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Auch Ärzte können Fehler machen - auch wenn es ihnen schwer fällt, sie zuzugeben (Foto: Stock photo)
Die Fehler der Ärzte

Bekannt sind sie eigentlich als Götter in Weiß. Und viele haben dieses Selbstverständnis auch noch: unfehlbar, unantastbar, unvergleichlich. Doch die Einsicht der Ärzte, dass sie auch Fehler machen können, wächst. Wenn auch langsam. Das zeigt schon die Statistik der Behandlungsfehler, die von der Bundesärztekammer (BAEK) geführt wird und ziemlich konstant bleibt. Forderungen nach einem Melderegister werden weiterhin abgelehnt.

Wie aus der Statistik hervorgeht, haben die Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen bei den Ärztekammern im Jahr 2009 insgesamt 7.424 Anträge zu mutmaßlichen Behandlungsfehlern bearbeitet. Dabei lag in 2184 Fällen ein Behandlungsfehler oder Risikoaufklärungsmangel vor. In 1771 Fällen wurde ein Behandlungsfehler als Ursache für einen Gesundheitsschaden ermittelt, der einen Anspruch des Patienten auf Entschädigung begründete.

Im Vergleich zu 2008 ist die Zahl der bei den Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen eingegangenen Begutachtungsanträge mit 10972 (+0,05 Prozent) weitgehend konstant geblieben. Die häufigsten Diagnosen, die zu Behandlungsfehlervorwürfen führten, waren wie in den Vorjahren Hüft- und Kniegelenkarthrosen sowie Unterarm-, Unterschenkel- und Sprunggelenkfrakturen.

Oft sind mangelnde Absprachen zwischen den Pflegerkräften, Stress und Übermüdung Grund für die Fehler in der Behandlung. Fehler bei der Medikamentenverabreichung könnten durch einen automatischen EDV- Check, ob sich sämtliche einem Patienten zu verabreichende Medikamente überhaupt vertragen, vermieden werden.

Die seit 1975 bei den Ärztekammern eingerichteten Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen für Arzthaftungsstreitigkeiten bieten eine Begutachtung durch unabhängige Experten und außergerichtliche Streitschlichtung bei Behandlungsfehlervorwürfen an. In ca. 90 Prozent der Fälle werden die Entscheidungen der Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen von beiden Parteien akzeptiert und die Streitigkeiten beigelegt, freut sich die BAEK.

Als großen Sieg feiert die BAEK außerdem: “Wird nach Begutachtung durch die Gütestellen doch noch der Rechtsweg beschritten, werden die Gutachten der Kommissionen überwiegend bestätigt.”

Für Kritiker ist aber gerade das, der Beweis für die Falschheit des Systems. Denn die Gutachter würden ihre Kollegen nur selten belasten. Viele fordern deshalb eine zentrale Meldestelle für Behandlunsfehler, die die BAEK aber ablehnt. Außerdem müssten die Ärzte ihre Unschuld beweisen und nicht die Patienten deren Schuld. Außerdem müssten die Verfahren beschleunigt werden.
 
WANC 25.06.10, Quelle: BAEK, Privates Netzwerk Medizingeschädigter

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