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Chroniker: Für niedrigere Belastungsgrenze müssen Vorsorgeuntersuchungen nachgewiesen werden (Foto: DAK/Wigger)
Chronisch Kranke: Höhere Hürden für niedrigere Belastungsgrenze

Zum 1. Januar wird die neue Chroniker-Richtline wirksam. Die Auflagen, um in den Genuss der niedrigeren Belastungsgrenze zu kommen, wurden verschärft. Vor allem muss der Kranke sich jetzt vom Arzt „therapiegetreues Verhalten“ bescheinigen lassen.

Chronisch Kranke profitieren von einer Regelung im Sozialgesetzbuch, die ihre finanzielle Belastung durch Zuzahlungen verringern soll. Wer chronisch erkrankt ist, für den gilt die halbierte Belastungsgrenze von 1 Prozent statt 2 Prozent der jährlichen Bruttoeinnahmen zum Lebensunterhalt.

Ab 2008 werden die Hürden höher, wenn man diesen verringerten Satz in Anspruch nehmen will. Denn künftig muss man nachweisen, dass man sich vor der Erkrankung über die relevanten Vorsorgeuntersuchungen hat beraten lassen. Und so begründet das Gesundheitsministerium diese Maßnahmen: „Damit wird die Verpflichtung der Versicherten gegenüber der Versichertengemeinschaft zu gesundheitsbewusstem und eigenverantwortlichem Verhalten betont.“

Die neue Regelung, die zunächst auf die Vorsorgeuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs, Darmkrebs und Gebärmutterhalskrebs beschränkt bleibt, gilt für Versicherte, die ab dem 1. Januar 2008 erstmals Vorsorgeuntersuchungen nach § 25 SGB V in Anspruch nehmen können. Betroffen sind folgende gesetzlich Versicherte:

  • Nach dem 01.04.1972 geborene chronisch kranke Versicherte, die ab dem 01.01.08 den sog. Check-Up 35 (2-jährige Gesundheitsuntersuchungen Herz-Kreislauf-Niere ab 35. Lebensjahr) vor der Erkrankung nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben
  • nach dem 01.04.1987 (20. Lebensjahr) geborene weibliche
  • sowie nach dem 01.04.1962 (45. Lebensjahr) geborene männliche chronisch kranke Versicherte, die an einer Krebsart erkranken, für die eine Früherkennungsuntersuchung besteht, und die diese Untersuchung ab dem 01.01.2008 vor ihrer Erkrankung nicht regelmäßig in Anspruch genommen haben.

Für die erfolgt keine Absenkung der Belastungsgrenze von 2 auf 1 Prozent.

Als „Ausnahme von der Ausnahme“ ist vorgesehen, dass die eigentlich von der Absenkung ausgenommenen Versicherten an einem für ihre Erkrankung bestehenden strukturierten Behandlungsprogramm teilnehmen. Dann gilt für sie wieder die 1-prozentige Belastungsgrenze.

Zusätzlich zu dem nach wie vor vorgesehenen Nachweis des Fortbestehens der chronischen Erkrankung in Folgejahren ist nunmehr als Voraussetzung für die Ausstellung der jährlichen Bescheinigung vorgesehen, dass der Arzt ein therapiegerechtes Verhalten des Versicherten feststellt. Wunderbar. Wie bei den Vorsorgeuntersuchungen sind hier ebenfalls Ausnahmeregelungen für den Fall der Unzumutbarkeit für den Versicherten vorgesehen. Das Nähere hat der Gemeinsame Bundesausschuss zu regeln.

WANC 18.12.2007

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