Fehlervermeidung bereits getan. Ob das wirklich gelingt?

Die seit 1975 bei den Ärztekammern eingerichteten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für Arzthaftungsstreitigkeiten bieten eine Begutachtung durch unabhängige Experten und außergerichtliche Streitschlichtung bei Behandlungsfehlervorwürfen an. Der Patient kann in dem gebührenfreien Verfahren überprüfen lassen, ob sein Behandlungsfehlervorwurf gerechtfertigt ist. In ca. 90 Prozent der Fälle werden die Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen von beiden Parteien akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt. Wird nach Begutachtung durch die Gütestellen doch noch der Rechtsweg beschritten, werden die Gutachten der Kommissionen überwiegend bestätigt.

Die wahre Schwere der Situation scheint dies aber nicht zu treffen. Im vergangenen Jahr hat die EU-Kommission eine Studie vorgelegt, die sagt, dass in 10% aller medizinischen Behandlungen ein ärztlicher Behandlungsfehler entsteht. Als „echte Herausforderung“ bezeichnete die Kommission das Problem. Weil die EU in fast allen Mitgliedsländern die Rechte der Patienten als verbesserungswürdig einstuft, fordert sie Maßnahmen, die Klagen erleichtern und Entschädigungen sicherstellen.

Weil die Durchsetzung von Ersatzansprüchen wegen der Beweislage oft sehr schwer fällt, mahnen nicht nur die Verbraucherzentralen ein Patientenrechtsgesetz an, “das Rechte und Pflichten zwischen Arzt und Patient klar regelt”. Vor allem soll der Arzt nachweisen müssen, dass sein Fehler nicht zu Gesundheitsschäden geführt hat. Eine Forderung, die die Ärzte erst jüngst wieder vehement abgelehnt haben.

WANC 12.06.09/Quelle: BAEK, Welt, Deutsches Ärzteblatt

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