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Armut bringt Diabetes und Fettsucht

Armut bedeutet, nicht nur wenig oder so gut wie kein Geld zu haben. Armut bedeutet auch, schlechter zu leben. Wer arm ist, zahlt häufig mit seiner Gesundheit dafür. Wissenschaftler drücken das so aus: Menschen, die in sozioökonomisch benachteiligten Regionen leben, sind häufiger von Typ-2-Diabetes und Adipositas betroffen.

Wenn Politiker über den sozioökonomischen Status sprechen, dann wollen sie mit diesem Wortungetüm gerne vernebeln, dass es um Menschen geht, die sozial benachteiligt sind und in gesellschaftlicher Ungleichheit leben. Das bedeutet meist, dass sie einen bescheidenen Job haben, ein mickriges Einkommen beziehen, ein geringes Prestige besitzen und meist schlecht ausgebildet sind. Inzwischen gibt es viele Untersuchungen, die belegen, dass es zwischen einer schlechten Sozioökonomie und einer schlechten Gesundheit ganz viele Verbindungen bestehen.

So erhöht ein niedriger sozioökonomischer Status die Gefahr, an einem Herzinfarkt, Schlaganfall, an Atemwergsproblemen, Leberstörungen, Depressionen, Osteoporose, Arthritis oder Hypertonie oder zu erkranken. Er sorgt auch dafür, dass Betroffenen an diesen Krankheiten früher sterben. Im übrigen: Der Umkehrschluß gilt. Wer wohlhabend ist kann sich über eine deutlich höhere Lebenserwartung freuen. Schon allein, weil sie ihre Gesundheitsversorgung besser gestalten können.

Dass das Leben in einer sozioökonomisch benachteiligten Region ein Risikofaktor für eine Einschränkung der Gesundheit ist, wurde ebenfalls mehrmals gezeigt. Dabei gesellen sich zu den persönlichen desaströsen ökonomischen Zuständen regionale Faktoren wie das durchschnittliche Einkommen der Bevölkerung, Arbeitslosigkeit oder die Beschaffenheit der Wohnumgebung. Das kann "alle Bewohner gesundheitlich beeinflussen – unabhängig davon, welchen Bildungsstatus die einzelnen Personen innehaben". Das gilt insbesondere für Diabetes mellitus und Adipositas (Fettleibigkeit).

Wissenschaftler vom Institut für Gesundheitsökonomie und Management im Gesundheitswesen (IGM) am Helmholtz Zentrum München (HMGU) und der Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsmonitoring am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin haben Daten von über 33.000 Personen im Alter ab 30 Jahren ausgewertet. In sozioökonomisch benachteiligten Regionen leiden die Bewohner überdurchschnittlich häufig an Diabetes und Übergewicht. Die geographische Benachteiligung wird als „regionale Deprivation“ bezeichnet.

In Regionen mit der höchsten Benachteiligung (Deprivation) lag die Häufigkeit eines Typ-2-Diabetes bei 8,6 Prozent der Befragten und für Adipositas bei 16,9 Prozent, gegenüber 5,8 bzw. 13,7 Prozent der Befragten in nur gering benachteiligten (deprivierten) Regionen. Demnach hatten Personen in den Gebieten mit der höchsten Deprivation noch eine rund 20 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, an Typ-2-Diabetes erkrankt zu sein, verglichen mit Männern und Frauen in den am wenigsten benachteiligten Regionen. Bei Adipositas lag sogar eine um fast 30 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit in Zusammenhang mit höherer Deprivation vor. Hohe regionale Deprivation war insbesondere bei Frauen ein unabhängiger Einflussfaktor für das Auftreten von Diabetes und Adipositas. Bei Männern ließ sich ein statistisch signifikanter und unabhängiger Zusammenhang für Adipositas, nicht aber für Diabetes nachweisen.


Berliner

Ärzteblatt 04.03.2014/ Quelle: PLOS ONE

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