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Personalisierte Medizin klärt zuvor ab, wie die Medikamente beim Patienten wirken
Personalisierte Medizin als Kostenbremse?

Passen medizinischer Fortschritt und vertretbare Kosten zusammen? Anscheinend ja. Denn die so genannte personalisierte Medizin wirkt zielgenauer und vermeidet unerwünschte Nebenwirkungen. Und das kann unterm Strich Geld sparen.

In der personalisierten Medizin werden Erkenntnisse aus der Molekularbiologie, der Diagnostik und der Therapie verknüpft. Dabei werden durch so genannte Biomarker Patientengruppen identifiziert, die auf eine bestimmte Therapie ansprechen, bei denen sie ohne Erfolg bleibt oder bei denen mit schweren Nebenwirkungen zu rechnen ist. Als Beispiele für die personalisierte Medizin wurden neue Behandlungsformen bei Krebs, AIDS und Rheuma genannt.

Mit diesem als viel versprechend gehandelten Lösungsansatz sollen neue Therapieformen eingeführt und trotzdem Kosten gespart werden. Die höhere Zielgenauigkeit der Therapie mache sie effizienter, auch wenn im Einzelfall die Behandlungskosten durchaus höher als bei älteren Therapien sein könnten. Dagegen würden Kosten für nutzlose, zeitraubende Behandlungen oder Folgekosten durch negativ wirkende Behandlungen vermieden.

Es wurde jedoch beklagt, dass die Budgetierung der Arzneimittelausgaben die Einführung der personalisierten Medizin behindere. Neue Medikamente dürften oft erst verschrieben werden, wenn sich alte Wirkstoffe als nutzlos erwiesen hätten. Dadurch könnten unumkehrbare Schäden entstehen. Eine wirtschaftliche Behandlung bedeute nicht unbedingt, dass die eingesetzten Medikamente billiger seien als ihre Vorgängerprodukte. Denn häufig seien die Folgekosten, die aus einer veralteten Behandlung entstehen, sehr viel höher.

Kosten-Nutzen-Bewertung als Entscheidungshilfe

Ob ein neues Medikament bezahlt werden soll, können die gesetzlichen Krankenversicherungen mit Hilfe einer Kosten-Nutzen-Bewertung entscheiden. Darin werden die Nutzen eines Medikaments den entstehen Kosten gegenüber gestellt. Nur wenn dieses Verhältnis stimmt, wird das Medikament von den Versicherungen auch bezahlt. Die gesetzlichen Grundlagen dazu hat das Wettbewerbsstärkungsgesetz gelegt. Für den Duisburger Gesundheitsökonomen Professor Jürgen Wasem entspricht das dafür entwickelte Verfahren vom �Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen� allerdings nicht dem internationalen Standard. Laut Wasem werde das Verfahren von den 30 führenden deutschen Gesundheitsökonomen einhellig kritisiert.

Auch wenn eine dauerhaft gute Versorgung nur durch medizinisch-technischen Fortschritt möglich ist, wird wahrscheinlich nicht alles, was der Fortschritt möglich macht und aus der Perspektive des Patienten wünschbar ist, auch finanziert werden können.

Darauf hat erst kürzlich auch der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe hingewiesen. Durch die strikte Begrenzung der Finanzmittel in der gesundheitlichen Versorgung werde schon längst nur noch das medizinisch unbedingt Notwendige von den Krankenkassen bezahlt. Die Möglichkeiten der Ärzte, für ihre Patienten die individuell beste Therapie auszusuchen, würden seit Jahren immer stärker eingeschränkt. Das sei Rationierung und darüber müsse man sprechen.

WANC 03.06.08/Quelle: 3. Berliner Roche Forum

Personalisierte Medizin: Für alle oder für wenige?

 
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