Krankenversicherung
Patientenrecht
Gesundheitspolitik
Rat
 
 

Schriftstueck
Attest: Wird anscheinend von manchen Ärzten zu leichtfertig ausgestellt
Sozialgericht Dortmund kritisiert Attestflut

Niedergelassene Ärzte attestieren nach Ansicht des Sozialgerichts Dortmund Patienten zu schnell ein aufgehobenes Leistungsvermögen im Erwerbsleben. Denn oft halten die Atteste einer Überprüfung durch unabhängige Sachverständige nicht stand.

Nach Auffassung des Kammervorsitzenden Ulrich Schorn vom Sozialgericht Dortmund sind niedergelassene Ärzte zunehmend bereit, durch Atteste für ihre Patienten Einfluss auf Sozialgerichtsverfahren zu nehmen. Herbei könnten auch Aspekte der Kundenbindung eine Rolle spielen. Die behandelnden Ärzte sollten mehr Zurückhaltung an den Tag legen und sich im Zweifel darauf beschränken, Gesundheitsstörungen und Behandlungsverläufe mitzuteilen. Ob eine zur Rentengewährung führende Erwerbsminderung vorliege, entscheide das Sozialgericht auf der Grundlage neutraler sozialmedizinischer Gutachten.

In dem vorliegenden Fall legte eine 46-jährige Langzeitarbeitslose Arbeiterin aus Witten in ihrem Rechtsstreit um eine Erwerbsminderungsrente insgesamt 29 Atteste ihrer 6 behandelnden Ärzte vor. Die Atteste enthielten im Wesentlichen die Wiedergabe zahlreicher Beschwerden der Klägerin und gipfelten im Falle eines Facharztes für Neurologie und Psychiatrie in der Aussage, die Berentung sei zur Sicherung des Lebensunterhaltes notwendig und es bestünden Ansprüche gegenüber dem Rentenversicherungsträger, die geltend gemacht werden sollten. Die gerichtlichen Sachverständigen hielten die Klägerin jedoch für in der Lage, unter den üblichen Bedingungen des allgemeinen Arbeitsmarktes eine körperlich leichte Tätigkeit sechs Stunden und mehr zu verrichten.

Mit diesem Leistungsvermögen bestehe kein Anspruch auf Rente wegen voller Erwerbsminderung, stellt die 34. Kammer des Sozialgerichts Dortmund in seinem Urteil fest. Die Atteste der behandelnden Ärzte fänden bei der eingehenden gutachterlichen Überprüfung des Leistungsvermögens der Klägerin im gerichtlichen Verfahren keine Bestätigung.

WANC 16.04.07/Quelle: Sozialgerichtsbarkeit.de

Aus gesundheitlichen Gründen: Bestimmte Arbeit darf verweigert werden

 
Seite versenden  
Seite drucken