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Mammographie kann Brustkrebs nicht verhindern (Foto: Siemens)
Vorsorgeuntersuchungen: Mehr Schaden als Nutzen?

Die Diskussion, ob Vorsorgeuntersuchungen mehr Schaden als Nutzen bringen, wird kontrovers geführt. Jetzt warnt Professor Ingrid Mühlhäuser, Universität Hamburg, davor, sich dem Trugschluss hinzugeben, dass Vorsorgeuntersuchungen das Risiko einer Erkrankung vermindern.

Viele Menschen in Europa haben falsche Vorstellungen über die Krebsvorsorge. Bis zu 70 Prozent der Frauen in Ländern wie Großbritannien, Italien und der Schweiz glauben beispielsweise, dass das Mammographie-Screening Brustkrebs verhindert oder zumindest das Risiko dafür vermindert werden kann.

Immer häufiger gibt es auch in Deutschland Kampagnen, die die Bevölkerung zum Besuch von Vorsorgeuntersuchungen aufrufen. Doch nicht immer nutzen diese Kampagnen dem Patienten. Sie können auch dazu führen, dass das Risiko für Krebs und der Nutzen von Früherkennungsuntersuchungen überschätzt wird. Als Folge wähnen Patienten sich in falscher Sicherheit oder sind durch einen auffälligen Befund möglicherweise unnötig beunruhigt.

Fast die Hälfte der US-amerikanischen Bürger, die schon einmal ein falsches Testergebnis bei einer Untersuchung auf Krebs hatten, beschreiben dieses Erlebnis als "eine schreckliche oder gar die schrecklichste Zeit ihres Lebens", erklärt Professor Ingrid Mühlhäuser, Universität Hamburg, in der ZFA - Zeitschrift für Allgemeinmedizin (Georg Thieme Verlag).

Der Trugschluss, dass Untersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs der Vorsorge dienen, ist weit verbreitet. Diese Maßnahmen vermindern jedoch nicht das Risiko, an einem Mammakarzinom zu erkranken. Zudem ist die Aussage "Jede neunte Frau ist von Brustkrebs betroffen" irreführend, da sich diese Angabe auf die Gesamtlebenszeitspanne bezieht. Diese Zahl bezieht sich nur auf Frauen, die das 85. Lebensjahr erreicht haben. Bei Frauen zwischen 20 und 30 Jahren sind etwa 5 von 10000 betroffen.

Auch die Lebenserwartung wird durch die Teilnahme am Mammographie-Screening im statistischen Vergleich nicht verändert. "Bei nebenwirkungsreichen Testverfahren wie der Darmspiegelung zur Darmkrebsfrüherkennung könnte es sogar zu einer Zunahme der Todesfälle kommen", warnt Mühlhäuser.

Die Vorbereitung und Durchführung der Untersuchung seien gerade für ältere Menschen körperlich belastend und bisher gäbe es keine Untersuchungen, die eine Kosten-Nutzen-Abwägung für die Darmspiegelung zuließen. Die Patienten sollten daher umfassend über den möglichen Nutzen, den Schaden und die Folgen einer Teilnahme an Vorsorgeuntersuchungen informiert werden.

WANC 11.01.06

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