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Mitsprache: Mehr Patientenorientierung und mehr Transparenz
Patienten wünschen mehr Mitspracherecht

Patienten möchten mehr mitentscheiden. 
So lautet das Fazit einer internationalen
Konferenz, "The Future Patient Conference",
in Brüssel.
Dort diskutierten am 14. und 15. November
Vertreter von Patientenorganisationen, Ärzte, 
Politiker, sowie Repräsentanten aus Industrie und
Forschung die Rolle des Patienten innerhalb
seiner gesundheitlichen Versorgung. "Die Einstellung von Ärzten zu ihren Patienten
ist immer noch zu paternalistisch." So interpretiert
Professor Angela Coulter vom britischen Picker
Institut die Forschungsergebnisse einer
europäischen Studie. Wissenschaftler aus acht
europäischen Ländern befragten Patienten, was
sie von ihrem Gesundheitssystem erwarten. Die
Antwort war einstimmig: Die Menschen von
Stockholm bis Madrid wünschen sich eine
flexiblere Medizin, die ihnen die Möglichkeit gibt,
unter Behandlungsalternativen auszuwählen. In den meisten Ländern wollten 70 bis 80
Prozent der Patienten die Therapiewahl
mitbestimmen. Etwa sieben von zehn Patienten
waren zufrieden mit ihrem Mitspracherecht.
Die Ausnahme sind Spanien und Portugal.
Dort wollten nur 40 bis 50 Prozent ihre
Behandlung mitbestimmen, nur die Hälfte
der Menschen war zufrieden. Ihr Mitspracherecht in der gesamten
gesundheitlichen Versorgung beurteilten die
Patienten deutlich schlechter. Die besten Beurteilungen gaben Schweizer und Spanier ab.
Sieben von zehn Befragten beurteilten ihre
Wahlmöglichkeiten innerhalb des
Gesundheitssystems als gut bis sehr gut. In
Schweden und Deutschland gaben nur 40
Prozent der Menschen so gute Noten. In
Slowenien und England war nicht einmal jeder
Dritte zufrieden. In allen Ländern kommt dem Arzt eine
Schlüsselrolle im Gesundheitssystem zu.
Als Informationsquelle für gesundheitliche Fragen benannten sechs von zehn Patienten
den Hausarzt, jeder fünfte den Spezialisten,
ebenso viele die Druckmedien, jeder zehnte
benutzte das Internet. Deutsche Patienten wollen Ärztelisten Generell ist das Vertrauen der deutschen
Patienten in ihren Arzt, besonders den
Hausarzt, sehr hoch. Die deutsche
Arbeitsgruppe von der Medizinischen
Hochschule Hannover führte unter der Leitung
von PD Dr. Marie-Luise Dierks in so genannten
Fokusgruppen Gespräche mit insgesamt
59 Patienten. Das Ergebnis: Für 85 Prozent
der Patienten ist ihr Arzt die häufigste
Informationsquelle in Gesundheitsfragen. Doch sie würden gerne mehr über die
Qualifikation von Ärzten wissen. Sieben von zehn Befragten fühlten sich
über die Qualität von niedergelassenen Ärzten
schlecht informiert, 66 Prozent über die Qualität von Krankenhäusern. Für neun von zehn Befragten war die
Information über ihre Krankheit, deren Ursache
und Verlauf das wichtigste Thema innerhalb ihrer gesundheitlichen Versorgung. Mit
Informationen zu Gesundheit und Krankheit
im allgemeinen fühlten sich Dreiviertel der
Patienten ausreichend versorgt. Doch für das
persönliche Gespräch bleibt offenbar zu wenig
Zeit. Dieses stand mit 81 Prozent an zweiter
Stelle der Prioritäten und war gleichzeitig der
häufigste Kritikpunkt. "Die Zufriedenheit mit
dem System ist vordergründig hoch", fasst
Dierks die Ergebnisse der Studie zusammen.
"Doch die Menschen kritisieren vor allem die
mangelnde Patientenorientierung und die
fehlende Transparenz." Ärzte als Navigatoren Weil der Zeitmangel der Ärzte auf der
Kritikliste ganz oben steht, bietet sich das
Internet als zusätzlicher Vermittler von
Information an. In der Hannoveraner Studie
bezogen 37 Prozent der Befragten
Gesundheitsinformationen aus dem Internet.
Ärzte könnten ihre Patienten diesbezüglich
unterstützen und sie über seriöse Internetadressen informieren. "Der Arzt der
Zukunft könnte 'Navigator' für seine informierten
Patienten sein, indem er das Internet in die
Behandlung einbezieht", sagte Wendy Levinson
von der Universität Toronto. Doch die Nutzer des Gesundheitssystems
sind nicht nur Konsumenten von Information.
Sie sollten ihre Informationen auch weitergeben. "Wenn Patientenorganisationen
zusammenarbeiten, können sie mehr bewegen", forderte Virginia T. Ladd, Präsidentin
der amerikanischen Vereinigung
immunassoziierter Erkrankungen.
WANC 09.01.03

Quelle: Future Patient Conference,
Brüssel, 14.-15. November 2002

Institut für Pflegerecht

Informationsdienst Wissenschaft

Deutschlandfunk

 
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