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Verkehrsunfall in Folge von Medikamenten-Nebenwirkungen: Das Risiko wird oft unterschätzt (Foto: Stock photo)
Medikamente: Manche beeinträchtigen Verkehrstüchtigkeit

Medikamente können ein Sicherheitsrisiko im Straßenverkehr sein. Tatsache ist, dass Medikamente die Fahrtüchtigkeit eines Patienten augrund ihrer therapeutischen Wirkung wie auch durch unerwünschte Nebenwirkungen gefährden können. Aber das Risiko wird häufig unterschätzt: Es gibt einige Medikamente, die die Verkehrstüchtikgkeit von Autofahrern  beeinflussen. Ein Schutz ist das nicht. Betroffene müssen vor der Einnahme eines Medikaments auch selbst nach möglichen Risiken fragen.

„Jeder weiß: Alkohol verträgt sich nicht mit Autofahren oder dem Bedienen gefährlicher Maschinen. Das Risiko von Medikamenten wird aber oft unterschätzt“, warnt Erika Fink, Präsidentin der Bundesapothekerkammer. Es gebe keine Grenzwerte für Arzneimittel, sagt sie. Grundsätzlich muss jeder Verkehrsteilnehmer seine Leistungsfähigkeit vor Fahrtantritt selbst einschätzen. Das gilt swohl für vom Arzt verschriebene wie für rezeptfreie Medikamente. Die Fahrtüchtigkeit kann aber nicht nur durch das Einnehmen von Arzneimitteln eingeschränkt werden. Ebenfalls riskant kann das plötzliche Absetzen von Medikamenten oder die Änderung der Dosierung eines gewohnte Mittels sein.

Am bekanntesten ist die reaktionsverzögernde Wirkung bei rezeptpflichtigen Beruhigungs- und Schlafmitteln. Sie sollten grundsätzlich abends eingenommen werden. Kritisch sind möglicherweise Anti-Depressiva und manche Schmerzmittel. Ob ihre Wirkung noch am nächsten Morgen spürbar ist, hängt vom Wirkstoff, dem Einnahmezeitpunkt und der Dosis ab. Auch rezeptfreie Medikamente können die die Reaktionsfähigkeit verschlechtern. Dazu gehören unter anderem einige Kombinationspräparate gegen Erkältungen oder rezeptfreie Schlafmittel.

Arzneimittel, die am Auge angewendet werden, können die Sicht und damit ebenfalls die Verkehrssicherheit verschlechtern. Wie lange diese Sichtverschlechterung anhält, hängt von der Darreichungsform ab. Grundsätzlich sollten Patienten mit dem Autofahren warten, bis sie wieder klar sehen können. Augensalben und ölige Augentropfen verschlechtern die Sehfähigkeit längere Zeit und werden deshalb vor allem abends eingesetzt.

Eine Liste von Arzneimitteln mit möglichem Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit hat die Ärztekammer Nordrhein veröffentlicht. Darauf finden sich: Antiasthmatika, Antibiotika, Antidepressiva, Antidiabetika, Antiepileptika, Antihistaminika, Antihypertensiva, Antikoagulantien, Appetitzügler, Barbiturate, Digitalis-Glykoside, Grippemittel, Muskelrelaxantien, Narkotika, Neuroleptika, Nicht-steroidale Antiphlogistika, Ophthalmika, Opiate/Opiode, Sedativa/Hypnotika, Stimulantien, „traditionelle“ Arzneimittel wie Klosterfrau Melissengeist mit 79 Vol% Ethanol, Tranquilizer. Nähere Informationen zum Gebrauch, zu Wirkungen und Nebenwirkungen sind zu finden unter: http://www.aekno.de/page.asp?pageId=4628&noredir=True.

Der Radiosender SWR4 warnte seine Hörer vor den Gefahren so: „Im Zweifel fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker, ob Sie mit dem Medikament, das Sie einnehmen, fahren können. Seien Sie da bitte wirklich sehr vorsichtig, denn wenn Sie einen Unfall bauen und Ihnen wird nachgewiesen, dass Sie durch ein Medikament nicht mehr fahrtüchtig waren, dann ist das eine Straftat. Und: Sie müssen damit rechnen, dass die Versicherung den entstandenen Schaden nicht zahlt.“

Die Ärztekammer Nordrhein macht ihren Mitgliedern – den Ärzten – klar, wie die rechtliche Situation gelagert ist: “Grundsätzlich muss ein Teilnehmer am Straßenverkehr selbst Vorsorge treffen, durch vorliegende körperliche oder geistige Mängel andere Verkehrsteilnehmer nicht zu gefährden (§§ 1 und 3 StVO). Das vermindert aber nicht die Pflicht zur Sicherungsaufklärung des Arztes. Aus juristischer Ansicht muss ein Arzt in entsprechenden Fällen von sich aus den Patienten befragen, ob er gegenwärtig ein Kraftfahrzeug führt. Bei uneinsichtigen Patienten kann sogar die Durchbrechung der ärztlichen Schweigepflicht nach den Grundsätzen des rechtfertigenden Notstandes gerechtfertigt sein. Diese Rechtsauffassung wurde 2007 bestätigt.“

Anmerkung: Jedes Jahr sterben weltweit rund 1,2 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen. Nach Angaben der WHO sind Verkehrsunfälle die zweithäufigste Todesursache bei fünf- bis 29-Jährigen. Für 15- bis 19-Jährige sind sie sogar die häufigste Todesursache.

WANC 26.10.10, Quelle: ABDA, Ärztekammer Nordrhein, SWR4, WHO

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