Krankenversicherung
Patientenrecht
Gesundheitspolitik
Rat
 
 


Aufklärung des Patienten über Nebenwirkungen: Bundesgerichtshof sieht Beweislast beim Arzt (Foto: DAK/van den Berg)
Medikamente: Ärzte müssen über Nebenwirkungen aufklären

Mediziner müssen ihre Patienten auf mögliche Nebenwirkungen von Medikamenten aufmerksam machen. Der Hinweis auf den Beipackzettel der Packung reicht dazu nicht aus.

"Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie ihren Arzt… " heißt es am Ende von Werbespots im Fernsehen. Dass dies keine leeren Worte sind, hat kürzlich der Bundesgerichtshof in Karlsruhe bekräftigt. Er hob das Urteil einer untergeordneten Instanz auf.

Dort war eine Gynäkologin freigesprochen worden, die ihre Patientin nicht auf schwerwiegende Risiken der "Antibaby-Pille" hingewiesen hatte. Dazu gehört die Gefahr von Schlaganfällen bei Rauchern. Dass ihre Patientin rauchte, war der Ärztin bekannt. Trotzdem drängte sie auf eine Verordnung. Die Frau erlitt einen Schlaganfall und klagte auf Schadenersatz.

Die Entscheidung des Bundesgerichtshof nützt nicht nur der geschädigten Patientin, schreibt der Jurist Hans-Jürgen Rieger in der DMW Deutsche Medizinische Wochenschrift. Die Begründung des Gerichts stärke die Rechte aller Patienten.

Denn das Gericht sah in der unterlassenen Aufklärung nicht nur ein ärztliches Versäumnis oder einen Behandlungsfehler, so Rieger. In diesem Fall hätte die Klägerin beweisen müssen, dass die Ärztin sie nicht aufgeklärt hat, was vor Gericht sehr schwer ist.

Doch das Gericht sah, so der Jurist, darüber hinaus eine Verletzung des Selbstbestimmungsrechts der Patientin. Dieses Selbstbestimmungsrecht hätte die Patientin nur ausüben können, wenn die Ärztin sie ausdrücklich auf die Risiken der "Pille" hingewiesen hätte. Bei einer solchen Eingriffsaufklärung liegt die Beweislast vor Gericht beim Arzt.

Der Jurist Rieger rät Ärzten die Angaben in den Beipackzetteln nur als "Teilinformationen" zu betrachten. Sie müssten ihren Patienten weitere Informationen geben, um sie vor einer Selbstgefährdung zu schützen. Und Patienten sollten ihre Arzt ausdrücklich nach möglichen Nebenwirkungen eines Medikamentes fragen und sich nicht mit kurzen oder beschwichtigenden Erklärungen zufrieden geben.

WANC 22.07.05/Quelle: H.-J. Rieger: Aufklärung des Patienten über Risiken und Nebenwirkungen eines Medikamentes, Deutsche Medizinische Wochenschrift 2005.

Wechselwirkungen von Medikamenten

Ältere Patienten: Bessere Informationen zur Therapie notwendig

Patient aktiv an Entscheidungen beteiligen

Medikamente: Frauen reagieren anders als Männer

Medikamente: Wie weit geht die Haftung?

 
Seite versenden  
Seite drucken