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Medikamente auf Löffel
Medikamente: Es wurden erstmals Festbeträge für acht Wirkstoffe festgelegt
Arzneimittel: Neue Festbeträge sollen Kosten sparen

Rund 100 Millionen Euro pro Jahr wollen Krankenkassen durch die am 01.07. in Kraft getretenen neuen Festbeträge sparen. Der Versicherte hat erst einmal nichts davon, muss im Gegenteil mehr zahlen, will er sein Medikament behalten, welches außerhalb der Erstattungsgrenzen liegt.

Das Bundesgesundheitsministerium definiert Festbeträge so: Festbeträge sind Höchstbeträge für die Erstattung von Arzneimittel-Preisen durch die gesetzlichen Krankenkassen. Das bedeutet: Die Krankenkassen zahlen nicht automatisch jeden Preis, sondern nur einen Festbetrag: Diese werden für Gruppen vergleichbarer Arzneimittel festgesetzt. So hat der Arzt, der ein Medikament verschreiben will, die Wahl zwischen mehreren therapeutisch gleichwertigen Präparaten, die er dem Patienten auf Kosten der Krankenkasse verschreiben kann. Verordnet der Arzt dennoch ein Arzneimittel, dessen Preis über dem Festbetrag liegt, so muss der Patient diesen Differenzbetrag zusätzlich zur gesetzlichen (Zuzahlung) entrichten; das gilt auch für Patienten, die von der Zuzahlung befreit sind. Der Arzt ist verpflichtet, den Patienten in diesem Fall vorher darüber zu informieren.

Festbeträge sollen also vor allem die Ausgaben der Kassen stoppen. Die geben jeden Tag im Jahr rund 70 Millionen Euro für Arzneimittel aus. Dies macht derzeit Monat für Monat über zwei Milliarden Euro. Kein Wunder, dass deshalb der BKK Bundesverband argumentiert: „Damit diese Kostendynamik zumindest etwas gebremst wird, gibt es die "Festbetragsregelung". Und: „Dies bremst das Ausgabenwachstum bei einer gleichbleibend hohen Versorgungsqualität.“

Nicht jeder Patient sieht das genauso. Wer jahrelang ein Medikament eingenommen hat und dafür plötzlich mehr zahlen soll, zeigt sich wenig begeistert. Und viele wollen das, was ihnen bisher geholfen hat, nicht einfach gegen eine andere Arznei tauschen. Wobei die jetzt aufkommenden Rabattverträge diesen Zwang noch verstärken könnten.

Ab Anfang Juli 2007 kommen die Festbeträge für acht Gruppen hinzu. In diesen Gruppen sind beispielsweise starke, betäubende Schmerzmittel, Mittel gegen Bluthochdruck bzw. Prostataleiden sowie zur Behandlung von Parkinson enthalten. Diese neuen Festbetragsgruppen sollen die Ausgaben der Krankenkassen um rund 100 Millionen Euro im Jahr reduzieren. Die neuen Festbeträge ergänzen die bereits seit 1989 geltenden Festbeträge auf insgesamt 440 Gruppen.

Die neuen Festbeträge - Wirkstoffe und Einsatzgebiete:

1. Fentanyl: starkes, betäubendes Schmerzmittel (z.B. beim Einsatz gegen Tumorschmerzen)
2. Levodopa + Carbidopa: Parkinsonmittel
3. Terbinafin: Mittel gegen Pilzinfektionen (Haut, Schleimhäute)
4. Alpha-Rezeptorenblocker Gr. 1 Mittel gegen Bluthochdruck bzw. gegen Prostatahyperplasie
5. Alpha-Rezeptorenblocker Gr. 2: wie 4.
6. Antianämika: Mittel zur Blutbildung (z.B. Eisenmangel)
7. neuere Makrolide: Infektionen
8. Bisphosphonate und Kombinationen von Bisphosphonaten mit Additiva: Mittel gegen Knochenabbau (Osteoporose)

WANC 02.07.07

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